400 Hertz ist die Standarddrehzahl von Kreiselinstrumenten

Die Drehung der Erde wurde einst mit ihnen experimentell nachgewiesen, heute sind sie die Grundlage für viele Technologien: Kreiselinstrumente. 120 von ihnen hat die Universität Stuttgart in einer einzigartigen Sammlung zusammengestellt.

Illustration eines kardanisch gelagerten Kreisels, erfundenvonJohann von Bohnenberger (1765–1831)
Kardanisch gelagerter Kreisel, erfundenvonJohann von Bohnenberger (1765–1831) © Illustration: Tübinger Blätter für Naturwissenschaften und Arzneikunde 3 (1817), S. 72–83

Im Bild sieht man einen kardanisch gelagerten Kreisel, erfunden  von  Johann von Bohnenberger (1765-1831),  Professor an der Universität Tübingen. Diese "Maschine von Bohnenberger" wurde von Léon Foucault (1819-1868) weiterentwickelt und erstmals technisch für den Versuch genutzt,  die Drehung der Erde experimentell nachzuweisen. Der Kreisel hatte gegenüber dem nach ihm benannten Pendel den Vorteil, dass er theoretisch täglich eine vollständige Drehung vollzog.

Bohnenbergers Instrument gehört bis heute zum Standardrepertoire von Vorlesungen über Experimentalphysik und Kreiseldynamik. Er ist der Urahn aller Kreiselinstrumente, die Anfang des 20. Jahrhundert zu elementaren Navigationsgeräten in der Luftfahrt und Seeschifffahrt wurden. Sie drehen sich standardmäßig mit einer Drehzahl von 400 Hertz und sind Grundlage für zahlreiche Alltagstechnologien wie Smartphones, Navigationssysteme oder Spiele-Apps, wo sie für die Bewegung der Figuren zuständig sind.

Die Universität Stuttgart verfügt über eine in Deutschland einzigartige Kreiselsammlung mit rund 120 Objekten, die nun in einem BMBF-geförderten Vorhaben digitalisiert wird. Die Instrumente werden virtuell zerlegt und in ihrem Bewegungsverhalten animiert - durch Photogrammetrie, Computertomographie und Endoskopie. Das ermöglicht detaillierte Einblicke in den Aufbau der Geräte.

Mehr Informationen: http://www.gyrolog.de