Afrika im Fokus: Forschen, damit jeder satt wird

Ob Taschengärten oder Schädlings-Alarmanlagen: Mit ihren „GlobE“-Projekten helfen Forschende, die Ernährung in Afrika zu sichern. Wie ihre Forschungsideen künftig ganz Afrika zugutekommen können, diskutierten sie vom 3. bis 5. Dezember in Kenia.

Der Klimawandel und damit vermehrte Dürren und der Verlust an fruchtbaren Böden treffen insbesondere die Länder Afrikas. © Adobe Stock/Maribom

Jeden Tag sterben weltweit rund 24.000 Menschen an Hunger und seinen Folgen. Der Klimawandel und damit vermehrte Dürren und der Verlust an fruchtbaren Böden treffen insbesondere die Länder Afrikas. In den vergangenen sechs Jahren erarbeiteten Forschende in der Förderinitiative „GlobE – Globale Ernährungssicherung“ des Bundesforschungsministeriums zusammen mit afrikanischen Partnern innovative und regional angepasste Lösungen, um die Ernährung der afrikanischen Bevölkerung zu verbessern. Gerade Kleinbauern sollte dabei geholfen werden, höhere Erträge bei Ackerbau und Viehzucht zu erzielen. Zudem förderte GlobE die Gleichstellung der Frau in den landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten Afrikas. Wie erfolgreich sie dabei waren und wie künftig ganz Afrika von ihren Forschungsideen profitieren kann, diskutierten die GlobE-Partner vom 3. bis 5. Dezember auf einer Konferenz in Kenia.

Die deutschen und afrikanischen Partner waren sich einig: Die Bündelung deutscher und afrikanischer Kompetenzen konnte Brücken schlagen zwischen Entwicklungs- und Industrieländern, hochentwickelten Anbautechnologien und traditionellem Wissen. Ein drängendes Problem, für das sie gemeinsam eine Lösung fanden, ist zum Beispiel der Verderb vieler Nahrungsmittel nach der Ernte. Denn oftmals fallen Schädlinge über die Lebensmittellager her. Im Forschungsverbund RELOAD entwickelten Forschende daher ein akustisches Überwachungssystem, das Insekten anhand ihrer Geräusche entlarvt. Durch  „Abhorchen“ registriert es die sogenannten akustischen Kennlinien – eine Art Fingerabdruck der Insekten. So erkennen die Bauern einen Insekten-Befall rechtzeitig – und können sich für die Gegenwehr wappnen.

Erfolge der Maßnahmen sind schnell sichtbar. Dies trägt dazu bei, dass die Bevölkerung die Maßnahmen akzeptiert und weiterführt. Das Foto wurde in einem Dorf namens Kitunduweta in Tansania aufgenommen. © Wolfgang Stütz (Uni Hohenheim)

Weitere Beispiele der geförderten Projekte sind Küchen- oder Taschengärten, die Forschende im Netzwerk Trans-SEC zusammen mit den Dorfältesten in einigen Dörfern Tansanias aufbauten. Die Forschenden widmeten sich vorwiegend dem Technologie- und Wissenstransfer, um die Dorfbewohner besser mit Nahrung versorgen zu können. Bei den Taschengärten werden Plastiksäcke mit Erde befüllt, oben und in die Seiten der Säcke werden verschiedene Gemüsesorten eingepflanzt. Der Vorteil: Die Säcke können das Wasser deutlich besser speichern als der dürre Boden. Die Bevölkerung kann daher auch in der Trockenzeit Gemüse anpflanzen und Versorgungsengpässe überbrücken.

Ebenso legten Gen-Analysen alter afrikanischer Kulturpflanzen den Grundstein für eine verbesserte Ernährung. Im Verbund „Hortinlea“ untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wichtige einheimische Gemüsesorten in Ostafrika – zum Beispiel Augenbohne, Amarant oder äthiopischen Kohl. Mit der Kenntnis der genetischen Grundlagen für bedeutende Merkmale wie Schädlingsresistenz oder Toleranz gegen Wassermangel ließen sich besser geeignete Sorten für den Anbau finden und zudem die Artenvielfalt erhalten. Die Wissenschaftler entwickelten optimierte Anbau- und Erntetechniken und bestimmten den gesundheitlichen Nutzen der alten Kulturpflanzen. Ziel war es, wettbewerbsfähige Wertschöpfungsketten sozial und ökologisch zu gestalten und den Menschen Handlungsempfehlungen zu geben.

Die Finanzierung der deutschen Institutionen und afrikanischen Partnern der technologieoffenen GlobE-Initiative erfolgte durch das Bundesforschungsministerium. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) förderte die beteiligten internationalen Agrarforschungszentren (CGIAR). Ende 2018 läuft die erfolgreiche Maßnahme aus.Zum Abschluss findet vom 3. bis 5. Dezember in Kenia die „GlobE Pan-African Conference“ statt. Hauptziel der vom Bundesforschungsministerium finanzierten Konferenz wird die Verbreitung und Anwendung von Ergebnissen der Fördermaßnahme GlobE sein. Am letzten Tag der Veranstaltung wollen die Forscherinnen und Forscher den Blick auf die Zukunft richten: Bei  Strategie-Workshops wollen sie  zukünftige deutsch-afrikanische Forschungsinitiativen zu den GlobE-Themenfeldern Welternährung, Armutsreduzierung und ressourcenschonende Landnutzung ausarbeiten.

Die Förderinitiative GlobE

Die Maßnahme setzte sich aus zwei Förderphasen zusammen. In der Konzeptphase ab 2012 unterstützte das BMBF zunächst die Ausarbeitung von 15 Forschungskonzepten. Im Jahr 2013 wurden die Konzepte begutachtet und sechs Projekte mit insgesamt 42 Einzelvorhaben für die Umsetzungsphase (bis zu fünf Jahre) ausgewählt. Insgesamt förderte das BMBF die Vorhaben über die Gesamtlaufzeit mit 42,6 Millionen Euro, das BMZ steuerte 4,4 Millionen Euro bei.