"Beteiligen Sie sich an der Dekade gegen Krebs!"

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat den 1. Deutschen Krebsforschungskongress in Heidelberg eröffnet. „Wer in Deutschland an Krebs erkrankt, der soll wissen, dass er in keinem Land der Welt bessere Heilungschancen hätte“, sagte sie.

"Mit der Dekade gegen Krebs wollen wir das Bewusstsein dafür steigern, dass jeder selbst etwas tun kann, um sein Risiko, an Krebs zu erkranken, zu senken", sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bei der Eröffnung des Krebsforschungskongresses in Heidelberg. © BMBF/Hans-Joachim Rickel
Radiologe Heinz-Peter Schlemmer (links) und DKFZ-Vorstand Michael Baumann (rechts) zeigen Bundesministerin Karliczek das leistungsstarke MRT "Tesla 7". Gängige MRT haben zwischen 1,5 und 3 Tesla. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Heinz-Peter Schlemmer zeigt Ministerin Karliczek ein Röntgenbild mit Tumorzellen.

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Im Labor spricht Ministerin Karliczek mit Krebsforscherin Simone Bauer. Sie erforscht, welchen Effekt Medikamente auf Krebszellen haben.

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek (MdB) anlässlich der Eröffnung des Deutschen Krebsforschungskongresses am 4. Februar 2019 in Heidelberg.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Baumann,

sehr geehrte Frau Ministerin Bauer,

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrter Herr Professor Wenz,

sehr geehrter Herr Nettekoven,

sehr geehrte Damen und Herren!

Die Zahlen, die wir gerade im Film gesehen haben, sprechen für sich.

Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Fast jeder Zweite erkrankt irgendwann in seinem Leben an Krebs.

Und wer die Diagnose Krebs einmal in seinem Leben bekommen hat, der weiß:

Krebs verändert das Leben. Nicht nur das eigene. Auch das der Familie. Manchmal selbst das der engen Freunde.

Diesem Schicksal bieten wir die Stirn.

Mit der Dekade gegen Krebs. Letzte Woche haben wir den Startschuss dafür gegeben.

In den kommenden zehn Jahren mobilisieren wir alle Kräfte, um Krebs zu bekämpfen. Gemeinsam – mit Ihnen – mit:

  • Forschung,
  • Ärzten,
  • Pflegenden,
  • Gesundheitswirtschaft,
  • Patienten und Angehörigen

kämpfen wir:

Um Krebs besser zu verstehen.

Um Krebs zu verhindern.

Um Krebs zu heilen.

Ich bin überzeugt, dass wir in diesen zehn Jahren große Fortschritte machen werden. Denn es gibt ja nicht nur die beängstigenden Zahlen.

Es gibt ebenso viele Fakten, die uns Mut machen:

  • Rund ein Drittel aller Krebsfälle wäre vermeidbar.
  • Immer weniger Krebskranke sterben an der Krankheit.
  • Und vor allem: Die Forschung hat in den letzten Jahren bahnbrechende Durchbrüche erreicht. Auch dank neuer digitaler Möglichkeiten. Diese Forschung gilt es zu intensivieren, schneller zu nutzen und zu den Patienten zu bringen.

Wer in Deutschland an Krebs erkrankt, der soll wissen, dass er in keinem Land der Welt bessere Heilungschancen hätte. Dass es in keinem Land der Welt bessere Therapiemöglichkeiten gibt. Dass es in keinem Land der Welt eine umfassendere Pflege gibt.

Dieses Ziel wollen wir in zehn Jahren erreichen.

Wie gehen wir vor?

Drei Schwerpunkte der Dekade möchte ich nennen.

I.

1. Prävention.

Es ist manchmal schon erstaunlich. Da kursiert plötzlich die Nachricht, irgendetwas sei krebserregend. Wissenschaftlich fundiert ist das meist nicht. Trotzdem gibt es einen Aufschrei und Unsicherheit.

Dabei tritt in den Hintergrund, dass es nicht die eine Ursache für Krebs gibt, die sich leicht abschalten lässt.

Krebs ist eine tückische Krankheit. Wir kennen noch lange nicht alle Ursachen.

Aber einige kennen wir schon. Und wir wissen, was wir dagegen tun können. Tun wir es doch einfach!

Nicht rauchen, sich gesund ernähren, sich bewegen, sich gegen die Sonne schützen.

Wer das macht, der hat seinen persönlichen Kampf gegen Krebs schon begonnen.

165.000 Menschen hätten im vergangenen Jahr ihre Krebserkrankung verhindern können, wenn sie gesünder gelebt hätten. Das ist eine ungeheure Zahl.

Mit der Dekade gegen Krebs wollen wir das Bewusstsein dafür steigern, dass jeder selbst etwas tun kann, um sein Risiko, an Krebs zu erkranken, zu senken. Wohl wissend, dass das keine Garantie ist, gesund zu bleiben.

Zur Prävention gehört auch, zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen.

Noch eine Zahl:

180.000 Krebserkrankungen hat das Darmkrebs-Screening allein in den ersten 10 Jahren verhindert.

Je weniger belastend solche Screenings sind, desto eher werden Menschen daran teilnehmen. Sinnvolle Screenings zu entwickeln, das ist Aufgabe der Forschung. Ihre Aufgabe, sehr geehrte Damen und Herren. Auch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eröffnen dafür neue Chancen.

Unser aller Traum wäre: eine Impfung gegen alle Krebsarten. So einfach wird es nicht werden. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten, Krebs zu verhindern. Das hat die Impfung in Bezug auf Gebärmutterhalskrebs bewiesen.

II.

Und damit sind wir beim zweiten Schwerpunkt: Intensivierung der Forschung.

Wissen ist der Dreh- und Angelpunkt, um Krebs zu bekämpfen.

Deswegen unterstützen wir auch diesen ersten Deutschen Krebsforschungskongress hier in Heidelberg. Ich danke dem Deutschen Krebsforschungszentrum, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe, dass Sie diesen Kongress mit Partnern ins Leben gerufen haben.

Mehr als 500 Krebsforschende auf einem Fleck: Da kann man doch eigentlich nur optimistisch sein, was den Kampf gegen Krebs angeht.

Mit der Dekade investieren wir noch stärker in Ihre Arbeit – in Forschung und in Forschungsinfrastruktur.

Und zwar gezielt.

Wir überlegen zunächst:

  • Was sind eigentlich die wichtigsten großen Fragen, an denen wir arbeiten müssen?
  • Wo gibt es die größten Chancen, Durchbrüche zu erreichen?
  • Welche Forschungsschwerpunkte versprechen den Menschen den größten Nutzen?

Das zu beantworten, ist die erste Forschungsaufgabe.

Gezielt erfolgsversprechende Projekte fördern, um Menschen neue Chancen auf Heilung zu geben, auf ein gutes Leben auch mit der Diagnose Krebs – darum geht es.

Wir überprüfen die gängige Praxis. Zum ersten Mal fördern wir Studien in diesem Bereich.

  • Welche Ansätze in der Früherkennung, welche Therapien haben sich bewährt?
  • Welche Unterschiede gibt es an den verschiedenen Kliniken?
  • Welche diagnostischen Verfahren führen zu sicheren Ergebnissen?

Das gilt es systematisch zu vergleichen. Damit sich die besten Ansätze durchsetzen.

Bewerben Sie sich für die laufende Ausschreibung und verändern Sie die Praxis!

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz können uns hier große Schritte voranbringen. Mit den richtigen Daten gefüttert kann Künstliche Intelligenz Muster in Krankheitsverläufen erkennen. Sie kann auswerten, welche Therapien in welchen Fällen erfolgreich waren.

Daraus ergibt sich bedeutendes Potential für die individualisierte Medizin.

Für speziell auf einen Patienten zugeschnittene Therapien.

Allerdings: Dafür müssen wir Künstlicher Intelligenz diese Daten auch zur Verfügung stellen. Wie wir das machen und gleichzeitig den Patienten die Anonymität ihrer Daten zusichern, darüber werden wir diskutieren müssen. In einem breiten gesellschaftlichen Dialog.

III.

Das Stichwort Dialog bringt mich zum dritten Schwerpunkt.

Wir wollen einen breiten Dialog zwischen allen Beteiligten auch in der Krebsforschung.

Jeder kann sich in die Dekade gegen Krebs einbringen.

Ich rufe alle auf – Forscher, Patientenverbände, Bürgerinnen und Bürger – beteiligen Sie sich an der Dekade gegen Krebs.

Wir vernetzen alle, die in Deutschland gegen Krebs kämpfen.

Wir flechten ein enges Netzwerk. Ein Netzwerk, in das wir explizit die Patientinnen und Patienten einbeziehen. Das ist mir persönlich besonders wichtig.

Im Verhältnis zwischen Arzt und Patient sind wir schon ein großes Stück vorangekommen. Gespräche auf Augenhöhe sind inzwischen selbstverständlich. Gespräche, in denen die Patienten umfassend über Chancen und Risiken von Therapien aufgeklärt werden. Damit sie selbst tragfähige Entscheidungen treffen können.

Aber auch in der Forschung sollten die Erfahrungen der Patienten eine wichtige Rolle spielen:

  • Was hat ihnen besonders geholfen?
  • Was war belastend?
  • Was würden sie aus ihrer Erfahrung anders machen?

Dies gilt es systematisch zu erfassen und zu vergleichen. Die Bedürfnisse der Patienten sind entscheidend, wenn es darum geht, die besten Therapien zu entwickeln.

Teilen Sie uns Ihre Ideen hierzu mit – auf dem „Dekadenstand“ im Foyer.

Patienten eine Stimme in der Forschung zu geben – das ist mir ein wichtiges Anliegen.

Eines wollen sie ganz sicher: Zugang zu den neuesten Behandlungsmethoden.

Neue Therapien schnell zu den Patienten bringen – und zwar überall im Land – gehört zu den wichtigsten Zielen der Dekade. Hier müssen wir besser werden.

Natürlich müssen die Therapien validiert und gesichert sein. Aber auch hier spielt die Ansicht des Patienten eine wichtige Rolle. Wenn ein neues Medikament die letzte Hoffnung ist, dann können Risiken ein anderes Gewicht bekommen.

Mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen hier in Heidelberg und inzwischen auch in Dresden haben wir in den letzten Jahren wichtige Voraussetzungen geschaffen, um Forschungsergebnisse schneller in die klinische Anwendung zu überführen. Deswegen werden wir in der Dekade weitere Standorte des Nationalen Centrums aufbauen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

neulich sprach ich mit einer Mutter, deren Tochter an Krebs erkrankt war. Chemotherapie, Strahlentherapie, Operationen, Rezidiv – all das hatte das Mädchen hinter sich. Inzwischen in Remission sagte sie ihrer Mutter: „Ich weiß, Du wünscht Dir, ich hätte Krebs nie bekommen. Aber dann hätte ich auch alle diese tollen Menschen nicht kennengelernt.“

Diese tollen Menschen – das sind auch Sie!

Auf Sie vertraut dieses Mädchen.

Auf Sie vertrauen wir.

Mit der Dekade gegen Krebs geben wir Ihnen neuen Rückenwind.

Damit Sie im Kampf gegen Krebs noch erfolgreicher werden.

Damit Ihre Forschung schneller zum Patienten kommt. Überall. Auf dem Land genauso wie in der Stadt.

Damit die Erfahrungen der Patienten schneller zu Ihnen kommen.

Wir geben neuen Rückenwind: für ein Leben ohne Krebs.

In diesem Sinne wünsche Ihnen allen viel Kraft, Inspiration und Durchhaltevermögen für Ihre wichtige Arbeit.