Bildung für nachhaltige Entwicklung

Bildung für nachhaltige Entwicklung heißt, verantwortungsbewusstes Denken und Handeln ermöglichen. Weil das so wichtig ist, hat die UNESCO 2015 im Anschluss an die UN-Dekade ein Weltaktionsprogramm ausgerufen – auch Deutschland beteiligt sich.

Der Einzelne kann durch Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erkennen: "Mein Handeln hat Konsequenzen – nicht nur für mich und mein Umfeld, sondern auch für andere. Ich kann dazu beitragen, die Welt ein Stück weit zu verbessern". Dieses Denken ist dringend notwendig, um Veränderungen anzustoßen und drängende globale Probleme anzugehen. Neben den ökologischen und ökonomischen Herausforderungen sind soziale Aspekte, wie Chancengerechtigkeit oder die Frage nach Lebensqualität, von entscheidender Bedeutung.

Nationale Plattform

Am 29. September 2015 fand die konstituierende Sitzung der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) statt. Unter dem Vorsitz von Staatssekretär Christian Luft (zuvor Cornelia Quennet-Thielen) treffen sich zwei Mal jährlich Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Ziel ist es, Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen Bereichen des Bildungssystems fest zu verankern. Dabei sollen neue Wege beschritten und gute Ideen in die Breite getragen werden. Erfolgreiche Praxisbeispiele werden gezielt gefördert und vorbildliche BNE-Initiativen ausgezeichnet.

Konkrete Vorschläge, wie nachhaltiges Handeln optimal gelernt und strukturell verankert werden kann, sind in dem Nationalen Aktionsplan BNE zusammengefasst. Dieser wurde durch die Nationale Plattform am 20. Juni 2017 verabschiedet. Als Ziele im Nationalen Aktionsplan ist beispielsweise die stärkere Verankerung von BNE in den Curricula, Lehrplänen und Ausbildungsordnungen sowie im informellen Lernen benannt. Auf dem BNE-Portal ist ein Bericht veröffentlicht, der aufzeigt, wie beispielsweise die Ergebnisse der Online-Konsultation im Nationalen Aktionsplan BNE eingeflossen sind.

Wesentlich unterstützt wird die Plattform durch sechs Fachforen sowie das BNE-Jugendforum youpaN. In den Fachforen arbeiten Expertinnen und Experten mit, die von den Mitgliedern der Nationalen Plattform benannt wurden. Weitere Mitglieder der Fachforen sind die Partnernetzwerk-Sprecherinnen und -Sprecher, die den Input der BNE-Aktiven aus ganz Deutschland einbringen.

Die Bundesregierung geht mit dem nationalen BNE-Multi-Stakeholder Prozess – auch im internationalen Vergleich – in Vorleistung: Sie erfüllt das erste der fünf prioritären Handlungsfelder der Roadmap der UNESCO. Darin enthalten ist die Forderung nach politischer Unterstützung für BNE.

Fachforen und Partnernetzwerke

An die Nationale Plattform schließen sich sechs Fachforen und das BNE-Jugendforum youpaN als zentrale Gremien an. Sie gliedern sich entlang der Bildungskette: frühkindliche Bildung, Schule, berufliche Bildung, Hochschule, informelles und non-formales Lernen/Jugend sowie Kommunen. Die Foren bündeln die Fachkompetenzen zum jeweiligen Thema. Neben der Expertenrolle im Sinne der Beratung und Begleitung der Nationalen Plattform in der Maßnahmendurchführung kommt den Mitgliedern der Fachforen selbst eine aktive Rolle als Umsetzer des Nationalen Aktionsplans BNE zu, an dessen Erarbeitung sie maßgeblich beteiligt waren.

Die wesentlichen Aufgaben der Fachforen liegen darin, der Nationalen Plattform Vorschläge für die Priorisierung der umzusetzenden Maßnahmen zu unterbreiten sowie die Umsetzung der Maßnahmen aktiv zu begleiten. Dabei sind Fortschritte unter anderem durch die Erstellung von Studien und Orientierungshilfen zu erfassen.

Die Arbeitsgruppen der UN-Dekade BNE wurden als Partnernetzwerke von der Nationalen Plattform anerkannt und setzen ihre Arbeit fort. In allen Fachforen sind Mitglieder der zehn Partnernetzwerke vertreten. Damit tragen sie dazu bei, die Expertise und das Wissen der vergangenen zehn Jahre BNE in Deutschland in das Weltaktionsprogramm einzuspeisen.

Die Partnernetzwerke waren auch in die Erarbeitung der Handlungsfelder, Ziele und Maßnahmen des NAPs beteiligt. Und bei der Umsetzung des Aktionsplans sind die Partnernetzwerke unabdingbar, um BNE in die Bildungsstrukturen zu bringen. Als Multiplikatoren tragen sie zur Vernetzung der Akteure der Bildungspraxis bei und sind wichtige Impulsgeber für die Umsetzung von BNE vor Ort.

Auf der Jugendkonferenz "youcoN" haben im September 2017 rund 120 junge Menschen aus ganz Deutschland im Alter von 16 bis 23 Jahren untereinander diskutiert, wie sie BNE voranbringen können. Dort haben sie ein BNE-Jugendforum gebildet, das seitdem die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans BNE begleitet und die aktive Jugendbeteiligung im BNE-Prozess noch weiter stärkt. Die 25 Mitglieder des Jugendforums "youpaN" arbeiten in den Fachforen und in der Nationalen Plattform aktiv mit.
Im Oktober 2018 kamen rund 130 Teilnehmende aus ganz Deutschland zwischen 14 und 27 Jahren zur zweiten youcoN nach Wolfsburg, um über ihre Ideen für eine nachhaltige Welt zu sprechen. In Zukunftswerkstätten entwickelten sie Projekte für die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans BNE.

Agendakongress und BNE-Tour

Ein Forum für fachliche Diskussionen und neue Ideen bietet der BNE-Agendakongress. Erstmals fand der Kongress im Juli 2016 in Berlin unter dem Motto "Gemeinsam" statt. Der zweite Agendakongress "In Aktion" mit rund 800 Teilnehmenden fand Ende November 2017 ebenfalls in Berlin statt.

Um zu zeigen, wo in Deutschland der Nationale Aktionsplan bereits erfolgreich umgesetzt wird und um den Aktionsplan in die Breite zu tragen, wurde für das Jahr 2018 anstelle des Agendakongresses eine BNE-Tour mit insgesamt 25 Stationen ins Leben gerufen. Nähere Informationen zur BNE-Tour finden Sie hier.

Evaluation

Wie auf internationaler Ebene gefordert, wird die Umsetzung des Weltaktionsprogramms in Deutschland fortlaufend evaluiert. Ein erster Monitoring-Bericht liegt vor. Die Zusammenfassungen für jeden Bildungsbereich wurden vom Institut Futur veröffentlicht.

Einmal pro Legislaturperiode legt die Bundesregierung einen Bericht zur Bildung für nachhaltige Entwicklung vor. Der aktuelle Bericht wurde am 20. September 2017 im Kabinett verabschiedet.

Das UNESCO-Weltaktionsprogramm

An die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005 bis 2014) haben die Vereinten Nationen ein fünfjähriges Weltaktionsprogramm (WAP) angeknüpft. Denn menschliches Zusammenleben ist national und international auf Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen angewiesen. Der Startschuss für das WAP fiel am 12. November 2014 auf der UNESCO-Weltkonferenz im japanischen Nagoya. In der dort verabschiedeten Erklärung werden alle Mitgliedstaaten der UNESCO aufgerufen, ihr Engagement für das Bildungskonzept fortzuführen und zu erhöhen. Deutschland spielte mit einer Delegation unter der damaligen Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen eine wichtige Rolle.

© Thinkstock / Maria Teijeiro