Biodiversität: Forschung für die Artenvielfalt

Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine der größten Herausforderungen. Das BMBF fördert Projekte, die Wissenslücken über den Artenverlust schließen und Maßnahmen zum Erhalt, der Verbesserung und nachhaltigen Nutzung der Biodiversität entwickeln.

Schwalbenschwanz - Schmetterling
Der Bestand des unter Schutz stehenden Schwalbenschwanzes (Papilio machaon L.) zeigt in den letzten Jahren einen anhaltenden, deutlichen Rückgang. © Adobe Stock/hostpro

Biologische Vielfalt ist das vielleicht wichtigste Gut unseres Planeten. Ihr Erhalt ist eine der essentiellen Fragen für unsere Zukunftsvorsorge. Denn Biodiversität ist die Grundlage für alles, was uns am Leben erhält. Sie liefert uns beispielsweise Nahrung sowie medizinische Wirkstoffe und dient unserer Erholung. Zudem trägt sie zur Klimaregulation und zur Versorgung mit sauberem (Trink-) Wasser bei und bietet Schutz vor Überflutungen. Wir sprechen hier von sogenannten Ökosystemleistungen.

Zur Versorgung einer wachsenden Bevölkerung werden zunehmend natürliche Lebensräume beansprucht, verändert und umgewandelt. Der Verbrauch an Ressourcen wie Boden und Wasser, Entwaldung und die Umwandlung von Flächen für verschiedenste wirtschaftliche Nutzungen nimmt in großem Ausmaß zu. Internationale Studien belegen, dass die Zerstörung von Lebensräumen weltweit voranschreitet und dadurch zahlreiche Arten unwiederbringlich verloren gehen.

Auch in Deutschland macht sich der Verlust der biologischen Vielfalt bemerkbar: Knapp ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten gelten als gefährdet. Besonders betroffen sind auch die für unsere Ökosysteme und unsere Lebensqualität immens wichtigen Insekten. Dies wurde u. a. von dem Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) zu Bestäubern sowie zuletzt mit der Langzeitstudie des Vereins für Insektenkunde in Krefeld wissenschaftlich belegt. Letztere zeigte einen Rückgang der Gesamtmenge an Fluginsekten um über 75% in deutsche Naturschutzgebiete.

Dem Artenverlust mit Erkenntnissen der Forschung entgegenwirken

Der rasant und unvermindert voranschreitende Verlust der Artenvielfalt ist eine Herausforderung für Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Trotz vielfacher Anstrengungen für den Schutz der Biodiversität ist es bislang nicht gelungen, den Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten und den Trend umzukehren. Wir benötigen fundierte, objektive Erkenntnisse für die Entwicklung geeigneter Maßnahmen, mit denen Biodiversität erhalten und nachhaltig genutzt werden kann. Vor diesem Hintergrund hat das BMBF die „Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt“ erarbeitet. Diese vierte Leitinitiative des Rahmenprogramms „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“ (FONA) soll die Forschung stärken, um bestehende Wissenslücken über Systemzusammenhänge des Artenverlustes zu schließen und wirksame Handlungsoptionen zu entwickeln. Angesichts des rapiden Verlustes von Artenvielfalt wird die Forschungsinitiative des BMBF nicht nur Langfristorientierung und Verlässlichkeit bieten, sondern auch die rasche Sondierung und Klärung vordringlicher Forschungsfragen im Rahmen von Sofortmaßnahmen ermöglichen. Für die Umsetzung der Forschungsinitiative stellt das BMBF in den kommenden fünf Jahren 200 Millionen Euro bereit.

Auf nationaler Ebene leistet die Forschungsinitiative des BMBF einen zentralen Beitrag zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS), zur Hightech-Strategie 2025 sowie zum Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung bei. Das Aktionsprogramm Insektenschutz schreibt einen Maßnahmen-Katalog fest, mit dem die Bundesressorts, die Länder und die Kommunen sowie weitere engagierte Akteurinnen und Akteure dem Insektensterben entgegenwirken können. Das BMBF trägt mit bis zu 20 Millionen Euro pro Jahr direkt oder indirekt zur Insektenforschung bei.

Für den Erfolg der BMBF-Forschungsprojekte sind die Zusammenarbeit von natur-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fachdisziplinen sowie eine intensive Kooperation mit weiteren Interessengruppen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ausschlaggebend. Deshalb werden Forschungsprojekte national wie international gemeinsam mit Entscheidungsträgern und verschiedenen Akteuren in Zielregionen entwickelt. So entstehen Handlungsstrategien und Nutzungskonzepte für eine nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt. Dauerhaft tragfähige Nutzungsstrategien sollen die Bereitstellung von Ökosystemleistungen sichern. Nur so können Ernährung, sauberes Wasser, Klimaregulation oder der Abbau von Schadstoffen auf Dauer gewährleistet werden.

Biodiversität schützen – eine internationale Herausforderung

Die biologische Vielfalt zu erhalten ist eine ebenso große Herausforderung wie der Umgang mit dem Klimawandel. Beide Entwicklungen sind in Ursachen und Auswirkungen eng miteinander verknüpft. Globale Themen dieser Tragweite können nicht ausschließlich im Kontext nationaler Grenzen bearbeitet werden. Deshalb gehört auch die Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung zu den Aufgaben der Forschungsförderung durch das Bundesforschungsministerium. Die Suche nach Lösungen kann nur weltweit gemeinsam erfolgreich sein.

Um politische Entscheidungsträger über den Zustand und die Entwicklung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen zu beraten, wurde 2012 der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) gegründet. IPBES stellt Entscheidungsträgern umfassend und objektiv den aktuellen Wissensstand sowie Handlungsoptionen zum Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme zur Verfügung. Zur Unterstützung nationaler IPBES-Arbeiten haben das BMBF und das Bundesumweltministerium (BMU) im April 2014 die Deutsche IPBES-Koordinierungsstelle am DLR Projektträger (DLR-PT) in Bonn eingerichtet.

Seit 2005 unterstützt das BMBF die europäische Forschungspartnerschaft BiodivERsA. Sie ermöglicht es, die nationale Forschungsexpertise in europäische und auch weltweite Verbundprojekte einzubringen. Aktuelle Themen sind Szenarien der Biodiversität, der Einfluss von Klimawandel und Optionen zur Wiederherstellung von Ökosystemen.