Bioökonomie – Biogene Ressourcen und biologisches Wissen für eine nachhaltige Wirtschaft

Für eine lebenswerte Zukunft sind Innovationen nötig, die Umweltaspekte mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen in Einklang bringen. Die Bioökonomie treibt den Wandel zu einem nachhaltigen und klimaneutralen Wirtschaftssystem voran.

Für die Bioökonomie erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur die vielfältigen Prozesse und Lebewesen unserer Erde. Sie verknüpfen das neu gewonnene Verständnis über biologische Vorgänge mit neuesten Technologien, um bahnbrechende Innovationen für eine biobasierte Wirtschaft hervorzubringen. Der Übergang zu einer Bioökonomie bedeutet jedoch einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Daher umfasst die am 15.01.2020 vom Bundeskabinett verabschiedete nationale Bioökonomiestrategie der Bundesregierung ebenso sozial-, politik- und wirtschaftswissenschaftliche Forschung.

In der Definition der Bundesregierung umfasst die Bioökonomie die Erzeugung, Erschließung und Nutzung biologischer Ressourcen, Prozesse und Systeme, um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren im Rahmen eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems bereitzustellen. Sie birgt das Potenzial für nachhaltige Lösungen, die Ressourcen schonen und gleichzeitig Wohlstand schaffen.

Mit vereinten Kräften zur Bioökonomie

Mit der nationalen Bioökonomiestrategie legt die Bundesregierung die Leitlinien und Ziele ihrer zukünftigen Bioökonomiepolitik fest. Sie baut auf der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ und der „Nationalen Politikstrategie Bioökonomie“ auf und bündelt fortan die Forschungsförderung und die politischen Rahmenbedingungen zur Bioökonomie. Die neue Strategie ist darauf ausgelegt, eine nachhaltige Entwicklung maßgeblich zu unterstützen. Einen wichtigen Rahmen setzen die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Diese fordern für alle Menschen bis zum Jahr 2030 genügend Nahrung, Gesundheit und Wohlergehen, bezahlbare und saubere Energie, menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum oder etwa nachhaltigen Konsum und Produktion. Auf alle diese Ziele geht die Bundesregierung mit der nationalen Bioökonomiestrategie ein.

Leitlinien der neuen Bioökonomiestrategie

Mit der neuen Bioökonomiestrategie werden die Voraussetzungen geschaffen, das volle Potenzial der Bioökonomie zu entfalten, um Deutschlands Vorreiterrolle in der Bioökonomie zu stärken und Technologien und Arbeitsplätze von morgen zu entwickeln. Zwei übergeordnete Leitlinien flankieren die Ziele und Maßnahmen der Bioökonomiestrategie.

Die erste Leitlinie verweist auf biologisches Wissen und fortschrittliche Technologien als Pfeiler eines nachhaltigen Wirtschaftssystems. Neuartige, biobasierte Produktionssysteme können zum Beispiel maßgeschneiderte Inhaltstoffe für die Industrie liefern. Optimierte Mikroorganismen oder einzelne Bestandteile von ihnen wie Enzyme liefern neue Rohstoffe oder Produkte. Dazu will die Wissenschaft noch besser verstehen, wie biologische Systeme funktionieren und miteinander in Wechselwirkung treten – von den grundlegenden molekularen Prinzipien bis hin zum komplexen Zusammenspiel in Ökosystemen. Die Bioökonomie-Forschung ist darauf ausgelegt, dieses Wissen stärker in die Anwendung zu bringen. Bioökonomie ist ein integrativer Bereich mit interdisziplinärer Forschung und systemischen Lösungsansätzen. Die Erkenntnisse der Biowissenschaften fließen mit anderen Wissenschaftszweigen und Technologien zusammen.

Die zweite Leitlinie bezieht sich auf die Rohstoffbasis der Wirtschaft, die durch biogene Ressourcen nachhaltig ausgerichtet werden soll. Im Fokus steht Biomasse als nachwachsender Rohstoff. Sie kann aus Pflanzen, Mikroorganismen, Algen oder etwa Pilzen entstehen. Heute rücken zudem verstärkt biobasierte Rest- und Abfallstoffe in den Fokus. Die nachhaltige Erzeugung und eine effiziente, kreislauforientierte Nutzung biogener Rohstoffe sind unabdingbar. Bedeutend ist es dabei auch, die Fruchtbarkeit des Bodens und die Artenvielfalt zu erhalten, sowie die Umwelt mitsamt den Gewässern nicht zu belasten. Biogene Ressourcen können weit mehr als nur fossile Rohstoffe ersetzen. Mit ihrer Hilfe entstehen völlig neuartige Produkte, wie zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel für eine verbesserte Säuglingsnahrung, neue Verbundwerkstoffe für den Haus- oder Karosseriebau oder optimierte Nutzpflanzen, die robust und ertragreich sind.

Das sind die Ziele der Strategie

Die Bioökonomiestrategie der Bundesregierung adressiert ein breites Spektrum an Zielen auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen und in allen wirtschaftlichen Sektoren. Die sechs Hauptziele sind:

  1. Bioökonomische Lösungen für die Nachhaltigkeitsagenda entwickeln
  2. Potenziale der Bioökonomie innerhalb ökologischer Grenzen erkennen und erschließen
  3. Biologisches Wissen erweitern und anwenden
  4. Ressourcenbasis der Wirtschaft nachhaltig ausrichten
  5. Deutschland zum führenden Innovationsstandort der Bioökonomie ausbauen
  6. Gesellschaft einbinden, nationale und internationale Kooperationen intensivieren

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