Bildung durch Sprache und Schrift: Die Initiativen BiSS und BiSS-Transfer

Wie kann man Kinder und Jugendliche bestmöglich sprachlich fördern? Welche Fähigkeiten brauchen pädagogische Fach-  und Lehrkräfte, damit dies gut gelingt?  Darum geht es bei den Initiativen Bildung durch Sprache und Schrift BiSS und BiSS-Transfer.

Schule
Kinder und Jugendliche bestmöglich fördern: Unterricht in einer Schule in Stuttgart © picture alliance / dpa

BiSS ist eine gemeinsame Initiative von Bund und Ländern, um die Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung in Kindertageseinrichtungen und Schulen weiter zu verbessern. Die Initiative ist 2013 mit dem Ziel gestartet, Maßnahmen zur sprachlichen Bildung in den einzelnen Bundesländern wissenschaftlich zu prüfen und weiterzuentwickeln. In 15 Projekten haben Forschende dabei Instrumente und Materialien erprobt, evaluiert und weiterentwickelt. Im Fokus standen Kinder und Jugendliche bis zur Sekundarstufe I mit Deutsch als Familiensprache, aber auch mehrsprachige Kinder mit Migrationshintergrund sowie neu zugewanderte Kinder und Jugendliche.

Über 600 Schulen und Kitas aus allen 16 Bundesländern haben in dem Programm mitgearbeitet, um gemeinsam ihre Konzepte zu verbessern. Dabei ist ein bundesweites Netzwerk entstanden, in dem sich alle Beteiligten regelmäßig austauschen. Zum Beispiel über sprachliche Bildung und Sprachförderung in der Kita, die spielerisch in den Kita-Alltag integriert wird; oder über Schulunterricht, der in allen Fächern die sprachliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt und fördert.

Zusätzlich unterstützt die BiSS-Initiative die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte in Kitas und Schulen bei ihrer Arbeit: mit onlinegestützten Fortbildungsangeboten, Publikationen über konkrete Methoden und mit einer Datenbank, die über 100 Diagnostik- und Förderinstrumente beschreibt und bewertet.

Im März 2020 startete BiSS-Transfer. Ziel der fünfjährigen Transferphase ist es, die Ergebnisse in die Fläche zu tragen. Dazu werden rund 2.700 Kitas und Schulen in Verbünden – mit Unterstützung der Landesinstitute und Qualitätseinrichtungen der Länder – daran arbeiten, verbesserte Maßnahmen der Sprachbildung sowie der Lese- und Schreibförderung fest in ihrer Einrichtung zu verankern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Transferphase der Initiative von 2020 bis 2025 mit rund 13 Millionen Euro. Die Länder tragen die Kosten für den Personal- und Koordinationsaufwand der teilnehmenden Schulen sowie für die Beratungs- und Betreuungsaufgaben von Schulaufsicht und Landesinstituten.

BiSS-Transfer wird mit weiteren Programmen vernetzt – wie zum Beispiel dem Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ oder der Weiterbildungsinitiative für frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) sowie Landesprogrammen zur sprachlichen Bildung.

Gemeinsam arbeiten und forschen: die BiSS-Verbünde

Zu Beginn von BiSS haben sich die beteiligten Einrichtungen zu BiSS-Verbünden zusammengeschlossen. Ein solcher BiSS-Verbund bestand aus drei bis zehn Kitas oder Schulen, die zu verschiedenen Aspekten des Themas Bildungssprache Deutsch arbeiteten. In BiSS-Transfer werden die Verbünde auf insgesamt bis zu 2.700 Einrichtungen ausgeweitet.

Steuerung und wissenschaftliche Koordination

Gesteuert wird die Bund-Länder-Initiative von einem Lenkungsausschuss. Er tagt zwei- bis dreimal jährlich und berät darüber, wie die Initiative ausgestaltet wird. Für die wissenschaftliche Gestaltung und Koordination der Bund-Länder-Initiative ist ein Trägerkonsortium eingesetzt. Das BiSS-Transfer-Trägerkonsortium besteht aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln, des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation | DIPF und des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). Es unterstützt und begleitet den Schul-, Unterrichts- und Organisationsentwicklungsprozess wissenschaftlich, führt gemeinsam mit weiteren Forschenden Projekte zum Transfer durch und bindet die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Produkte der bisherigen BiSS-Initiative in das Gesamtvorhaben BiSS-Transfer ein.

Außerdem setzen die Länder Landeskoordinatorinnen und -koordinatoren ein, die sicherstellen, dass alle landesweiten Organisations-, Schul- und Unterrichtsentwicklungsvorhaben im Kontext von Sprachbildung, Lese- und Schreibförderung aufeinander abgestimmt sind.

Das BiSS-Transfer-Forschungsnetzwerk stellt schließlich Wissen bereit, wie wissenschaftlich basierte Maßnahmen zur sprachlichen Bildung in die Praxis transferiert und systematisch verbreitet werden können. Zum Netzwerk gehören alle Standorte des Trägerkonsortiums sowie die Universität Münster und die TU Dortmund.

Initiative von Bund und Ländern

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und die Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder (JFMK) vereinbarten im Oktober 2012 die gemeinsame Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS). Im November 2019 verkündeten BMBF und KMK, dass BiSS als BiSS-Transfer in einer gemeinsamen Initiative von BMBF und KMK fortgeführt wird.