Die Förderinitiative Berufsbildung International

Das Bundesbildungsministerium unterstützt berufliche Bildung im Ausland: Von der Förderung von Berufsbildungsdienstleistern über Berufsbildungsforschung bis hin zur Zusammenarbeit mit Wirtschafts- und Sozialpartnern im Ausland.

Paneldiskussion BMBF-Konferenz zur „Internationalisierung der Berufsbildung“ - Fokus digitaler Wandel
Paneldiskussion bei der BMBF-Konferenz zur „Internationalisierung der Berufsbildung“ - Fokus digitaler Wandel im November 2019 in Gelsenkirchen. © BMBF / die Schnappschützen

Auf der ganzen Welt werden Bildung und Wissen als Motor für Innovationen, wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand anerkannt. Viele Länder sind aber innerhalb ihrer eigenen Bildungssysteme nicht in der Lage, den bestehenden und noch wachsenden Qualifizierungsbedarf auf hohem Niveau zu decken.

Mit der Förderinitiative „Förderung der Internationalisierung der Berufsbildung“, kurz „Berufsbildung International“, unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung deutsche Aus- und Weiterbildungsanbieter dabei, diesen dynamisch wachsenden, internationalen Markt in zahlreichen Regionen der Welt zu erschließen. Die Nachfrage und damit das Potenzial internationaler Bildungsmärkte sind enorm, insbesondere in der Berufsbildung. Für Deutschland bietet diese Situation viele Chancen für Dienstleistungen deutscher Anbieter in der Aus- und Weiterbildung.

Gut ausgebildete Fachkräfte sind aber auch eine Erfolgsbedingung für das Engagement deutscher Unternehmen im Ausland. Sie sind mit Niederlassungen, Tochtergesellschaften oder Joint Ventures im Ausland aktiv und stellen vielerorts einen Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften fest. Zugleich kann der Zugang zu Auslandsmärkten für deutsche Dienstleistungen und Produkte nur gelingen, wenn die Arbeitsmärkte vor Ort die erforderlichen beruflichen Fähigkeiten für Produktion, Vertrieb, Beratung und Wartung mitbringen.

Berufsbildung in der ganzen Welt

Frau an Werkbank
© Thinkstock

Seit Juni 2017 werden die ersten Projektverbünde der Förderinitiative „Internationalisierung der Berufsbildung“ gefördert. Mittlerweile werden über 25 Vorhaben auf der ganzen Welt im Rahmen dieser Förderbekanntmachung gefördert. Die Bandbreite der geförderten Projekte ist sehr divers und unterstreicht die breite Expertise sowohl der deutschen Bildungswirtschaft als auch wissenschaftlicher Partner in Deutschland. Ein Teil der Projekte beschäftigt sich mit Sondierungen zu Erfolgs- und Gelingensbedingungen für Berufsbildungskooperationen, zum Beispiel in Polen oder in Chile. Ein weiterer Teil der Projekte ist verknüpft mit den bilateralen Berufsbildungskooperationen des BMBF und ist eng angebunden an die Reformbestrebungen des Partnerlandes. Beispielsweise unterstützt das BMBF in Italien beim Aufbau eines nationalen Schulungs- und Qualifizierungssystems für Tutoren. In Südafrika werden Aus- und Weiterbildungsmodule für Berufsschullehrer entwickelt und Fortbildungen gemeinsam mit dem Partnerministerium umgesetzt. Der Großteil der Projekte dreht sich um innovative Ideen und Implementierungen von Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen am ausländischen Markt. Dabei geht es unter anderem um die Etablierung neuer Berufsbilder im Ausland, den Aufbau von Berufsschulzentren oder die Einführung von Aufstiegsfortbildungen im Ausland durch deutsche Bildungsanbieter.

Internationale Berufsbildung – wissenschaftlich begleitet und unterstützt

Die Berufsbildungsforschung hat in Deutschland einen bedeutenden Stellenwert für das deutsche Berufsbildungssystem. Darüber hinaus befassen sich Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen auch mit der Erforschung von internationalen Berufsbildungskooperationen. Die Richtlinie zur „Förderung der Forschung zur Internationalisierung der Berufsbildung“ soll diese Expertise stärken und zukünftig enger in die internationale Berufsbildungszusammenarbeit des Bundesbildungsministeriums einbinden. Ziel ist es, die Voraussetzungen für erfolgreiche internationale Berufsbildungszusammenarbeit zu erkennen und daraus Handlungsempfehlungen für innovative internationale Berufsbildungsaktivitäten zu entwickeln. Die Evaluations-, Forschungs- und Vernetzungsaktivitäten der geförderten Projekte sollen die strategische Weiterentwicklung der Förderaktivitäten des BMBF zur Internationalisierung der Berufsbildung unterstützen. Insgesamt befinden sich hier neun Vorhaben in der Förderung, die unterschiedlichen Fragestellungen der Berufsbildungsforschung in Afrika, Lateinamerika und Asien nachgehen.

Die Expertise deutscher Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist auch bei der Förderbekanntmachung zur „Entwicklung und Erprobung eines Master-Studienprogramms im Bereich Management & Teaching für internationales Berufsbildungspersonal“ (MasterVET) gefragt. Um Reformimpulse in den Kooperationsländern umsetzen zu können, sind geschulte Fach- und Führungskräfte in Verwaltung, Wirtschaft, Management, Ausbildung und Lehre vor Ort notwendig. Die Förderrichtlinie setzt daher wichtige Impulse zur Qualifizierung solcher Multiplikatoren.

Beschäftigungsperspektiven erreichen über bessere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und Sozialpartnern

Im Jahr 2019 sind zwei weitere Förderbekanntmachungen erschienen, die explizit eine führende Rolle der Wirtschaft und der Wirtschafts- und Sozialpartner in der beruflichen Bildung (auch im Ausland) untermauern. Mit der BMBF-Förderrichtlinie „Förderung der Entwicklung und Implementierung von Ausbildungsclustern International – ClusterVET“ werden kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei dem Aufbau von Ausbildungsclustern und somit bei der Qualifizierung von Fachkräften im Ausland unterstützt.

Darüber hinaus zielt die Förderbekanntmachung „Richtlinie zur Förderung von Implementierungsprojekten von Organisationen der Wirtschafts- und Sozialpartner im Rahmen der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit – WiSoVET“ darauf ab, die Wirtschafts- und Sozialpartner, die Gewerkschaften, Kammern und Auslandshandelskammern enger in die Berufsbildungskooperationen einzubeziehen. Dafür werden einerseits Kapazitäten bei den Dachverbänden DGB, DIHK und DGB aufgebaut und verstetigt und andererseits Pilotierungsprojekte im Ausland unterstützt. Die Expertise der Kammer- und Arbeitnehmerorganisationen wird gezielt in internationale Berufsbildungskooperationen eingebracht zum Beispiel bei der Erprobung betrieblicher Ausbildungsgänge, der Ausbildung von Ausbildern oder Weiterbildungsangeboten für betriebliches oder schulisches Lehrpersonal.