"Die Geisteswissenschaften helfen uns, die Welt zu verstehen"

Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen über Freiräume für die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung, das nächste Rahmenprogramm und den Evaluationsbericht. Ein Interview mit bmbf.de

Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

bmbf.de: Frau Quennet-Thielen, was waren die großen Ziele, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Rahmenprogramms „Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften“ angegangen ist?

Staatsekretärin Quennet-Thielen: Das Programm, das ja noch bis Ende 2017 läuft, hat drei Kernziele: die Stärkung der Forschungsinfrastruktur, die Internationalisierung und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Insgesamt ging es uns dabei um eine maßgebliche Stärkung der Geistes- und Sozialwissenschaften.

Was sagt der Bericht? Sind diese Ziele erreicht worden?

Ja, die Ziele sind weitgehend erreicht worden. Wir haben insbesondere in den Bereichen Strukturbildung und Internationalisierung sehr gut abgeschnitten. So wurde zum Beispiel der Aufbau und Ausbau der Kompetenzzentren in den Regionalstudien gelobt, ebenso die internationale Sichtbarkeit deutscher Forschung durch die Käte Hamburger Kollegs. Die Zentren für islamische Theologie und das Zentrum für Jüdische Studien haben nach der Bewertung der Experten in kurzer Zeit viel erreicht.

So helfen uns beispielsweise die Regionalstudien bei der Einordnung und Lösung globaler Probleme wie Migrationsbewegungen oder Souveränitätsbestrebungen einzelner Regionen.

Cornelia Quennet-Thielen

Warum ist es wichtig, dass das BMBF die Forschung in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften ausbaut und stärkt?

Die Geistes,- Kultur- und Sozialwissenschaften stellen wichtiges Orientierungswissen bereit und helfen uns, die Welt zu verstehen und zu begreifen. Sie arbeiten an der Erschließung und Bewahrung des kulturellen Erbes und sind wichtige Vermittler von Werten und kulturellen Normen. Sie analysieren gesellschaftliche Entwicklungen und stellen dadurch Debatten auf eine fundierte Grundlage. So helfen uns beispielsweise die Regionalstudien bei der Einordnung und Lösung globaler Probleme wie Migrationsbewegungen oder Souveränitätsbestrebungen einzelner Regionen. Oder nehmen Sie die Förderlinie „Finanzsystem und Gesellschaft“, deren Projekte uns Anhaltspunkte geben werden, wie die Anfälligkeit der Gesellschaft für finanzsysteminduzierte Krisen verringert werden kann.

Was passiert nun mit den Ergebnissen?

Die Ergebnisse der Evaluation werden in die Vorbereitung und Konzeption des nächsten Rahmenprogramms für die Geistes- und Sozialwissenschaften einfließen. Das ist für 2018 in Vorbereitung. Damit wollen wir Freiräume sichern, die gerade die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung braucht, um innovative und experimentelle Forschungsfragen zu stellen. Thematisch geht es darum, für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen - wie beispielsweise Migration - von der Wissenschaft entscheidende Impulse und Rat zu erhalten.

Der Evaluationsbericht

Am 19.9.2017 legte eine unabhängige Expertengruppe unter Vorsitz von Prof. Otfried Jarren, Universität Zürich, ihren Bericht zur Evaluation des BMBF-Rahmenprogramms „Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften“ (2012-2017) vor. Die Einschätzung der Evaluationskommission lautet: Das BMBF hat mit dem Rahmenprogramm maßgeblich dazu beigetragen, die Sichtbarkeit und Anerkennung der besonderen Forschungsleistungen der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften im deutschen wie auch im internationalen Wissenschaftssystem substantiell zu erhöhen.​