Faktencheck zum Coronavirus

In den sozialen Medien und im Internet werden derzeit Fake News und Gerüchte zur Coronavirus-Pandemie verbreitet. Vor Ibuprofen wird gewarnt; zu heißen Bädern oder dem Verzehr von Knoblauch wird geraten. Doch was stimmt wirklich? Ein Faktencheck.

Coronavirus
Helfen nur Desinfektionsmittel gegen Viren? Nein: Auch handelsübliche Seife ist ein guter Schutz vor Ansteckungen, da die Viren auf diesem Weg bereits unschädlich gemacht werden. Voraussetzung ist, dass man sich die Hände richtig wäscht. © Adobe Stock / Maridav

Hat das Klima Einfluss auf die Verbreitung des Virus?

Das Virus kann in allen Regionen der Erde übertragen werden. Weder Klima, noch Wetter haben einen erkennbaren Einfluss auf das Virus.

Ist SARS-CoV-2 ein neuer Virus?

Es gibt eine Reihe bekannter Coronaviren, aber das Coronavirus SARS-CoV-2, das Covid 19 auslöst, ist neu. Es wurde im Januar dieses Jahres das erste Mal nachgewiesen.

Schützt eine Pneumokokken-Impfung?

Nein. Es gibt noch keine Impfung gegen Covid-19. Die Forschung arbeitet unter Hochdruck daran. Davon unabhängig empfiehlt die Ständige Impfkommission Risikogruppen, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Dazu gehören Säuglinge und Kinder bis 2 Jahren, Menschen mit Immundefizienz und chronischen Atemwegserkrankungen, Senioren ab 70 Jahren.

Gibt es Medikamente?

Derzeit gibt es kein spezifisches Medikament, mit dem Covid-19 behandelt werden könnte. Die Forschung arbeitet unter Hochdruck daran, solche Medikamente zu entwickeln.

Ist es gefährlich, Ibuprofen zu nehmen, wenn man an Covid-19 erkrankt ist?

Tatsächlich warnte ein WHO-Sprecher zunächst davor, dass diejenigen, die sich mit Corona angesteckt haben, auf Ibuprofen verzichten und besser Paracetamol nehmen sollten. Auch Frankreichs Gesundheitsminister hatte gewarnt, Ibuprofen könnte die Symptome verschlimmern. Tatsächlich gibt es für solche Annahmen noch keine stichhaltigen Beweise. Es gibt nur einen spekulativen Beitrag in der Zeitschrift „The Lancet Respiratory Medicine“; eine experimentelle Überprüfung der Annahme im Labor fehlt. Bekannt ist aber, dass Ältere und Herzkranke Ibuprofen nicht gut vertragen. Ärzte geben diesen Personen Ibuprofen in der Regel erst bei hohem Fieber ab 39,5 Grad. Um niedrigeres Fieber zu senken, geben sie diesen Personen lieber Paracetamol.

Gibt es bei jungen Menschen schwere Krankheitsverläufe?

Menschen können in jedem Alter an Covid-19 erkranken. Auch bei jüngeren Menschen treten schwere Krankheitsverläufe auf. Ein höheres Risiko hierfür haben ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen.

Be­steht ein er­höh­tes Ri­si­ko für ei­nen schwe­ren Krank­heits­ver­lauf bei Men­schen mit Dia­be­tes?

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) geht – trotz schlechter Datenlage – aktuell davon aus, dass für Menschen mit Diabetes, die gut eingestellte Blutzuckerwerte und keine Begleit- und Folgeerkrankungen aufweisen, keine höhere Gefahr als bei einem herkömmlichen Grippevirus besteht. Liegen jedoch eine oder mehrere Begleit- und Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Organschäden vor, ist das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf von COVID-19 erhöht. Weitere Informationen dazu finden Sie auf den Seiten des Diabetesinformationsportals.

Haben Schwangere (mit Diabetes) oder Kinder ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf?

Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass für Schwangere oder Kinder ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf besteht. Vor diesem Hintergrund ist zum jetzigen Zeitpunkt davon auszugehen, dass auch Schwangere mit Diabetes sowie Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) bei einer guten Blutzuckereinstellung kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen. Weitere Informationen dazu finden Sie auf den Seiten des Diabetesinformationsportals.

Ist eine laufende Nase ein Zeichen dafür, dass man nicht an Covid-19 erkrankt ist?

Eine laufende Nase kann ein Symptom für eine Erkrankung an Covid-19 sein, muss aber nicht. Sie kann auch ein Hinweis auf eine Erkältung oder eine andere Art von Infekt sein. Laut Robert Koch Institut klagen nur 28 Prozent – also etwa jeder vierte – der in Deutschland an Corona erkrankten Patienten über schnupfenartige Symptome.

Kann man testen, ob man an Corona erkrankt ist, indem man die Luft eine bestimmte Zeit lang anhält?

Nein, das ist keine geeignete Methode. Lediglich die regulären Tests führen zu verlässlichen Ergebnissen.

Stimmt es, dass das Virus bei einer Temperatur von 27 Grad stirbt?

Nein, Corona-Viren halten höhere Temperaturen als 27 Grad aus. Sie überleben im menschlichen Körper, in dem eine Temperatur von um die 37 Grad herrscht.

Tötet UV-Licht Coronaviren in der Umwelt, z.B. auf Oberflächen, ab?

Ja, UV-Licht tötet Viren bei einer ausreichend großen Strahlungsdosis (Strahlungsintensität x Strahlungsdauer) ab. Dieses kann unter Alltagsbedingungen aber kaum gewährleistet werden. Beispielsweise gibt es auch bei UV-Licht Schatten – und im Schatten ist es verständlicherweise wirkungslos. So ist z. B. die Rückseite eines Schubladengriffs für UV-Licht oft nicht erreichbar und auch draußen gibt es viele Stellen, an denen selbst das Sonnenlicht eines heißen Sommertags nicht die UV-Intensität erreicht, um Viren sicher abzutöten. Zudem verursacht UV-Licht auch Sonnenbrand und Hautkrebs, weshalb eine zuverlässige UV-Desinfektion nur in Räumen funktioniert, in denen keine Menschen sind.

Können Mücken Corona übertragen?

Nein. Bisher gibt es keinerlei Informationen, die nahelegen, dass das Virus durch Mückenstiche übertragen werden kann.

Können Katze und Hunde das Virus übertragen?

Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass Hunde, Katzen oder andere Haustiere das Virus übertragen können.

Wie effektiv sind Temperaturscanner, um Menschen mit Covid-19 aufzuspüren?

Mit dieser Methode kann lediglich eine erhöhte Temperatur oder Fieber festgestellt werden, die mit der Erkrankung in der Regel einhergehen. Menschen, die sich infiziert, aber noch keine Symptome entwickelt haben, werden dadurch nicht erfasst.

Schützen einfache Atemmasken?

Einfache Atemmasken haben vor allem den Sinn, das Ausscheiden des Virus durch Ausatmen und damit die Übertragung auf andere Menschen zu verhindern. Für den oder die Träger(in) einer Maske bietet diese keinen hundertprozentigen Schutz, allerdings verringert sie die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Maske richtig sitzt und Atemluft nicht rechts und links der Maske entweichen kann.

Schützt die Einnahme von Vitamin C?

Die Einnahme von Vitamin C kann eine Erkrankung durch Covid-19 nicht verhindern. Es gibt keine Studien, die belegen, dass Vitamin C oder andere Vitamine vor der Krankheit schützen können.

Hilft es, den Körper mit Alkohol oder Chlor einzusprühen?

Nein, denn dadurch werden keine Viren getötet, die schon in den Körper eingedrungen sind. Im Gegenteil könnten dadurch sogar Schleimhäute und Haut geschädigt werden. Für die Reinigung von Oberflächen sind Alkohol oder Chlor bei sachgerechter Anwendung hingegen geeignet.

Kann man Coronaviren durch das Gurgeln mit Schnaps töten?

Alkohol desinfiziert ab ca. 60% sehr gut (ziemlich starker Schnaps), ist aber auch zell- und gewebeschädigend. Das heißt: Wenn man ihn, in der für eine zuverlässige Wirkung nötigen Konzentration und Zeit, im Rachen einwirken lässt, greift er auch die Schleimhaut an. Das macht sie dann sogar empfindlicher für verschiedene Infektionen.

Hilft es, alle 15 Minuten heißes Wasser zu trinken?

Auf den Virus hat unsere Körpertemperatur keinen Einfluss. Die Körpertemperatur beträgt immer rund 37 Grad – egal, ob wir in der Sonne spazieren oder mehr heißes Wasser trinken. Viel wichtiger ist, dass Sie eine gute Handhygiene einhalten und ausreichend Abstand zu Erkrankten halten. Das gilt übrigens nicht nur für das Coronavirus, sondern generell in der Grippezeit.

Hilft ein heißes Bad?

Nein, ein heißes Bad kann die Übertragung nicht verhindern. Gründliches Händewaschen mit Seife und die Vermeidung, sich an Augen, Nase und Mund zu fassen, sind hingegen wichtig, um das Risiko einer Ansteckung zu senken.

Sind hausgemachte Desinfektionsmittel effektiv?

Auch handelsübliche Seife ist ein guter Schutz vor Ansteckungen, da die Viren auf diesem Weg bereits unschädlich gemacht werden. Voraussetzung ist, dass man sich die Hände richtig wäscht. Desinfektionsmittel sind darum nur sinnvoll, wenn man nicht die Möglichkeit hat, sich die Hände richtig zu waschen. Zur Not kann man Desinfektionsmittel auch selbst herstellen. Die WHO hat dazu verschiedene Rezepte zusammengestellt. Eigentlich sind sie für Weltgegenden gedacht, in denen es kein fließendes Wasser und keine Seife gibt.

Schützen regelmäßige Nasenspülungen?

Nein, es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Nasenspülungen vor einer Infektion mit dem Virus schützen.

Hilft es, vorbeugend Zwiebeln oder Knoblauch zu essen?

Die antibakterielle und antivirale Wirkung von Knoblauch, Zwiebel-, Kohlgewächsen, Kreuzblütlern wie Brokkoli oder Gewürzen wie Kurkuma oder Süßholz wurden bereits in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten beschrieben.

Bezüglich des neuartigen Coronavirus haben vietnamesische Wissenschaftler kürzlich die mögliche Wirkung von Heilpflanzen und spezifischen Nahrungsmitteln wie Knoblauch bei COVID-19 untersucht. (Studie) Die Arbeit ist jedoch vorläufig in ihrem Charakter und beschreibt Versuche unter Laborbedingungen. Daraus lässt sich noch keinerlei klinische Wirksamkeit ableiten.

Der vermehrte Verzehr von solchen Nahrungsmitteln im Rahmen des allgemeinen Speiseplanes ist sicherlich unbedenklich und womöglich insgesamt gesundheitsfördernd. Gegenwärtig kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass damit auch ein Schutz vor Infektionen erworben wird. Die klassischen, seuchenhygienischen Maßnahmen müssen daher unbedingt unverändert eingehalten werden.

Schützt Nikotin vor Covid-19?

Französische Wissenschaftler haben die Behauptung aufgestellt, dass Nikotin vor Corona schütze. Die Annahme beruht auf der geringen Zahl an RaucherInnen unter den in Frankreich erkrankten Covid-19-PatientInnen. Wissenschaftlich erwiesen ist diese Behauptung allerdings noch nicht. Diese Hypothese wollen die Wissenschaftler nun im zweiten Schritt empirisch überprüfen. Vorläufige Studien sind daher immer mit Vorsicht zu genießen. [Quelle: Bundesregierung.de]