Forschung ohne Grenzen

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat zum ersten Mal den Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum vergeben. Die Nase vorn hatte unter anderem ein „europäischer“ Bergeroboter.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek mit den ersten Trägerinnen und Trägern des Ralf-Dahrendorf-Preises sowie Lady Dahrendorf und der kroatischen Forschungsministerin Blaženka Divjak. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Es war eine Premiere der besonderen Art: Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat zum ersten Mal den Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum übergeben. Ausgezeichnet wurden eine Reihe von Projekten, in denen ganz besonders über die nationalen Grenzen hinweg geforscht wurde. Die Preisträgerinnen und Preisträger zeigen, wie europäische Zusammenarbeit das Leben der Bürgerinnen und Bürger verbessern kann. Mit ihren EU-finanzierten Forschungsprojekte leisten sie alle einen Beitrag zur besseren Zukunft Europas.

Ein Beispiel dafür ist der in Deutschland, Italien und Schweden entwickelte „Centauro“-Roboter, der nach Umweltkatastrophen Aufräum- und Bergungsarbeiten übernehmen kann, die für die Menschen zu gefährlich wären, bei denen aber die menschliche Einschätzungsfähigkeit gebraucht wird.

„Ich freue mich über das große Interesse der Wissenschaft an dieser neuen Auszeichnung. Die europäische und internationale Zusammenarbeit in der Forschung bringt uns mit großen Schritten voran. Es ist mir ein besonderes Anliegen, die erfreulichen Ergebnisse mit den Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren“, sagte Karliczek bei der Vergabe des Preises.

Einen der sechs Dahrendorf-Preise erhielt das Centauro-Team der Universität Bonn für die Ausrichtung eines schulübergreifenden Wettbewerbs, bei dem Kinder und Jugendliche selbst Roboter programmieren und steuern können. Die Gewinner-Schule darf den Roboterbausatz behalten – als Anregung für künftige Robotikexpertinnen und -experten.

Im Gesundheitswesen hatte das HemoSpec-Team am Leibniz-Institut für Photonische Technologien mit seinen europäischen Partnerinnen und Partnern ein handliches Gerät entwickelt, das Blutvergiftungen (Sepsis) schneller und konkreter diagnostizieren kann. Das rettet Leben, denn bei einer Sepsis muss die richtige Therapie sehr schnell erfolgen.

Mit dem Dahrendorf-Preis möchte diese Forschungsgruppe mit Menschen jeden Alters über ihr Thema ins Gespräch kommen. Dazu richtet es einen temporären „Science-Pop-up-Shop“ in Jena ein, in dem „Lunch Lectures“ und Experimentierzonen zum Austausch einladen. Außerdem erarbeitet das Team einen Wissenschaftscomic, der in Kliniken, Praxen und Pendlerzügen ausgestrahlt werden soll und das Bewusstsein für die gefährliche Erkrankung auch langfristig wach hält.

Insgesamt dürfen sich sechs Forschungsgruppen freuen. Ausgezeichnet werden neben ihrem Engagement in wichtigen EU-Forschungsprojekten auch die Motivation, die Projektergebnisse mit einer breiten Öffentlichkeit zu teilen. Besonders überzeugt war die Jury von Konzepten, die auf einen partizipativen Austausch setzen.

Das geschieht ganz im Sinne von Ralf Dahrendorf. Er war es, der als EU-Forschungskommissar in den 1970er Jahren den Grundstein für die Idee eines einheitlichen Europäischen Wissensraumes legte. Dahrendorf setzte sich für eine Demokratie und eine Forschung ein, die über Ländergrenzen hinausdenkt. Über Grenzen hinweg haben sich auch die Preisträgerinnen und Preisträger mit ihren europäischen Partner-Institutionen organisiert und intensiv an Projekten gearbeitet, von denen alle etwas haben.

So leisten sie einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Fragen, wie sie auch in der High Tech-Strategie der Bundesregierung angesprochen werden: vom Einsatz von Hochleistungsrechnern zur Unterstützung der Mobilitätswende, über Innovationen im Gesundheitswesen und Konzepte für die ressourcenschonende Nahrungsmittelproduktion bis hin zur Künstlichen Intelligenz in der Robotik.

Die Auszeichnungen wurden auf einer Konferenz zum Europäischen Forschungsraum vergeben. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto „Offenheit, Zusammenhalt, Fortschritt“. Angekündigt hatten sich rund 300 nationale und internationale Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, deren Vorträge und Diskussionen die Bedeutung der Europäischen Union und des Europäischen Forschungsraumes für Forschende in Deutschland und in Europa beleuchteten.