"Globale Probleme verlangen globale Antworten"

Bildungsministerin Anja Karliczek hat bei der Bildungskonferenz "Going Global" des British Council für mehr internationale Zusammenarbeit geworben. "Nötig ist der stete Dialog über alle Grenzen und Kulturen hinweg", sagte sie.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek eröffnet in Berlin die Bildungskonferenz Going Global 2019 des British Council.
Bundesbildungsministerin Anja Karliczek eröffnet in Berlin die Bildungskonferenz Going Global 2019 des British Council. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek (MdB) anlässlich der Bildungskonferenz „Going Global“ des British Council am 13. Mai 2019 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Chris Skidmore,

sehr geehrter Sir Ciarán Devane,

sehr geehrter Herr Staatssekretär Krach,

sehr geehrte Frau Professorin Dame Janet Beer,

liebe Frau Dr. Rüland,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

Kapstadt, London, Kuala Lumpur und jetzt Berlin – ich freue mich, dass das British Council in diesem Jahr die kreative deutsche Metropole für diese wichtige Bildungskonferenz ausgesucht hat. „Going Global“ ist Ihr Motto, und ich kann Ihnen versichern, dass Sie für dieses Thema den richtigen Ort gewählt haben.

Weltoffenheit und Internationalisierung liegen uns am Herzen. Die Bundesregierung will Deutschland interessant machen für Talente von überall her. Und damit auch einen Beitrag leisten zu einer guten Entwicklung unserer Welt. In diesem Sinne: Seien Sie herzlich willkommen!

Ja, wir leben in einer komplexen, oft sehr unübersichtlichen Zeit. Die Welt wandelt sich schneller als jemals zuvor in ihrer Geschichte. Die Herausforderungen sind riesengroß: Digitalisierung und Globalisierung beschleunigen einander. Der Klimawandel oder auch unsere Ressourcennutzung fordern unsere Art zu Wirtschaften heraus.

  • Wie können wir diese komplexe Welt erfassen?
  • Wie können wir den Wandel so gestalten, dass für uns alle ein gutes Leben auch in Zukunft möglich ist, ein Leben in Wohlstand und Gesundheit?
  • Wie können wir die Chancen nutzen, die der Wandel bereit hält, gerade für die noch nicht so stark entwickelten Regionen in der Welt?

Ich meine, dass dafür zwei Dinge nötig sind: Das erste ist Bildung. Das ist ein Gebiet, auf dem Sie alle hier im Saal Experten sind. Bildung ist der Schlüssel – dieser Satz gilt mehr denn je. Gute Bildung ist die Basis für ein chancenreiches Leben jedes einzelnen von uns.

Aber Bildung und Wissenschaft tragen auch entscheidend dazu bei, die Lebensbedingungen auf unserem Planeten zu verbessern und uns alle fit zu machen für das digitale Zeitalter.

Das zweite, was wir brauchen, ist Zusammenhalt und internationale Kooperation. Wir müssen gemeinsam handeln! Nötig ist der stete Dialog über alle Grenzen und Kulturen hinweg. In der Politik sowieso. Aber eben auch in Bildung und Wissenschaft. Eine immer stärker vernetzte Welt bietet immer neue Möglichkeiten. Wissen ist die einzige Ressource, die sich vermehrt, je mehr man sie nutzt. Eine Chance für unser friedliches Zusammenleben, aber auch für unseren Wohlstand.

Denn globale Probleme verlangen globale Antworten. Und: Europäische Probleme verlangen gemeinsame europäische Antworten.

Die Europawahl am 26. Mai ist entscheidend. Es geht darum, Europa so aufzustellen, dass wir auch in Zukunft international wettbewerbsfähig sind und auch in Zukunft unsere europäischen Werte leben können.

  • Darum brauchen wir zum Beispiel Künstliche Intelligenz Made in Europe.
  • Und eine Energiewende Made in Europe.
  • Und eine Krebsforschung Made in Europe.

Kein Land allein wird diese Probleme zufriedenstellend lösen können. Um wirklich etwas zu verändern, brauchen wir Allianzen. Nur mit Marktmacht und politischem Einfluss können wir auch in der Realität etwas ändern. Viele junge Leute wissen das. Sie geben uns Hoffnung. Wir nennen Sie hier in Europa die Generation Erasmus, nach dem großen europäischen Austauschprogramm, das wir jetzt noch weiter ausweiten wollen.

Dabei bedauern wir den geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union außerordentlich. Nur mit wenigen anderen Ländern sind wir so gut vernetzt – auch in der Bildung. Rund 15.000 junge Deutsche studieren in Großbritannien. Das ist fast jeder neunte deutsche Auslandsstudent. Mit rund 5500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern stellen die Deutschen die größte ausländische Gruppe an britischen Universitäten.

Darum haben wir so ein großes Interesse daran, dass der Brexit, wenn er kommt, geordnet und mit kalkulierbaren Folgen geschieht. Und auch nach dem Brexit wollen wir eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Wir werden uns um intensive Beziehungen zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und den Menschen auch künftig bemühen – in unserem gemeinsamen Haus Europa. Aber ich mache keinen Hehl daraus, dass das im Vergleich zu den Hoffnungen, die wir vor der Brexit-Abstimmung hatten, nur zweitbeste Lösungen sein werden.

Die enge Zusammenarbeit bei Bildung und Forschung ist wichtig für unsere gemeinsame Zukunft. Das gilt auch über Europa hinaus. Deswegen sind Sie hier in Berlin zusammengekommen. Ich wünsche Ihnen gute Diskussionen und ein erfolgreiches Netzwerken. Konferenzen wie diese brauchen wir!