Hoffnung für Patienten mit Nervenschäden

Ein Wirkstoff im Mutterkraut beschleunigt die Regeneration von geschädigten Nervenfasern. Das fanden Bochumer Forschende heraus. Jetzt wollen sie eine neue Therapie testen – und bei einem Erfolg ein Medikament auf den Markt bringen.

Parthenolid, ein Inhaltsstoff aus dem Mutterkraut, kann die Regeneration von Nervenfasern erhöhen.

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Jährlich erleiden in Europa etwa 300.000 Menschen traumatische Nervenverletzungen. Deren Behandlungen können sehr langwierig und teuer sein. Oft bleiben Schäden wie Lähmungen oder Sensibilitätsstörungen dauerhaft. Denn bisher gibt es keine Medikamente oder Verfahren, welche die Regenerationsrate von Nervenfasern erhöhen. Das könnte sich jetzt ändern: Ein Forscherteam der Ruhr Universität Bochum hat einen Pflanzenwirkstoff entdeckt, der die Regenerationsgeschwindigkeit von Nervenfasern erheblich steigern kann. Den neuen Wirkstoff wollen sie jetzt im Projekt „Parregeron“ an verschiedenen Verletzungsarten testen. Ihr Ziel: Sie wollen ein Medikament auf den Markt zu bringen, dass zukünftig vielen Betroffenen helfen kann. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt in der Maßnahme  „Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+“.

Pflanzenwirkstoff beschleunigt die Regeneration

Das sogenannte Parthenolid – ein Inhaltsstoff der Mutterkrautpflanze – könnte zukünftig vielen Erkrankten oder Unfallopfern helfen. „Wir konnten in unseren bisherigen Studien zeigen, dass der Pflanzenwirkstoff die Regeneration nach Verletzungen im Ischiasnerv nicht nur erheblich beschleunigt, sondern auch qualitativ verbessert. Dadurch konnte auch die Wiederherstellung der Motorik und Sensorik erheblich verkürzt werden“, erläutert Dietmar Fischer, Leiter des Lehrstuhls für Zellphysiologie an der Ruhr Universität Bochum.

Wirkstoff könnte auch Diabetikern helfen

 „Wenn die Tests die erwünschten Ergebnisse zeigen, könnten wir zukünftig die Lebensqualität von sehr vielen Betroffenen deutlich verbessern. Vor allem Patienten, die beispielsweise Nervenverletzungen in Beinen und Armen erleiden und normalerweise dauerhaft Lähmungen und Sensibilitätsstörungen davontragen würden, könnten durch eine Therapie mit Parthenolid besonders profitieren“, ist sich Fischer sicher. Zudem ist der neue Wirkstoff auch ein Kandidat für die Behandlung von Nervenschädigungen bei Diabetes oder Gesichtslähmungen, da hier die Nervenregeneration stark eingeschränkt ist. „Dies ist ein großes klinisches Problem und derzeit stehen keine Behandlungsmöglichkeiten bereit“, so Fischer.

Projekt Parregeron

Das Vorhaben wird derzeit mit 1,28 Millionen Euro über drei Jahre gefördert. Im Anschluss streben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Kooperation mit einem Pharmaunternehmen an. Auch eine eigene Gründung wird nicht ausgeschlossen.