„Illegaler Tierhandel darf sich nicht mehr lohnen“

Im Kampf gegen illegalen Tierhandel gibt es oft ein Problem: Es fehlt schlicht der Beweis, woher ein Tier wirklich stammt. Zumindest bislang. Wie Forschende das nun ändern wollen, erklärt Biologin Albia Consul im Interview.

Artenschutz Tierhandel Consul
In Deutschland wurden in den letzten Jahren jedes Jahr bis zu 2000 Tiere beschlagnahmt, darunter lebende Schildkröten, Warane und Schlangen. © Zoll

Frau Consul, laut dem World Wildlife Crime Report werden von etwa 35.000 geschützten Arten 7000 Arten nachweislich illegal gehandelt. Auch weltwirtschaftlich ist illegaler Handel ein großes Problem. In Deutschland wurden in den letzten Jahren jedes Jahr bis zu 2000 Beschlagnahmungen gezählt, lebende Schildkröten, Warane, Schlangen und auch Produkte aus diesen. Warum ist es so schwierig, dagegen vorzugehen?

Es gibt bisher kaum verlässliche DNA-basierte Werkzeuge, mit denen sich der illegale Handel beweisen lässt. Manche Züchter deklarieren wild gefangene Tiere als Nachzuchten von bereits in Gefangenschaft lebenden Tieren oder fälschen die CITES-Einfuhrpapiere. Das lässt sich nur schwer widerlegen – und wenn, dann meist durch Zufall.

Im vom BMBF geförderten Projekt „FOGS“ (Forensic Genetics for Species Protection) wollen Sie das ändern. Wie wollen Sie für Gewissheit sorgen?

Albia Consul: Durch eindeutige Nachweise auf Grundlage der DNA. Im Erbgut jeder Art gibt es einzigartige Marker, anhand derer sich sehr genau bestimmen lässt, woher das Tier stammt. Solche Marker suchen wir im Labor und sammeln sie in einer öffentlich zugänglichen Online-Datenbank. Der Unterschied gegenüber bisherigen forensischen Untersuchungen liegt in der gekoppelten Markeranalyse, der SNPSTR-Technologie. Das führt zu einem sicheren Code und ist auch vor Gericht ein handfester und valider Beweis. Im Erbgut gibt es ganz bestimmte Positionen, die nicht nur jedes Tier individuell beschreiben. Der daraus generierte „Code“ wird nach Registrierung für Nutzer auf der Webseite bereit gestellt.

…also bieten Sie Naturschutz- und Strafverfolgungsbehörden eine Art „Fingerabdruck“ der Tiere an?

Wir haben mehr als nur den Fingerabdruck! Die Marker sind viel spezieller: Sie verraten uns von wem das Tier abstammt, welche geografische Herkunft es hat und sogar, zu welcher Population es gehört – also zu welcher Gruppe von Tierarten einer Art an einem bestimmten Ort. Diese Befunde kann niemand mehr abstreiten!

Artenschutz Tierhandel Consul
Auch Papageien werden häufig illegal gehandelt. © Zoll

Also könnten Sie mit modernster Forschung Wilderern sowie den „Schwarzen Schafen“ unter den Züchtern und Händlern bald in die Quere kommen?

Das ist unsere Vision: Wir wollen möglichst viele Arten in unserer Datenbank registrieren, damit sich illegale Wildentnahmen einfach nicht mehr lohnen gegenüber ehrlicher Zucht bei legalen und registirerten Züchtern. Die Schwarzen Schafe sollen Angst bekommen, erwischt zu werden! Allerdings bedarf es hier nicht nur der Ergebnisse der Forschenden, sondern wir müssen vielmehr ein Netzwerk mit den Strafverfolgungs- und Umweltschutzbehörden aufbauen. Die Ahndungen und Strafen für illegalen Wildtierhandel sind momentan viel zu niedrig: etwa ein paar Tausend Euro, und wenn es hochkommt, Bewährungsstrafen. Aufgrund der vergleichsweise geringen strafrechtlichen Verfolgung und des hohen finanziellen Ertrags avancierte der illegale Handel mit wildlebenden Tieren und deren Produkten in den letzten Jahren und Jahrzehnten zu einer rentablen Form der organisierten Kriminalität. Nicht nur in Afrika oder Asien, sondern auch hier in Deutschland. Illegaler Tierhandel darf sich nicht mehr lohnen. Aber wir stehen erst am Anfang unserer Arbeit: Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir genug Referenzen in der Datenbank haben.

Referenzen heißt, DNA-Proben wie Federn oder Speichel: Woher bekommen Sie diese Daten?

Wir sind auf Unterstützung angewiesen. Vogelwarten, legale Züchter und Zoos oder Tier- und Naturschutzvereine helfen uns dabei bereits. Ein Ziel des Projektes ist es, ein möglichst großes Netzwerk für Proben und gegen illegale Wildtierentnahmen aufzubauen.

Denken Sie dabei global?

Noch nicht. Uns geht es vorerst um den Schutz einheimischer Tiere. Unser erstes Ziel ist es, 200 Arten zu erfassen. Da wir für die Datenbank etwa 20 bis 30 Marker pro Art brauchen, haben wir damit bereits alle Hände voll zu tun.

Aber denkbar wäre es, eines Tages eine Datenbank mit Proben aus aller Welt aufzubauen?

Ja, sicher. Wünschenswert wäre es, später mit Partnern aus aller Welt zusammenzuarbeiten und zentrale Anlaufstellen zu schaffen. Wir haben ja alle das gleiche Ziel: Die Artenvielfalt erhalten! Der Verlust der Biodiversität geht schließlich alle Menschen etwas an, da er in naher Zukunft und bereits jetzt Auswirkungen auf unseren Alltag hat und haben wird.

Frau Consul, wir danken Ihnen für das Gespräch.