Infrastrukturen, Ressourcen und Forschung – digital

Die Digitalisierung – im Sinne des Erzeugens von digitalen Daten, ihrer Nutzung und Auswertung – verändert alle Wissenschaftsbereiche.

Vernetzte Arbeit einer Forschungsinfrastruktur
Vernetzte Arbeit einer Forschungsinfrastruktur © Thorsten Trippel, Eberhard Karls Universität Tübingen

Auch die Geistes- und Sozialwissenschaften arbeiten mit digitalen Daten und Methoden und bereiten ihre Ergebnisse computergestützt auf.  Dazu fördert das BMBF den Aufbau von digitalen Forschungsinfrastrukturen, die Bereitstellung von digitalen Daten für die Forschung sowie die Weiterentwicklung computergestützter Forschung.

Digitale Forschungsinfrastrukturen: Den Zugang zu Daten verbessern

Wer forscht, braucht hochmoderne, gut ausgebaute Forschungsinfrastrukturen. Diese halten Daten vor und stellen Speicherkapazität sowie Rechenleistung zur Verfügung. Das BMBF treibt deshalb bereits seit 2005 den Aufbau digitaler geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschungsinfrastrukturen voran.

Zur Common Language Resources and Technology Infrastructure CLARIN-D und zur Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities DARIAH-DE haben sich Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen, die jeweils auf bestimmte Quellentypen und Inhalte spezialisiert sind. Beiden ist gemeinsam, dass sie digitale Forschungsdaten (Text- und Bildsammlungen, Wörterbücher, Audiodaten u. v. m.) sowie digitale Werkzeuge zu ihrer Bearbeitung und Beforschung zur Verfügung stellen. Die Infrastrukturen unterstützen den gesamten Forschungsprozess von der Vorhaltung von Daten über ihre Bearbeitung mit digitalen Werkzeugen bis hin zur Sicherung und Archivierung der Ergebnisse. Sie bieten ein umfangreiches Schulungsangebot, das allen Interessierten offen steht. Damit sie die Bedarfe der Nutzerinnen und Nutzer passgenau treffen können, binden sie diese eng ein. Sie haben sich den FAIR-Prinzipien verschrieben, d. h. ihre Daten sind auffindbar, zugänglich, interoperabel und nachnutzbar (FAIR = findable, accessible, interoperable, re-usable). Außerdem treiben sie die Entwicklung internationaler Standards voran. Seit 2019 fördert das BMBF die Fusion der beiden Forschungsinfrastrukturen zu CLARIAH-DE.

Damit Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler realitätsnahe Untersuchungen durchführen können, benötigen sie zuverlässige und aktuelle Daten. Daher besteht in den quantitativ orientierten Sozialwissenschaften der Bedarf vor allem darin, den Zugang zu Daten der amtlichen Statistik und der Rentenversicherung herzustellen sowie die informationelle Infrastruktur insgesamt zu verbessern.

Der Anstoß kam aus der empirisch forschenden Wissenschaft, für die die „Kommission zur Verbesserung der informationellen Infrastruktur zwischen Wissenschaft und Statistik (KVI)“ im Jahr 2001 einen umfassenden Empfehlungskatalog zusammengestellt hatte. Auf Grundlage dieser Empfehlungen hat das Bundesforschungsministerium den Auf- und Ausbau sozialwissenschaftlicher Infrastrukturen mit zahlreichen Projekten wie beispielsweise am Statistischen Bundesamt, den Statistischen Landesämtern oder der Bundesagentur für Arbeit stark unterstützt. Ende 2004 wurde der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten begründet und eine Geschäftsstelle eingerichtet, die seitdem durch das BMBF gefördert wird.

Im European Strategy Forum on Research Infrastructures (ESFRI)  haben sich 28 Mitgliedsstaaten mit dem Ziel zusammengefunden, die verschiedenen europäischen Forschungsinfrastruktur-Initiativen abzustimmen sowie gemeinsam neue Forschungsinfrastrukturen zu errichten und zu betreiben. Das Forum entwickelt unter anderem eine Forschungsinfrastrukturen-Roadmap, die in regelmäßigen Abständen aktualisiert wird. Deutschland beteiligt sich an allen von ESFRI vorangetriebenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsinfrastrukturen, damit diese Teil europäischer Entwicklungen sind. Diese Infrastrukturen mit deutscher Beteiligung auf der aktuellen ESFRI-Roadmap sind CLARIN, DARIAH, EHRI, E-RHIS, ESS, CESSDA und SHARE.

Digitale Ressourcen: eHeritage

Grundlage für geisteswissenschaftliche Forschung ist die Zugänglichkeit von Daten und Informationen zum Forschungsgegenstand. Durch die Digitalisierung und Bereitstellung der entstandenen digitalen Daten wird Quellenmaterial über digitale Plattformen für Expertinnen und Experten sowie die interessierte Öffentlichkeit allgemein und ortsunabhängig zugänglich gemacht. In Deutschland konzentrierte sich die Digitalisierung in den Geisteswissenschaften bislang vor allem auf Texte, beispielsweise Bücher, Briefe und Zeitschriften. Abhängig von der Fragestellung sind aber auch dreidimensionale Objekte, wie beispielsweise Skulpturen, sowie Filme oder Tonaufzeichnungen für die Forschung von großem Interesse, die sich in der Obhut von Museen, Archiven, Hochschulen und Bibliotheken befinden. Bislang wurden von diesen Sammlungen nur wenige digital erschlossen und für die Forschung bereitgestellt. Deshalb fördert das BMBF seit 2016 in größerem Umfang die Digitalisierung von kulturellem Erbe.

Digitale Forschung in den Geisteswissenschaften

Die zunehmende Verfügbarkeit von digitalen Daten und Ressourcen sowie neue informatisch-technische Möglichkeiten machen Forschung nicht nur ortsunabhängig, sie verändern auch die Art, wie neue Erkenntnisse produziert werden. In den Geisteswissenschaften haben digitale Forschungsmethoden zur Herausbildung der Digital Humanities geführt. Diese beschäftigen sich mit der Anwendung computergestützter Verfahren und der systematischen Verwendung digitaler Ressourcen. Das BMBF fördert Forschung zur theoretischen, methodischen und technischen Weiterentwicklung der Digital Humanities.

Bislang waren zumeist Texte Untersuchungsgegenstand von Forschungsprojekten der digitalen Geisteswissenschaften/Digital Humanities. Um der großen Bandbreite an geisteswissenschaftlichem Quellenmaterial auch über Texte hinaus gerecht zu werden, fördert das BMBF insbesondere die Forschung an nicht-textfokussierten und multimodalen Untersuchungsgegenständen (beispielsweise Kombinationen von Bild, Ton, Text usw.).