Karliczek: „Wir haben es alle miteinander in der Hand“

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hofft bald auf positive Nachrichten in der Entwicklung eines Impfstoffes. Trotzdem mahnt sie dazu, die bestehenden Regeln einzuhalten.

Anja Karliczek
Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung.
© BMBF/Laurence Chaperon

Das Inteview erschien zuerst in der "Passauer Neuen Presse" und der "Nordwest Zeitung". Das Gespräch führte Andreas Herholz.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek mahnt ihn der Corona-Pandemie weiter zur Vorsicht und zur Einhaltung der Hygieneregeln. „Wir haben es alle miteinander in der Hand, einen Kontrollverlust zu verhindern. Es kommt auf uns alle an. Auf jeden einzelnen“, sagte sie im Interview mit der "Passauer Neuen Presse" und der "Nordwest Zeitung".

Karliczek hofft zwar schon in wenigen Wochen auf positive Nachrichten bezüglich der Impfstoffentwicklung. „Die Nachfrage wird riesig sein. Es muss zudem eine Impfinfrastruktur aufgebaut werden, indem Lieferwege und Lagerkapazitäten gesichert werden“, sagte sie. Die Ministerin geht davon aus, dass sich dieser Vorgang über Wochen und Monate erstrecken wird. Zugleich wies sie darauf hin, dass die Impfungen ausschließlich auf freiwilliger Basis erfolgen werden.

Auf die Frage, ob angesichts der steigenden Infektionszahlen wieder Schulschließungen drohen, sieht sie die Situation in den Händen der Gesellschaft: „Wenn das Infektionsgeschehen weiter ansteigt, wird sich das auch immer mehr auf die Schulen auswirken. Kitas, Schulen und Hochschulen sind zwar nach dem, was wir wissen, nicht die Treiber des Infektionsgeschehen. Sie existieren aber nicht in einer Käseglocke“, so Karliczek.

Um dennoch das Infektionsgeschehen auch in den Schulen möglichst auszuschießen, seien das Tragen von Mundschutzmasken wie auch das regelmäßige Lüften wichtig. Die Ministerin betonte, dass alle Maßnahmen sehr situativ von Ländern und Schulverwaltungen getroffen werden.

Bezüglich der Digitalisierung der Schulen konstatiert die Bundesbildungsministerin eine Trendwende beim Abfluss der Mittel des Digitalpaktes aufgrund der coronabedingten Schulschließungen: „Die Digitalisierung steht jetzt überall ganz oben auf der Tagesordnung und wir haben die Bedingungen für das Abrufen der Mittel flexibilisiert. Projekte kommen immer mehr ins Rollen und es fließen auch mehr Gelder ab, wie wir aus vielen Ländern hören“, sagte sie.

Auf den aktuellen Anschlag auf einen Lehrer in Paris und dem auch in Deutschland zunehmenden Druck muslimischer Eltern und Schüler auf Lehrkräfte sagt die Bundesministerin den Lehrerinnen und Lehrern mehr Rückendeckung zu und verweist dabei auch auf die Rolle der Gesellschaft: „Wer glaubt, er könne gerade politische oder religiöse Auffassungen in Schulen mit Einschüchterungen durchsetzen, dem muss unsere Gesellschaft die Rote Karte zeigen. Jeder dieser Fälle ist immer einer zu viel. In den Schulen müssen unsere Werte gelebt werden können – und dazu gehört auch die Toleranz gegenüber der Meinung anderer.“