KAUSA – Migranten bilden aus

Selbstständige mit Migrationshintergrund für die duale Ausbildung zu gewinnen und die Ausbildungsbeteiligung von Migrantinnen, Migranten und Geflüchteten zu erhöhen – das sind die Ziele von KAUSA.

Türkischer Händler
Teil einer vielfältigen deutschen Wirtschaft: Ein türkischer Händler in seinem Laden im Münchner Bahnhofsviertel. © dpa/picture-alliance

In Deutschland haben über 770.000 Selbstständige einen Migrationshintergrund, davon etwa 300.000 mit Beschäftigten (Mikrozensus 2018). Ihre Ausbildungsbeteiligung liegt allerdings unter dem bundesweiten Durchschnitt von 19,8 Prozent aller Unternehmen mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2019).

Dabei tragen Selbstständige mit Migrationshintergrund sowohl zum Bruttoinlandsprodukt als auch zur Vielfalt des Wirtschaftsstandortes Deutschland bei. Jenseits der klassischen Branchen wie Einzelhandel und Gastronomie sind selbstständige Migrantinnen und Migranten in über 90 Wirtschaftszweigen tätig, darunter sind zahlreiche Branchen mit hohem Wachstums- und Innovationspotenzial.

In vielen Betrieben wäre eine duale Ausbildung möglich. Hindernisse sind oft unzureichende Informationen und geringe Sprachkenntnisse, aber auch fehlende Erfahrungen mit dem dualen System der Berufsbildung. Vielen Selbstständigen ist nicht bewusst, dass sie die Möglichkeit haben, auszubilden.

Auf der anderen Seite stehen junge Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund, die über ein großes Potential verfügen. Durch ihre Ausbildung können Unternehmen engagierte Nachwuchskräfte gewinnen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen, die diesen Jugendlichen eine Ausbildung ermöglichen wollen, brauchen kompetente Beratung, beispielsweise bei Fragen zum Aufenthaltsrecht, zum Spracherwerb oder zu besonderen Unterstützungsangeboten.

KAUSA-Servicestellen – Beratung in Regionen

Über 20 KAUSA-Servicestellen begleiten kleine und mittlere Unternehmen auf dem Weg zum Ausbildungsbetrieb. Im Fokus stehen hierbei Selbständige mit Migrationshintergrund. Darüber hinaus unterstützt KAUSA die Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und berät Betriebe bei der Einstellung der Jugendlichen als Auszubildende. KAUSA-Servicestellen sind bundesweit in verschiedenen Regionen vertreten; in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Thüringen bestehen zudem drei landesweite KAUSA Servicestellen.

KAUSA steht für die bundesweite Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration, die seit Dezember 2018 in die Initiative Bildungsketten eingebunden ist. Gefördert wird KAUSA aus Mitteln des BMBF Ausbildungsstrukturprogramms JOBSTARTER plus.

Bereits seit 2013 unterstützt KAUSA im Auftrag des BMBF die Einrichtung von KAUSA-Servicestellen. Die Projektträger sind erste Anlaufstellen für Selbstständige und Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Regionen. Sie stehen bei Fragen rund um die duale Ausbildung zur Seite und verweisen auf lokale Partner. Neben der Beratung verfolgen KAUSA-Servicestellen das Ziel, vorhandene Netzwerke zu erweitern und gemeinsam mit Institutionen der Berufsbildung, Schulen sowie Migrantenorganisationen und Unternehmen dauerhaft Strukturen zur Unterstützung bei der dualen Ausbildung zu schaffen.

Informationen für verschiedene Zielgruppen

Die Arbeitshilfe „Betriebe für die Ausbildung gewinnen“ des Ausbildungsstrukturprogramms JOBSTARTER plus beantwortet Fragen rund um das Thema Ausbildung und stellt Praxisbeispiele vor. Für Unternehmen werden relevante Fragen zum Thema Ausbildung beantwortet. Zum Beispiel: Weshalb soll ich ausbilden? Was muss ich tun, um ausbilden zu können? Wie finde ich die richtigen Auszubildenden? Welche Rechte und Pflichten sind zu berücksichtigen?

Das Fachglossar „Betriebliche Ausbildung“ erläutert Unternehmen Begriffe von „Agentur für Arbeit“ bis „Zeugnis“ und weist auf weiterführende Websites hin. Die Informationen werden online in den Sprachen Deutsch, Arabisch, Englisch, Italienisch, Polnisch, Russisch und Türkisch angeboten und richten sich auch an migrantengeführte Unternehmen.

Die Arbeitshilfe „Junge Geflüchtete für die duale Berufsausbildung gewinnen“ richtet sich an Beratungspersonal und präsentiert Ideen aus der Projektpraxis. Gezeigt wird, wie junge Geflüchtete motiviert, informiert und auf ihrem Weg ins Berufsleben unterstützt werden können.

Um Eltern mit Migrationshintergrund leichter zu erreichen, gibt KAUSA den „Elternratgeber: Ausbildung in Deutschland“ in 15 Sprachen heraus. In der Broschüre können sich Eltern über Chancen und Möglichkeiten einer dualen Ausbildung informieren. Sie erfahren, wie sie ihr Kind bei der Berufswahl unterstützen können und wo sie selbst Rat und Hilfe finden. Viele Bildungsträger, Jobcenter und Schulen nutzen die Broschüre für ihre Beratungen. Der Elternratgeber kann beim BMBF kostenfrei bestellt oder heruntergeladen werden.