Klimaschutz: "Grüne Berufe" sind gefragt

Technische Berufe und Klimaschutz in Einklang bringen: Darum geht es im deutsch-griechischen Projekt GRAEDUCATION. "Wer einen grünen Beruf erlernt, kann den Wandel aktiv mitgestalten", sagt Staatssekretär Thomas Rachel beim "Girls' Day" in Athen.

Mädchen für MINT-Berufe begeistern: Darum geht's beim Girls' Day. In Athen besucht Staatssekretär Thomas Rachel das Projekt "GRAEDUCATION". "Durch die Zusammenarbeit in deutsch-griechischen Teams sind ganz neue Konzepte für eine grüne Ausbildung entstanden, die es vorher weder in Griechenland noch in Deutschland in dieser Form gegeben hat", sagt Rachel. © BMBF

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung Thomas Rachel (MdB) anlässlich des „Girls' Day“ im Rahmen des BMBF-Projektes „GRAEDUCATION“ in Athen.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Schülerinnen und Schüler,

Ich freue mich sehr, heute mit Ihnen an diesem schönen, zukunftsweisenden Ort zusammenzukommen. Das Stavros Niarchos Cultural Center ist wirklich ein passender Veranstaltungsort, um über innovative und nachhaltige Berufe zu sprechen, denn in diesem Center steht Nachhaltigkeit an erster Stelle. Wo wenn nicht hier wird deutlich, dass wir unsere Schöpfung bewahren sollen, dass wir den kommenden Generationen eine lebenswerte Welt hinterlassen müssen?

Überall in Europa, auch in meiner Heimat Deutschland und meiner zweiten Heimat Griechenland, tragen junge, engagierte Menschen diese Forderung in die Öffentlichkeit. Klimaschutz und ökologisches Bewusstsein sind extrem wichtig für die Schülerinnen und Schüler von heute – sicher auch für Sie. Deshalb sind Sie heute hier: Um mehr über „grüne Berufe“ zu erfahren. Ich danke Ihnen schon jetzt für Ihr Interesse, denn grüne Berufe sind der Schlüssel dafür, um unsere Wirtschaft, unseren Alltag – kurz: unsere Zukunft – nachhaltig zu auszurichten.

Die Europäische Union hat sich mit dem Kyoto-Protokoll verpflichtet, bis 2020 ihre Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990 um 20% zu verringern. Dazu müssen alle Mitgliedsstaaten, auch Deutschland und Griechenland, gemeinsam beitragen. Die deutsche Bundesregierung hat daher den „Klimaschutzplan 2050“ aufgestellt und sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2030 will Deutschland seine Treibhausgas-Emissionen um mindestens 55% verringern, bis 2040 um mindestens 70%, so dass Deutschland bis 2050 treibhausgasneutral wirtschaftet. Dies kann aber nur durch fundamentale Veränderungen in der Industrie, in der Energiewirtschaft, im Verkehr, in der Landwirtschaft und im Bausektor gelingen. Klimafreundliches Bauen, Elektromobilität und erneuerbare Energien sind Schlüsselbereiche, die stark wachsen werden. In Griechenland wurden zum Beispiel zwischen 2013 und 2016 9 Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert. Dazu sind Fachkräfte gefragt, die Solarpanels und klimafreundliche Kühlsysteme herstellen und installieren können, die E-Autos in Stand halten, die in Windparks arbeiten. Hier sind „grüne Berufe“ gefragt.  Wer einen grünen Beruf erlernt, kann den Wandel aktiv mitgestalten.

Gute Zukunftschancen durch hochwertige Berufsbildung zu schaffen, ist in Griechenland wie auch in Deutschland ein zentrales Ziel in der Bildungspolitik. Deshalb arbeiten mein Ministerium, das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), und das griechische Erziehungsministerium seit Jahren eng zusammen, um Ideen auszutauschen und voneinander zu lernen. Das geht am besten in konkreten Projekten.

Seit zwei Jahren fördert das BMBF das Berufsbildungsprojekt „GRAEDUCATION“, in dessen Rahmen diese Veranstaltung stattfindet. GRAEDUCATION modernisiert vorhandene technische Berufe, so dass wir ökologische Ziele in berufliches Handeln umsetzen können. Und dabei ist etwas sehr Schönes passiert: Durch die Zusammenarbeit in deutsch-griechischen Teams sind ganz neue Konzepte für eine grüne Ausbildung entstanden, die es vorher weder in Griechenland noch in Deutschland in dieser Form gegeben hat. Sogar wir Deutsche, die ja sehr stolz auf ihr Berufsbildungssystem sind, haben in diesem Projekt gelernt, wo wir unsere eigene berufliche Ausbildung verbessern können, wie wir unsere eigenen Inhalte der Berufsausbildung besser mit dem Klimaschutz verknüpfen können. Die Kolleginnen und Kollegen von GRAEDUCATION nennen diesen Ansatz „ko-kreativ“, also Zuhören, Hinsehen und Zusammenarbeiten. An diesem Beispiel können wir sehen, wie fruchtbar internationale Zusammenarbeit ist, wie aus „Ko-Kreativität“ ein beiderseitiger Nutzen entsteht.

An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich bei den Veranstaltern, dem Forschungsinstitut für Arbeitsgestaltung und Prävention und dem Wissenschaftspark Gelsenkirchen, der Handwerkskammer Münster und der Deutsch- Griechischen Industrie und Handelskammer bedanken. Mein besonderer Dank gilt zudem den griechischen Kooperationspartnern im Projekt, der griechischen Arbeitsverwaltung OAED, dem Bildungsinstitut IEP und den teilnehmenden EPAS Schulen und – nicht zuletzt, den Wirtschaftsunternehmen, die sich aktiv in diesem Projekt engagieren.

Projekte wie GRAEDUCATION – davon brauchen wir mehr. Denn sie sind zukunftsgewandt, sie greifen wichtige Anliegen der jungen Menschen auf – und: sie sind wichtiger Bestandteil der deutsch-griechischen Freundschaft und Zusammenarbeit.

Meine Damen und Herren, liebe Schülerinnen, wir befinden uns mitten in einer industriellen Revolution, die sich in einer atemberaubenden Geschwindigkeit vollzieht. Berufe, die gestern noch gänzlich offline und analog waren, werden digital. Dies gilt auch für Berufe im Handwerk, in der Landwirtschaft und in der Produktion. Die Berufsbildung nimmt eine zentrale Rolle dabei ein, zukünftige Fachkräfte auf die moderne Arbeitswelt vorzubereiten. Durch eine zukunftsweisende, innovative Berufsbildung sorgen wir nicht zuletzt dafür, dass die EU im Vergleich mit anderen Regionen der Welt wettbewerbsfähig bleibt. Das führt dazu, dass Ausbildungsberufe viel anspruchsvoller werden. Darin liegt eine große Chance! Denn innovative, an Zukunftsthemen ausgerichtete und anspruchsvolle Berufsprofile sind für junge Menschen wie Sie attraktiv. Sie versprechen eine bessere Beschäftigungsfähigkeit, bessere Einkommen und bessere Möglichkeiten der beruflichen Weiterentwicklung.

Diese Chance haben die griechischen und deutschen Partner des Projekts GRAEDUCATION aufgegriffen und wollen mit Aktionen wie dem heutigen Girls Day zeigen, welche Perspektiven eine Berufsausbildung in grünen Berufen bietet und dass ein Universitätsstudium nicht der einzige Weg zum Erfolg ist. Das sollten wir in Griechenland wie in Deutschland noch viel mehr tun!

Die Wertschätzung für Ausbildungsberufe ist in der Gesellschaft Deutschlands und Griechenlands vorhanden. Lassen Sie sie uns gemeinsam mit den Kammern und den Gewerkschaften der griechischen Arbeitsverwaltung OAED und der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer in den Unternehmen stärken.

Hier kommt wieder das Projekt GRAEDUCATION ins Spiel, das technische Berufe an ökologischen Anforderungen ausrichtet und der Öffentlichkeit zeigt, welche Perspektiven eine Ausbildung in grünen Berufen bietet.  Und hier kommen auch Sie ins Spiel. Zahlreiche Unternehmen und Verbände laden Sie heute ein, grüne Ausbildungsgänge in Berufen kennenzulernen, in denen hier in Griechenland mit viel Wachstum zu rechnen ist; beispielsweise das energieeffiziente Bauen oder Solartechnik. Als Elektrotechnikerinnen, als Technikerinnen für erneuerbare Energien haben Sie die Chance, Ihr Können und Ihr kreatives Potenzial in ganz neuen Berufsbildern zu entwickeln. Sie haben die Chance, die technischen Kompetenzen zu erlangen, um aktiv am Wandel hin zu einer klimafreundlichen Gesellschaft mitzuwirken.

Klimaschutz braucht Fachkräfte, männliche wie weibliche. Fachkräfte, die ganz praktisch vor Ort in unseren Städten und Dörfern Gebäude nachhaltig ausstatten, Solarzellen installieren, Windräder warten. In Griechenland wie in Deutschland sind dazu mehr junge Menschen – und insbesondere mehr junge Frauen – nötig, die sich durch eine hochwertige Berufsbildung zu  hervorragenden Technikerinnen und Technikern ausbilden lassen.

Dafür zeigen Ihnen hier und heute auf dem ersten GRAEDUCATION  Girls Day in Griechenland zahlreiche Akteure ganz praktisch, wie interessant diese Berufe sind. Das ist ein schönes Konzept, und ich werde sicherlich viele Anregungen mit nach Deutschland nehmen, denn auch dort entscheiden sich noch zu wenige junge Frauen für eine Ausbildung in technischen Berufen.

Meine Damen und Herren, liebe Schülerinnen: Mit Bildung wollen wir einen Beitrag zur Verbindung von Ökonomie und Ökologie von Wirtschaft und Klima leisten. Es sind Herausforderungen, die kein Land für sich alleine meistern kann. Wohlstand, sozialer Zusammenhalt, Klimaschutz; dafür müssen wir in Europa zusammenarbeiten, und Bildung ist der Schlüssel.

In diesem Sinne bedanke ich mich noch einmal ganz herzlich bei den griechischen und deutschen Organisatorinnen und Organisatoren des Girls Day, die diese Veranstaltung in ihrer eigenen Form von europäischer Zusammenarbeit auf die Beine gestellt haben. Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und uns allen einen spannenden Tag!