Leiden bei Parkinson lindern

Forschende des DZNE haben einen neuen Ansatz gegen motorische Störungen bei Parkinson gefunden: Im Laborversuch konnten sie zeigen, dass eine Substanz namens „Emapunil“ Entzündungen im Gehirn hemmt – und so die Motorik verbessern kann.

Mikroskop wird für Messung vorbereitet – Forscher des DZNE untersuchen an Nervenzellen und Modellsystemen, wie das Gehirn arbeitet und was bei einer Erkrankung geschieht.
Mikroskop wird für Messung vorbereitet – Forscher des DZNE untersuchen an Nervenzellen und Modellsystemen, wie das Gehirn arbeitet und was bei einer Erkrankung geschieht. © DZNE/Frank Bierstedt

Parkinson entsteht schleichend: Schritt für Schritt verschlechtert sich die Motorik der Betroffenen. Sie zittern häufig und leiden unter steifen Armen und Beinen. Auch Demenz kann eine Folge der Krankheit sein. Denn bei Parkinson sterben bestimmte Nervenzellen des Gehirns allmählich ab. Bisher lässt sich das weder aufhalten noch verlangsamen. Nun zeigte sich bei Laborversuchen mit Mäusen, dass der Wirkstoff „Emapunil“ Entzündungen im Gehirn hemmen und das Absterben von Nervenzellen sowie die Verschlechterung der Motorik abschwächen kann. Das fanden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) heraus. Die Ergebnisse ihrer Studie haben sie jüngst im Fachmagazin „The Journal of Neuroscience“ veröffentlicht.

In ihren Untersuchungen widmeten sich die Forschenden neben den Nervenzellen auch den Immunzellen des Gehirns – sogenannten Mikroglia. Diese schützen das Gehirn vor Schadstoffen und Erregern. Allerdings können sie unter Umständen auch selbst zum Feind werden: Denn Parkinson geht einher mit einer chronischen Entzündung, die durch Mikroglia vermittelt wird. Dabei setzen die Mikroglia Stoffe frei, die Zellen schädigen und sogar töten können. Das beschleunigt schlimmstenfalls die Erkrankung.

Experimenteller Wirkstoff „Emapunil“ dämpft Entzündungsreaktion

Hier setzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um die DZNE-Forscherin Anja Schneider an: Mit dem experimentellen Wirkstoff „Emapunil“ versuchten sie, die Entzündungen zu hemmen. Bei Laborversuchen mit Mäusen fiel dann auf: „Diese Substanz ist in der Lage, im Inneren der Mikroglia einen molekularen Schalter umzulegen, der die Entzündungsreaktion dämpft“, so Schneider. Die Mäuse litten unter Bewegungsstörungen, die auf Schäden im Hirnareal zurückgehen, das auch bei Parkinson betroffen ist. „Tiere, die den Wirkstoff erhielten, konnten sich kontrollierter bewegen als die unbehandelten Tiere einer Vergleichsgruppe“, sagt Tiago Outeiro, Forscher an der UMG und Ko-Autor der Studie.

Stressreaktion kann zum Zelltod führen

Der Ursache dafür wollten die Forschenden auf den Grund gehen. Dabei fanden sie heraus,  dass nicht nur die verringerte Entzündungsreaktion eine Rolle spielt, sondern dass „Emapunil“ in Nervenzellen die sogenannte ungefaltete Proteinantwort vermindert. „Das ist eine Stressreaktion, die zum Zelltod führen kann“, erklärt Outeiro. Diese auszuschalten, schont folglich die Nervenzellen.

In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Wirkung von „Emapunil“ weiter untersuchen. Denn der Wirkstoff hat auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen Potenzial. Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass er an ein Molekül mit dem Namen TSPO (Translocator Protein) bindet. Dieser Rezeptor kommt in Nervenzellen und Mikroglia vor. Das deutet darauf hin, dass TSPO grundsätzlich ein Ansatzpunkt für Wirkstoffe gegen neurodegenerative Erkrankungen sein könnte.

Das eigene Immunsystem als Feind

Die Immunzellen Mikroglia können nicht nur Parkinson beschleunigen. Gleiches kann unter bestimmten Umständen auch bei Alzheimer passieren. Mehr dazu lesen Sie hier.