Mehr Zusammenhalt in Europa durch gemeinsame Forschung

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek vergibt erstmals
Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum

„Forschung und Innovation eröffnen Chancen für mehr Offenheit, Zusammenhalt und Fortschritt in Europa. Wir müssen sie besser nutzen“, sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, die Gastgeberin der Konferenz. „In zwei Wochen wählen wir das Europäische Parlament. Die Frage nach dem Zusammenhalt in Europa ist für uns aktueller denn je. Im europäischen Forschungsraum arbeiten wir gemeinsam an Lösungen für die Herausforderungen von morgen und übermorgen. Gemeinsam gestalten wir Zukunft, das ist gelebter Zusammenhalt“, so Karliczek weiter.

Zusammenarbeiten im Netzwerk und grenzüberschreitend denken, das sind Erfolgsrezepte von Wissenschaft und Forschung. Kein Land kann die drängenden Zukunftsfragen allein beantworten. Internationale Zusammenarbeit gewinnt als Grundlage für Fortschritt, Innovation und damit den Wohlstand von morgen an Bedeutung. Deshalb setzt sich Deutschland für eine ambitionierte europäische Agenda in der Hochschulbildung und in der Forschung sowie für die gezielte Förderung von Innovationen ein. Unter dem Leitsatz „Offenheit. Zusammenhalt. Fortschritt“ will Deutschland mit der heutigen Konferenz Impulsgeber sein. Sie ist der Startschuss für ambitionierte Ziele in Bildung, Forschung und Innovation während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr.

Im Rahmen der Konferenz wird erstmals der Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum verliehen. Die Preisträgerinnen und Preisträger zeigen beispielhaft, wie europäische Zusammenarbeit das Leben der Bürgerinnen und Bürger verbessern kann. Insgesamt werden sechs Teams von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek ausgezeichnet. Mit ihren EU-finanzierten Forschungsprojekten leisten sie alle einen Beitrag zur besseren Zukunft Europas: von verbesserten Diagnoseverfahren bei Blutvergiftungen über die Unterstützung der Mobilitätswende durch den Einsatz von Hochleistungsrechnern bis hin zur Entwicklung von Robotern, die nach Katastrophen helfend eingesetzt werden können.

Mit dem Preisgeld von rund 50.000 Euro setzen die Preisträger innovative und kreative Kommunikationsideen um. Unterschiedlichste Formate wie Entscheidungs-Theater, Krimi-Dinner und Science-Pop-up-Shops tragen wissenschaftliche Erkenntnis in die Gesellschaft und machen Wissenschaft damit persönlich erfahrbar.

Der neue Forschungspreis ist nach Ralf Dahrendorf benannt. Dieses Jahr wäre der frühere EU-Forschungskommissar 90 Jahre alt geworden. In den 1970er Jahren legte er den Grundstein für die Idee eines einheitlichen europäischen Wissensraums. Wissenschaft und Forschung, die über Ländergrenzen hinausdenken und sich aktiv in die gesellschaftlichen Debatten einbringen, waren Dahrendorf ein Anliegen.

Zur Konferenz werden rund 300 nationale und internationale Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft erwartet. Die Redner fokussieren ihren Blick auf ein vielfältiges Europa: Die kroatische Wissenschafts- und Bildungsministerin, Professor Blaženka Divjak, betrachtet die europäische Zusammenarbeit aus der Sicht eines noch jungen Mitgliedstaates. Jean-Eric Paquet stellt als Generaldirektor für Forschung und Innovation der Europäischen Kommission seine Vision zum Europäischen Forschungsraum nach 2020 vor. Der Europaabgeordnete Dr. Christian Ehler erläutert als Berichterstatter des Europäischen Parlaments die Verhandlungen zum nächsten EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont Europa“.

Beispielprojekte der Dahrendorf-Preisträger:

Der in Deutschland, Italien und Schweden entwickelte „Centauro“-Roboter kann nach Umweltkatastrophen Aufräum- und Bergungsarbeiten übernehmen, die für die Menschen zu gefährlich wären, bei denen aber die menschliche Einschätzungsfähigkeit gebraucht wird. Durch die Technik der Augmented Reality im Roboter kann die bedienende Person genau steuern. Den Dahrendorf-Preis erhält das Informatikteam der Universität Bonn für die Ausrichtung eines schulübergreifenden Wettbewerbs, bei dem Kinder und Jugendliche selbst Roboter bauen, programmieren und steuern können. Die Gewinner-Schule darf den Roboterbausatz behalten – als Anregung für künftige Robotikexpertinnen und -experten.

https://www.centauro-project.eu/

Im Gesundheitswesen hat das HemoSpec-Team am Leibniz-Institut für Photonische Technologien mit seinen europäischen Partnerinnen und Partnern ein handliches Gerät entwickelt, das Blutvergiftungen (Sepsis) schneller und konkreter diagnostizieren kann. Das rettet Leben. Denn bei einer Sepsis muss die richtige Therapie sehr schnell erfolgen. Mit dem Dahrendorf-Preis möchte die Forschungsgruppe mit Menschen jeden Alters über ihr Thema ins Gespräch kommen. Dazu richtet es einen temporären Science-Pop-up-Shop in einem beliebten Einkaufszentrum in Jena ein, in dem „Lunch Lectures“ und Experimentierzonen zum Austausch einladen. Außerdem erarbeitet das Team einen Wissenschaftscomic, der in Kliniken, Praxen und Pendlerzügen ausgelegt und so das Bewusstsein für die gefährliche Erkrankung auch langfristig wach halten soll.

http://www.hemospec.eu/

Im EU-Projekt „Centre of Excellence for Global Systems Science“, kurz CoeGSS, haben sich Forschende des Global Climate Forum gemeinsam mit ihren europäischen Partnern mit der Frage beschäftigt, wie eine umweltfreundliche und zukunftsorientierte Verkehrswende für Deutschland gestaltet werden kann. Mit dem Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum kann das Team des Global Climate Forum jetzt ein „Decision Theatre“ umsetzen. Hier diskutieren Interessierte die Möglichkeit einer Mobilitätswende. Für einen lebhaften Austausch werden den Teilnehmenden digital dargestellte Informationen, Daten, Bilder und Modellergebnisse angeboten. In einer Abschlussveranstaltung werden die Erkenntnisse der Teilnehmenden mit Personen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft debattiert.

http://coegss.eu/