Starke Partner für moderne Berufsbildung

"50 erfolgreiche Jahre – und jetzt geht’s erst richtig los. Denn die berufliche Bildung ist entscheidender denn je für die Zukunftsfähigkeit unserer Länder", sagt Ministerin Karliczek bei der Jubiläumsfeier zur deutsch-israelischen Zusammenarbeit.

"Um die berufliche Bildung zu modernisieren und fit zu machen für die neue Zeit braucht Deutschland starke Partner. Partner, von denen wir und Partner, mit denen wir zusammen lernen können. Partner wie Israel", sagt Ministerin Karliczek.

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Rede der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (MdB) anlässlich der Jubiläumsfeier zur deutsch-israelischen Zusammenarbeit in der Berufsbildung.

Es gilt das gesprochene Wort.

Liebe Freunde aus Israel,

sehr geehrter Herr Elisha,

sehr geehrte Damen und Herren,

fünfzig Jahre ist es her, da entstand eine Technologie, die für unser Leben neue Horizonte eröffnet hat: das Internet. Als sich am 30. August 1969 vier amerikanische Universitäten vernetzten, begann eine  weltweite Erfolgsgeschichte. Und heute? Heute ist mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung vernetzt.

Warum erinnere ich daran? Weil auch das deutsch-israelische Programm zur Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung sein 50-jähriges Jubiläum feiert. Und weil das mehr als nur ein schöner Zufall ist. Denn in Zeiten des digitalen Wandels wird

  • erstens die Qualifizierung gerade der jungen Menschen, die berufliche Bildung und die Weiterbildung immer wichtiger.
  • Und zweitens brauchen wir mehr denn je Vernetzung; Zusammenarbeit über unsere Landesgrenzen hinweg. Denn Digitalisierung und Globalisierung gehören eng zusammen, sie sind so etwas wie Geschwister.

In meinem Ministerium haben wir darum die Digitalisierung und das digitale Lernen zu einem Schwerpunkt gemacht. Wir werden die Chancen digitaler Vernetzung beherzt nutzen. Wir werden die Menschen fit machen für die veränderte Arbeitswelt. Nur so können wir unseren Wohlstand und unsere Innovationskraft erhalten. Nur so haben wir die dringend nötigen Fachkräfte. Nur so sind wir in Zukunft international wettbewerbsfähig.

Die berufliche Bildung ist dabei ein wichtiger Impulsgeber, ein Impulsgeber für die digitale Arbeitswelt. Ich kenne die berufliche Bildung aus persönlicher Erfahrung: Nicht nur als Auszubildende, sondern auch als Ausbilderin im Hotelbetrieb meiner Familie. Ich kenne die Situation vor Ort, den Alltag der Jugendlichen und den ihrer Ausbilder. Und ich kenne die aktuellen Herausforderungen, die die berufliche Bildung nicht nur hierzulande zu bewältigen hat. Dazu gehören neben der

  • Digitalisierung
  • und der demographische Entwicklung
  • vor allem auch der ungebrochene Trend zur Akademisierung. Darum ist mein Credo hier in Deutschland: Berufliche Bildung und akademische Bildung sind zwei gleichwertige Wege in den Beruf. Wir brauchen sie beide.

Um die berufliche Bildung zu modernisieren und fit zu machen für die neue Zeit braucht Deutschland starke Partner. Partner, von denen wir und Partner, mit denen wir zusammen lernen können. Partner wie Israel. Deutschland und Israel verbinden nicht nur enge diplomatische Beziehungen. Sie arbeiten auch in Bildung und Forschung seit Jahren und auf vielfältige Weise eng zusammen. Dafür sind wir dankbar – denn diese Kooperation ist auch gut 70 Jahre nach dem Zivilisationsbruch der Shoah längst nicht selbstverständlich. Dass wir heute so vertrauensvoll, so eng und vielschichtig zusammenarbeiten, ist ein Zeichen der Versöhnung. Es zeigt, dass wir bereit sind, im Wissen um die Vergangenheit gemeinsam nach vorn zu blicken.

Eines der längsten Kooperationsprojekte ist dabei das deutsch-israelische Programm zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung. Es wurde initiiert nur vier Jahre nachdem unsere beiden Länder diplomatische Beziehungen aufgenommen hatten – in einer Zeit, in der die Wunden der Vergangenheit noch frisch waren. Unsere Zusammenarbeit in der Berufsbildung ist also eine tragende Säule der Partnerschaft zwischen Deutschland und Israel. 

Sie verfolgt zwei Ziele:

  1. Sie soll Impulse geben, mit der wir die berufliche Bildung gemeinsam weiterentwickeln können.

Das ist die fachliche Zusammenarbeit. Ein Beispiel dafür sind die Ausbildungsmodule für die Installation von Photovoltaik- und Solaranlagen, die wir gemeinsam entwickelt haben, oder die Curricula zur Verwendung neuer Web-Technologien.

  1. dient das Programm dem Austausch.
    Für Auszubildende und Berufsschüler ist das eine Riesenchance.
    Sie lernen andere Techniken, Abläufe und Herangehensweisen. Und sie erleben den Alltag im anderen Land mit all seinen Facetten und können daran teilhaben.
    Das ist gerade in Zeiten, in denen die Welt kleiner und vernetzter wird, ein großes Pfund.

Lassen Sie mich darum an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön sagen. Ein Dankeschön an alle, die mit ihrem Engagement und ihrem Enthusiasmus den Austausch der Azubis, der Köche, Friseure und Kfz-Mechatroniker, möglich machen! Ohne Sie gäbe es diese Partnerschaft nicht.

Albert Einstein hat einmal gesagt: „Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist einfach nur Information“. Diese Erfahrung möchten wir ausbauen – nicht nur für die Azubis, sondern auch für Experten aus dem Berufsbildungssystem und für alle Wissenschaftler, die an dem Programm beteiligt sind. Seit 1969 haben wir viel bewegt. Mehr als 2300 Personen haben an dem Programm teilgenommen, an Reisen, Konferenzen, Seminaren, haben Praktika in Unternehmen absolviert. Das Kennenlernen, das gemeinsame Gespräch und Erleben sind entscheidend, um Verständnis füreinander zu entwickeln – gerade heute, in diesen immer komplexer werdenden Zeiten.

Gerade heute müssen wir uns immer wieder daran erinnern: Deutschland und Israel teilen gemeinsame Werte. Die Werte der Demokratie und der Freiheit. Sie gilt es gemeinsam zu verteidigen. Wir kämpfen gegen Hass, gegen jede Form von  Diskriminierung von Minderheiten – und vor allem gegen religiöse Intoleranz. Wir werden gerade aus Deutschland heraus Antisemitismus in all seinen Formen bekämpfen. Wir dürfen nicht zulassen, dass er wieder lauter wird und die Hemmschwellen weiter sinken. Deutschland hat eine immerwährende Verantwortung gegenüber Israel.

Gerade deshalb ist für uns die politische Bildung und die Demokratieerziehung ein wichtiges Element in der Schule, um:

  • das demokratische Bewusstsein zu stärken,
  • das Wissen um unsere historische Verantwortung zu schärfen,
  • und um politisches und gesellschaftliches Engagement zu fördern.

Die Bundesregierung hat ihre Aktivitäten auf diesem Gebiet erheblich ausgeweitet. Dazu gehören die Wettbewerbe „Demokratisch handeln“ und „Jugend debattiert“, die mein Ministerium fördert. Nur wenn wir uns erinnern, können wir unsere Zukunft gemeinsam gestalten.
Nur dann können wir uns gemeinsamen Projekten zuwenden und unsere Partnerschaft mit neuen Inhalten füllen, um die drängenden Herausforderungen gemeinsam zu lösen, vor denen uns die globalisierte Welt stellt – vom Klimawandel, über Gesundheitsfragen bis hin zur Digitalisierung.

Eben das ist das Wunder der Versöhnung. Unsere Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung ist gerade deswegen so wertvoll, weil hier beide, Deutschland und Israel, ihre großen Stärken und ihr großes Wissen einbringen können. In Deutschland sind wir stolz auf unser Modell der dualen Berufsausbildung. In einer Zeit, die sich so schnell wandelt und uns permanent neue Fähigkeiten abverlangt, ist sie ein unschätzbar wertvolles Ausbildungssystem! Junge Menschen gut in Praxis und Theorie auszubilden, im Betrieb, in der Berufsschule und in der Hochschule – diese Flexibilität, junge Menschen auszubilden, hat Deutschland stark gemacht. Deshalb haben wir eine so geringe Jugendarbeitslosigkeit.

Und Israel? Israel hat gerade bei den digitalen Technologien beeindruckende Erfolge aufzuweisen. Wer von Berlin nach Tel Aviv kommt, der kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Israel gilt als die Start-up-Nation der Welt. Und um ein Start-up-Unternehmen zu gründen und seine eigene Chefin oder sein eigener Chef zu sein – dafür ist eine gute berufliche Qualifikation ebenfalls von Vorteil. Die Selbstständigkeit ist für manchen Berufseinsteiger mehr als nur eine mögliche Perspektive. Sie ist sein Traum, sein festes Ziel.

Meine Damen und Herren,

ich bedanke mich herzlich bei allen Akteurinnen und Akteuren des Programms in Deutschland und Israel, seinen Unterstützerinnen und Unterstützern und allen Kooperationspartnern. 50 erfolgreiche Jahre – und jetzt geht’s erst richtig los. Denn die berufliche Bildung ist entscheidender denn je für die Zukunftsfähigkeit unserer Länder. Die deutsch-israelischen Beziehungen bauen auf diese Zusammenarbeit. Lassen Sie sie uns gemeinsam immer wieder mit neuem Leben füllen.