Müde Böden zu neuem Leben erwecken

Bei wiederholtem Anbau einer Pflanzenart ist der Boden ausgelaugt und die Pflanzen wachsen langsamer. Im Interview mit bmbf.de spricht Agrarforscherin Traud Winkelmann über müde Böden und wie man diesen neues Leben einhauchen kann.

Die BonaRes-Initiative zielt darauf ab, den Boden als nachhaltige, gesunde Ressource für kommende Generationen zu sichern. © Thinkstock

bmbf.de: Frau Professor Winkelmann, was können wir uns unter einem müden Boden vorstellen?

Traud Winkelmann: Ein ermüdeter Boden hat die Fähigkeit verloren, die Pflanze in ihrem Wachstum zu unterstützen. Dieser Fall tritt meist dann ein, wenn zuvor die gleiche Pflanzenart auf dem Boden angebaut wurde, daher wird auch der Begriff Nachbaukrankheit verwendet.

Wie kommt es dazu?

Traud Winkelmann leitet die Abteilung Gehölz- und Vermehrungsphysiologie an der Universität Hannover. © Privat

Ergebnisse unserer Forschungen deuten darauf hin, dass die Wurzeln der Pflanzen Stoffe in den Boden abgeben, die zu einer Veränderung der Lebensformen im Boden, beispielsweise der Mikroorganismengemeinschaft, führen. Die als nächstes angebaute Kultur wird dann vom Boden nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Ähnlichem versorgt. Auffällig ist, dass Bodenmüdigkeit vor allem Rosaceae, also Rosengewächse wie den Apfelbaum, trifft.

Warum ist das insbesondere für den Apfelanbau ein Problem?

Bei anderen, krautigen Pflanzen wird das Problem durch Fruchtfolgen umgangen, indem auf derselben Fläche abwechselnd andere Kulturen angebaut werden. Beim Apfelanbau ist das nicht möglich, da im Vorfeld meist große Investitionen erfolgen. Es werden unter anderem Bewässerungsanlagen gelegt, eine spezielle Frostschutzberegnung installiert und Hagelschutznetze aufgebaut. All diese Dinge kann man nicht einfach nach einer Kultur abbauen und an anderer Stelle wieder aufbauen. Daher müssen wir die Flächen, die sich in Anbauzentren befinden, erhalten.

Wie kann das Problem gelöst werden?

Wir gehen das Problem in unserem Projekt „ORDIAmur“ auf mehreren Ebenen an. Zum einen analysieren wir, warum es überhaupt zur Bodenmüdigkeit kommt. Wir sehen, dass bestimmte Böden anfälliger für die Nachbaukrankheit sind als andere. In Regionen mit zeitweiligen Überstauungen und einem hohen Grundwasserspiegel, wie beispielsweise im Alten Land, ist das Problem geringer. Sandige und leichte Böden neigen hingegen häufiger zur Bodenmüdigkeit. Zum anderen setzen wir beim Boden selbst an, indem wir die fehlenden Organismen animpfen oder gesunde Organismengemeinschaften durch Kulturmaßnahmen erhalten. Ein weiterer Ansatz betrifft die Pflanze an sich. Wir suchen nach Pflanzen, die weniger anfällig sind oder die durch positive, in ihr lebende Organismen gestärkt werden können.

Wie verbreitet ist das Problem und kann man Ihre Lösungsansätze auch auf andere Monokulturen übertragen?

Vom Grundsatz betrifft das Problem alle Personen, die sich mit dem Anbau von Kulturen beschäftigen. Intensität und Einbußen sind jedoch sehr unterschiedlich. In den Kulturen, mit denen wir arbeiten, ist das Problem besonders relevant. Trotzdem wäre es interessant, unsere Ideen auf Spargel, Weinbau oder andere Baumschulkulturen, zum Beispiel Beerenobst, anzuwenden. Hier gibt es auch diverse Interessenten, die unsere Ideen verfolgen.

Wie gelangen ihre Ergebnisse in die Anwendung?

Wir entwickeln in unserem Projekt Kommunikationswerkzeuge, um unsere Forschung und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter anderem befindet sich ein Webportal im Aufbau, auf dem wir unsere Ergebnisse publizieren werden. Zielgruppe des Portals sind nicht nur Politiker und Wissenschaftler, sondern vor allem Anbauer, wie Baumschulen oder Obstbauern. Letztgenannte sind schließlich diejenigen, die unsere Ergebnisse am Ende brauchen und auch umsetzen können. Daneben besuchen wir Messen, Tagungen und andere Fachveranstaltungen, auf denen wir über unser Projekt und unsere Erkenntnisse berichten.

Warum wird das Thema gerade jetzt intensiv beforscht?

Bodenmüdigkeit ist ein Thema, das die Menschen seit langem begleitet. Mittlerweile haben wir allerdings ganz neue und moderne Tools zur Hand, mit deren Hilfe wir komplexe Zusammenhänge besser verstehen. Mit neuen Sequenzierungstechniken und Datenverarbeitungsmethoden verstehen wir heutzutage deutlich mehr von dem Zusammenspiel verschiedener Organismengruppen. Auch wenn die Bodengesundheit ein nach wie vor vielschichtiges Feld ist, so sehen wir das Gesamtsystem heute klarer als jemals zuvor. Damit ist es uns jetzt möglich, und darauf zielt auch die gesamte BonaRes-Initiative, den Boden als nachhaltige, gesunde Ressource für kommende Generationen zu sichern.

Boden als nachhaltige Ressource für die Bioökonomie

Gesunde Böden sind unsere Lebensgrundlage, doch sie sind zunehmend in Gefahr. Der Klimawandel, Bodenerosion und Bodenversauerung gefährden die Ressource Boden. Mit der Initiative BonaRes „Boden als nachhaltige Ressource für die Bioökonomie“ fördert das Bundesforschungsministerium im Rahmen der Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030 den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Böden. Aktuell wird die Initiative auf dem Erlebnisbauernhof der Grünen Woche, im Bereich „Auf dem Acker“, Stand 106, Halle 3.2 vorgestellt.