Nationale Dekade gegen Krebs

Starke Krebsforschung, schneller Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis, verbesserte Prävention und Früherkennung: Mit der Nationalen Dekade gegen Krebs möchte das Bundesforschungsministerium Kräfte im Kampf gegen Tumorerkrankungen bündeln.

Krebserkrankungen sind nach wie vor eine der größten Herausforderungen für die moderne Medizin. Krebs ist in unserer Gesellschaft die zweithäufigste Todesursache und die am meisten gefürchtete Krankheit. In den nächsten 20 Jahren wird sich die Zahl der Krebsneuerkrankungen weltweit verdoppeln, gleichzeitig leben viele Menschen noch lange Jahre mit ihrer Erkrankung. Allein in Deutschland ist gegen Ende der Dekade mit einem Anstieg der Krebsneuerkrankungen von derzeit 500.000 auf 600.000 Fälle jährlich zu rechnen. Bedeutende Ursachen sind unsere älter werdende Gesellschaft und eine ungesunde Lebensweise.

Um die Perspektiven der Patientinnen und Patienten nach einer Krebsdiagnose weiter zu verbessern, müssen neue Möglichkeiten der Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge erforscht werden und möglichst schnell den Betroffenen zugutekommen. Es müssen wirksame Wege der Prävention entwickelt und umgesetzt werden, um die Zahl der neuen Krebsfälle langfristig zu senken. Etwa 40 Prozent aller Krebserkrankungen sind auf beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen und durch geeignete Vorbeugung vermeidbar.

Auftakt-Pressekonferenz zur Nationalen Dekade gegen Krebs
Auftakt zur Nationalen Dekade gegen Krebs: (v.l.) Fritz Pleitgen, Präsident der Deutschen Krebshilfe, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Michael Baumann, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums, stellen die Inhalte und Ziele der Dekade vor. © BMBF

Deutschland braucht daher neben dem Nationalen Krebsplan, der sich vorrangig auf die Weiterentwicklung der Krebsversorgung konzentriert, auch eine langfristige Forschungsstrategie im Kampf gegen den Krebs. Ein größeres Bewusstsein aller Akteurinnen und Akteure für eine starke Krebsforschung und Krebsprävention, die Stärkung klinischer Studien, ein besseres Miteinander von Forschung und Versorgung und eine schnellere Überführung neuer Präventions-, Diagnose- und Therapieansätze mit nachgewiesenem Nutzen in die Praxis sowie eine neue Offenheit in der Bevölkerung, über das sensible Thema Krebs zu sprechen, sind notwendig.

Deshalb hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit und vielen weiteren Partnern die auf zehn Jahre angelegte Initiative „Nationale Dekade gegen Krebs“ ins Leben gerufen. In dieser bisher einmaligen Initiative arbeiten wir, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Krebsforschung, Forschungsförderung, Gesundheitswesen, Wirtschaft und Gesellschaft, zusammen. Uns eint das Ziel, alle Kräfte in Deutschland zu mobilisieren und Krebs gezielt und erfolgreich zu bekämpfen. Wir rufen alle gesellschaftlichen Gruppen dazu auf, sich der Initiative anzuschließen und mitzuwirken.

Das sind die Ziele der Nationalen Dekade gegen Krebs

Lebensqualität der Betroffenen verbessern

Wir werden das Leben von Krebspatientinnen und Krebspatienten durch Forschung und schnelle Umsetzung ihrer Ergebnisse in die flächendeckende onkologische Versorgung verbessern. Durch moderne Früherkennungs- und Behandlungsmethoden ist Krebs am Ende der Dekade in Deutschland bei drei von vier Patientinnen und Patienten geheilt oder langfristig beherrschbar – und dies bei guter Lebensqualität der Betroffenen.

Weniger Krebserkrankungen, Prävention stärken

Durch Krebsprävention werden weniger Krebsfälle neu auftreten. Maßnahmen der Prävention werden nachhaltig und mit langer Perspektive verfolgt. Der Anteil der vermeidbaren Krebserkrankungen mit heute etwa 40 Prozent der Gesamtkrebserkrankungen wird alle 10 Jahre um 10 Prozent gesenkt werden, das heißt auf ca. 36 Prozent in 10 Jahren bzw. 32 Prozent in 20 Jahren. Da es jedoch Jahrzehnte dauern kann, bis Krebs entsteht, ist dieser Effekt erstmals 2040 messbar.

Zugang zu onkologischer Versorgung für alle Menschen in Deutschland

Alle Menschen in Deutschland haben Zugang zu einer qualitativ hochwertigen onkologischen Versorgung und zu Innovationen der Krebsforschung mit nachgewiesenem Nutzen, insbesondere über Standorte translationaler Krebsforschung in erreichbarer Entfernung und deren Vernetzung mit regionalen und überregionalen Versorgungseinrichtungen. Schlüssel hierfür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen, Universitätsklinika, qualifizierten Krankenhäusern und Schwerpunktpraxen.

Aktive Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger

Die Bevölkerung hat ein Bewusstsein für Krebsprävention entwickelt; das Vertrauen in die Krebsforschung ist durch geeignete Maßnahmen gestärkt. Bürgerinnen und Bürger nehmen aktiv an der Krebsprävention und -forschung teil.

Deutschland als führender Standort der patientenorientierten Krebsforschung

Motivierte und hervorragend ausgebildete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen tragen dazu bei, dass Deutschland ein international führender Standort der patientenorientierten Krebsforschung und der onkologischen Versorgung ist.

Vier Themenblöcke stehen deshalb in den kommenden zehn Jahren im Fokus:

Prävention

Praevention
Das Risiko für besonders häufig auftretende Krebsarten kann durch eine gesunde Lebensweise verringert werden. © Projekttraeger DLR Gesundheitsforschung im Auftrag des BMBF

Was schützt vor Krebs? Wie kann jeder Mensch persönlich Krebs vorbeugen und vorsorgen? Und wie kann jeder Einzelne darin unterstützt werden, gesund zu leben? Die Nationale Dekade gegen Krebs wird die Forschung zur Gesunderhaltung und Prävention vorantreiben. Neue Strategien und Methoden sollen eine personalisierte Krebsfrüherkennung ermöglichen.

Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite www.dekade-gegen-krebs.de

Diagnose

Diagnose
Für moderne Diagnosemöglichkeiten reichen oftmals ein paar Milliliter Blut. © Projekttraeger DLR Gesundheitsforschung im Auftrag des BMBF

Je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, desto besser sind die Aussichten auf Heilung. Dafür braucht es zuverlässige Diagnosemethoden, die Krebs am besten schon erkennen, bevor er erste Beschwerden bereitet. Die Nationale Dekade gegen Krebs wird deshalb die Forschung zu neuartigen diagnostischen Verfahren stärken. Eine umfassende Diagnostik ist auch erforderlich, damit Ärztinnen und Ärzte die bestmögliche Therapieentscheidung treffen können.

Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite www.dekade-gegen-krebs.de

Therapie

Therapie
Ein Ziel der Dekade gegen Krebs ist es, die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. © Projekttraeger DLR Gesundheitsforschung im Auftrag des BMBF

Krebs ist nicht gleich Krebs. Therapien wirken deshalb nicht bei jeder Patientin bzw. jedem Patienten gleich. Die  Krebsbehandlung wird daher immer mehr auf einzelne Patientinnen und Patienten zugeschnitten. Die personalisierte Medizin sucht für jeden Erkrankten nach der Behandlung, die ihm bestmöglich hilft. In der Nationalen Dekade gegen Krebs rückt daher die Einzigartigkeit jedes Menschen in den Mittelpunkt von Forschung und Versorgung.

Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite www.dekade-gegen-krebs.de

Teilhabe und Einbindung

Eine Frau sitzt am Computer und informiert sich
In der Dekade gegen Krebs sollen vor allem Vertreterinnen und Vertreter aus Patienten- und Bürgerschaft aktiv in die Forschung einbezogen werden. © Projekttraeger DLR Gesundheitsforschung im Auftrag des BMBF

Die Nationale Dekade gegen Krebs wird Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Ausrichtung der Krebsforschung einbeziehen, damit sie ihre Perspektiven und Expertisen einbringen können. Ihre Einbindung legt den Grundstock für eine erfolgreiche und bedarfsgerechte Krebsforschung. Denn sie muss die Bedarfe aller Beteiligten berücksichtigen: Patientinnen und Patienten, deren Angehörige, Ärztinnen und Ärzte sowie das pflegerische Personal

Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite www.dekade-gegen-krebs.de

Das sind die Mitglieder des Strategiekreises

Dekade gegen den Krebs
Sie wollen die Krebsforschung, -prävention und -früherkennung stärken: Das sind die Mitglieder des Strategiekreises, die Ende November nach Berlin kamen. (v.l.n.r) Wolfgang Knauf, Doris Pfeifer, Julia Carolin Stingl, Sabine Weiss, Thomas Rachel, Christa Maar, Anja Karliczek, Michael Baumann, Heyo K. Kroemer, Michael Hallek und Gerd Nettekoven. © BMBF / Hans-Joachim Rickel
  • Vorsitz: Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung
  • Ko-Vorsitz: Prof. Dr. med. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)
  • Jan Geißler: Gründer und Geschäftsführer von Patvocates. Patvocates ist ein Think Tank und Beratungsunternehmen für Patientenvertretung, Gesundheitspolitik und medizinische Forschung
  • Prof. Dr. med. Michael Hallek, Geschäftsführender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)
  • Prof. em. Wolfgang Hiddemann, bis Ende 2017 langjähriger Direktor der Medizinischen Klinik III am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Prof. Dr. med. Wolfgang Knauf, Vorsitzender des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO)
  • Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT)
  • Dr. Christa Maar, Geschäftsführender Vorstand der Felix Burda Stiftung, Mitglied des Kuratoriums des DKFZ
  • Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Krebshilfe (DKH)
  • Prof. Dr. med. Olaf Ortmann, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG)
  • Renate Pfeifer, Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen (BAG SELBSTHILFE); Projektleiterin im Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche e.V
  • Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband)
  • Prof. Hagen Pfundner: Vorstand der Roche Pharma AG
  • Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kunst des Landes Schleswig-Holstein
  • Prof. Dr. Julia Carolin Stingl, Vizepräsidentin, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
  • Dr. med. Özlem Türeci, Vorstand BioNTech AG
  • Sabine Weiss, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit