Neue Chancen für Studienabbrecher

Ein Studienabbruch kann ein neuer Anfang sein – vor allem in der beruflichen Bildung. Das Bundesbildungsministerium leistet Hilfestellung auf vielfältige Weise.

Für den Abbruch eines Studiums kann es viele Gründe geben: Unzufriedenheit mit den Inhalten, Überforderung, fehlender Praxisbezug oder finanzielle Schwierigkeiten. Die Abbruchquote bei den Bachelorstudiengängen ist in Deutschland mit 29 Prozent relativ hoch. Eine Möglichkeit für einen neuen beruflichen Weg ist der Einstieg in eine duale Berufsausbildung.

Interessante Fach- und Führungsaufgaben

Studienabbrecherinnen und -abbrecher bringen häufig wichtige und auf die Berufsbildung anrechenbare Vorqualifikationen mit, die gezielt für einen schnellen nichtakademischen Karriereweg verwertbar sind. Hinzu kommt, dass gerade auf der mittleren Qualifikationsebene zunehmend Fachkräfte benötigt werden. Studienabbrecherinnen und -abbrecher können dort interessante Fach- und Führungsaufgaben übernehmen.

Erfolgsgeschichten

Neben präventiven Maßnahmen wie der Vermeidung von Studienabbrüchen unter den Studierenden (zum Beispiel über den Qualitätspakt Lehre oder den Hochschulpakt), der Verhinderung von Fehlentscheidungen bei der Berufs- und Studienwahl (zum Beispiel über eine vertiefte Berufsorientierung auch an Schulen, die zu einer Hochschulzugangsberechtigung führen) und der Konzipierung und Erprobung von Übergängen aus der akademischen in die berufliche Bildung (zum Beispiel über den Bund-Länder-Wettbewerb „Offene Hochschulen“) hat das BMBF daher im Mai 2014 die Initiative zur Gewinnung von Studienabbrechern für die berufliche Bildung gestartet.

Information

Diese Initiative des Ministeriums umfasst verschiedene Handlungsfelder und Fördermaßnahmen.

So wurden die Informationsangebote für Studienzweiflerinnen und -zweifler sowie Studienabbrecherinnen und -abbrecher deutlich verbessert. Im Juli 2016 startete das Online-Portal www.studienabbruch-und-dann.de, welches über alternative Qualifizierungswege in und außerhalb der Hochschulen informiert.

An den wesentlichen Hochschulstandorten der Länder werden kooperative und nachhaltig bestehende Beratungsangebote aus- beziehungsweise aufgebaut. Seit 2015/16 fördert das BMBF vier landesweite „Leuchtturmprojekten“ in Hessen, Hamburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen sowie ab 2018 in Sachsen. Die Leuchtturmprojekte führen etablierte Beratungsangebote zusammen und optimieren diese.

Darüber hinaus ist es wichtig, über die Potenziale einer Ausbildung in Klein- und Mittelbetrieben Studienabbrecherinnen und -abbrecher zu informieren. Dies geschieht durch regionale Vermittlungs- und Integrationsprojekte im Programm JOBSTARTER plus. Mit einer Laufzeit von 36 Monaten haben die Projekte ihre Arbeit Anfang 2015 aufgenommen. Seitdem setzen sie verschiedene Maßnahmen um, Studienabbrecherinnen und -abbrecher in Ausbildung zu bringen. Anfang 2018 starteten 14 Projekte in einer Anschlussphase mit neuer Verbundpartner-Konstellation und mit thematischer Neuausrichtung.

Flankierend wurde in der BMBF-Initiative auch die mangelnde Datenlage zu dieser besonderen Zielgruppe in den Fokus genommen. Daher hat das BMBF das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) mit einer Forschungsstudie beauftragt. Die Studie „Die Attraktivität der beruflichen Bildung bei Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern“ hatte zum Ziel, Informationen zur Attraktivität der beruflichen Bildung unter Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern, zu deren Übergangswegen in eine berufliche Bildung sowie zu den Faktoren für einen gelingenden Übergang zu gewinnen. Die Studie, die auf den Ergebnissen einer zweiten Befragung von Exmatrikulierten des Sommersemesters 2014 zweieinhalb Jahre nach Exmatrikulation basiert, liefert Erkenntnisse über den Prozess der beruflichen und bildungsbezogenen Neuorientierung von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern.

Für alle Maßnahmen dieser Initiative stehen in den Jahren 2014 bis 2020 rund 16 Millionen Euro zur Verfügung.