Neurologische und psychische Leiden

Depression, Demenz oder Parkinson, so unterschiedlich diese Erkrankungen auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie betreffen alle das Gehirn. Die Gesundheitsforschung sucht neue Wege, die Mechanismen dieser Erkrankungen zu verstehen und zu behandeln.

Die neurologische Forschung hat schon vieles ermöglicht: Unter bestimmten Voraussetzungen können blinde Menschen mit Hilfe von Netzhautimplantaten wieder etwas sehen oder taube Menschen mit Hilfe von Innenohr-Implantaten wieder hören. Und schwer beeinträchtigte Parkinson Patienten haben heute die Chance, mit Hilfe der Tiefenhirnstimulation wieder zu gehen.

Das menschliche Gehirn, seine Funktion, Entwicklung und mögliche Erkrankungen zu verstehen, treibt die Biowissenschaften und Medizin weiter an. Neurologische und psychologische Forschung sind deshalb wichtige Elemente des Rahmenprogramms „Gesundheitsforschung“.

Frau sitzt sich zusammenrollen
Von Depression bis Demenz: Psychische und neurologische Leiden können viele Gesichter haben. © Thinkstock / Katarzyna Bialasiewicz

Psychische Erkrankungen – Wenn die Seele leidet

Laut Weltgesundheitsorganisation erkrankt jede dritte Person mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression oder einer anderen psychischen Störung. Das Bundesforschungsministerium unterstützt die Forschung hierzu deshalb auf mehreren Ebenen. Dazu gehört auch das Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen. Hier beteiligen sich insgesamt 30 Forschungseinrichtungen aus Deutschland. Das Netzwerk forscht zu den weit verbreiteten Leiden Depressionen, Angst- und Aufmerksamkeitsstörungen, Sucht, Schizophrenie und Autismus. Das Ziel ist es, wissenschaftlich begründete Konzepte für Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge zu entwickeln.

Eine besonders gefährdete Personengruppe stellen geflüchtete Menschen dar. Viele der Betroffenen waren aufgrund von Bürgerkrieg, Terror und Flucht extremen psychischen Belastungen ausgesetzt. Entsprechend hoch ist der Bedarf an  einer frühen kultursensitiven Diagnostik und Behandlung. Das Bundesforschungsministerium fördert daher in den Forschungsverbünden zur psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen die Entwicklung wissenschaftlich abgesicherter, kultursensitiver Konzepte zur Diagnose, Therapie und Prävention von psychischen Erkrankungen.

Der sexuelle Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen war in der Wissenschaft lange ein Tabuthema. In den Forschungsverbünden zu Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend untersuchen Experten und Expertinnen gemeinsam die biologischen, psychischen und psychosozialen Ursachen und Folgen von Gewalt und Missbrauch. Das Ziel ist es, hierdurch die Entwicklung neuer evidenzbasierter Konzepte zur Erkennung, Therapie und Prävention zu ermöglichen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Transfer der Forschungsergebnisse in die medizinische Praxis.

Neurologische Forschung langfristig sichern

Gerade im Hinblick auf unsere alternde Gesellschaft rücken Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson immer mehr in den Fokus. In Deutschland leiden schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen an diesen Krankheiten. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) widmet sich der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen verstehen, warum Nervenzellen absterben, wie man diesen Prozess aufhalten kann und wie aus diesem Wissen Konzepte zur Prävention, Früherkennung, Behandlung und zur Pflege abgeleitet werden können.

Die Entwicklung neuer und wirksamerer Therapien für neurologische Erkrankungen steht auch im Mittelpunkt der Arbeit an zwei der insgesamt acht sogenannten Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren (IFB). Das „Deutsche Schwindel- und Gleichgewichtszentrum" in München und das „Centrum für Schlaganfallforschung″ in Berlin sind Modellstrukturen. Diese Strukturen unterstützen die enge Zusammenarbeit von Gesundheitsforschung und Patientenversorgung. Durch die Überwindung traditioneller Fachgrenzen kann in einem IFB interdisziplinär auf hohem Niveau gearbeitet werden. Ziel ist es, die Ergebnisse der Forschung schneller in neue und wirksame Therapien zu übertragen.

Forschung zügig anwenden

Zusätzlich findet in den Programmen der Europäischen Union eine internationale Vernetzung der Forschungsaktivitäten rund um das Thema Gehirn statt. Im Mittelpunkt der gemeinsamen Programmplanungsinitiative für Neurodegenerative Erkrankungen (EU Joint Programme - Neurodegenerative Disease Research, JPND) steht beispielsweise die Entwicklung einer länderübergreifenden Strategie zur Bekämpfung eben dieser Erkrankungen. Darüber hinaus werden länderübergreifende Forschungsprojekt, etwa zur Früherkennung von Alzheimer oder zur Versorgung erkrankter Menschen, gefördert.

Zudem wird der europäische Forschungsraum fortlaufend durch europäische Netzwerke (ERA-NETs) ausgebaut. Eines davon – NEURON – widmet sich dem Ziel, die Erforschung von neurologischen Erkrankungen in Europa zu koordinieren und zu fördern. Aber auch die Forschung zu psychischen Erkrankungen steht im Fokus von NEURON. So untersuchen europäische Forschungsgruppen mit deutscher Beteiligung unter anderem die Grundlagen unterschiedlicher psychischer Störungen – von Autismus bis zu Zwangsneurosen – um Diagnose und Behandlung zu verbessern.