Roboter soll blinden Läufern den Weg weisen

Sehbehinderte Läuferinnen und Läufer haben ein Problem: Sie benötigen für ihren Sport immer eine Begleitperson. Doch davon gibt es viel zu Wenige. Blinde sind somit vom Laufen oft ausgeschlossen. Ein autonomer Roboter soll das bald ändern.

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Der autonome Roboter gibt sehbehinderten Läufern den Weg vor, hier ein Bild von einem Test. © Raphael Klein

Wer nach der Arbeit noch eine Runde joggen gehen will, der hat meistens nicht viel mehr als seinen – nun ja - inneren Schweinehund zu überwinden. Erst einmal in Gang gekommen, entspannt es sich in Park oder Wald doch eigentlich ganz hervorragend. Doch es gibt auch Menschen, die zuvor eine ganze andere Barriere überwinden müssen: Blindheit. Denn wer nichts sieht, kann auch nicht joggen gehen.

Bewegung im Lauftempo ist Blinden bislang nur möglich, wenn ein Partner oder eine Partnerin mitläuft und über eine Verbindungsschlaufe die Richtung vorgibt. Doch eine Begleitperson steht natürlich nicht immer zur Verfügung. Was also tun, wenn ein spontanes Training ansteht?

Ein Forscherteam der Firma Locomotec aus Landsberg am Lech arbeitet an einer Lösung, die künftig vielen blinden Menschen das Joggen auch ohne menschliche Hilfe ermöglichen soll. „Roblin“ heißt der futuristische Roboter auf drei Rädern, der vor den Sportlerinnen und Sportlern herfährt und ihnen die Richtung weist. Er bewegt sich autonom via GPS auf einer vorgegebenen Strecke, erkennt Hindernisse und „lotst“ so die Sportler durch den Park. Das BMBF fördert das Programm mit mehr als 400.000 Euro.

Lösung für ein soziales Problem

„Das Fahrzeug kann den Weg auf einen Meter genau bestimmen, allerdings nur, wenn keine Bäume im Weg stehen“, sagt Projektkoordinator Erwin Praßler. Deshalb wird „Roblin“ auch mit speziellen Sensoren ausgerüstet, welche die Fahrbahn oder den Weg erkennen. „Es ist klar, dass die Standortbestimmung bei der Führung von sehbehinderten Menschen ganz entscheidend ist“, sagt Praßler, „deshalb war dieser Teil der Arbeit auch ein Schwerpunkt“.

Praßler verweist darauf, dass es sich um die Lösung eines großen sozialen Problems handelt. „Die Verfügbarkeit von Begleitpersonen ist stark eingeschränkt. Deshalb sind sehbehinderte Personen häufig von sportlicher Aktivität ausgeschlossen“, sagt er, zumal auch Blindenhunde für das Führen im Lauftempo nicht geeignet sind.

Ganz bei null anfangen musste das Team allerdings nicht, denn der fahrende Untersatz ist bereits heute als Trainer für sehende Läuferinnen und Läufer verfügbar. Darin integriert sind verschiedene Funktionen zur Steuerung und Messung von Laufgeschwindigkeit, Herzfrequenz und Intervallen. Es ging in der Entwicklung also vornehmlich um die Erkennung von Hindernissen und den Kontakt zum Läufer.

Und genau der stellte das Team vor eine schwierige Aufgabe. Denn: Die Meinungen der Testläufer gingen stark auseinander. Etwa die Hälfte der Sportlerinnen und Sportler wünschte sich eine klassische Schlaufe, wie sie auch von menschlichen Begleitläufern genutzt wird. Die andere Hälfte sprach sich für andere Lösungen aus.

Paralympics-Teilnehmer testen das System

Es war der letzte Testläufer, der die Forschenden auf die entscheidende Idee brachte: Roblin wird auf Bauchhöhe mit einem wegklappbaren Bügel ausgestattet, der die Läufer gewissermaßen auf Abstand hält. Die können damit so hinter dem Roboter herlaufen, dass sie ihn während des gesamten Laufes mit ihrem Bauch ertasten können und jederzeit wissen, wo sich der Roboter befindet. Bei einem stärkeren Druck auf den Bügel, klappt dieser nach unten Weg und löst damit einen Not-Bremsung aus. 

Gerade in diesem Bereich zahlte es sich aus, dass die Forschenden viel mit Profis arbeiteten. So nahmen an den Testläufen verschiedene Paralympics-Teilnehmer und Ultra-Sportler teil, die über große Erfahrung im geführten Laufen verfügen.

Zusätzlich soll der Roboter per Sprache vor Hindernissen warnen, zum Beispiel vor Radfahrern. Diese solle er durch eine spezielle Bildsoftware erkennen. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird „Roblin“ so immer besser und zuverlässiger – er lernt die Strecken und Hindernisse mit jedem Lauf besser kennen.

Einzig: Für den Straßenverkehr wird das System wohl nicht so schnell zugelassen werden, vorerst müssen sich die Sportlerinnen und Sportler also mit Wald und Wiesen begnügen. Für die Entspannung nach der Arbeit oder den Ausdauerlauf am Sonntag ist das aber wohl ohnehin das schönere Terrain.