Spitzenforschende kommen zurück nach Deutschland

Erfolg im Wettbewerb um die besten Köpfe und Ideen: Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat neun Spitzenforschenden die Alexander von Humboldt-Professuren verliehen. Damit bleibt Deutschland auf dem "Transfermarkt" der Forschenden attraktiv.

Sie „verwandeln“ lebende Zellen in Laser, erforschen Gewalt und Konflikte oder stärken Immunzellen im Kampf gegen Krebs: Neun Spitzenforschenden aus dem Ausland wurden von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Hans-Christian Pape, Präsident der Humboldt-Stiftung, die Alexander von Humboldt-Professuren verliehen. Neben der herausragenden wissenschaftlichen Qualifikation der Preisträgerinnen und Preisträger waren die Konzepte der Hochschulen für die Auswahl entscheidend: Sie sollen den Forschenden und ihren Teams eine dauerhafte Perspektive in Deutschland bieten. Die Auszeichnung ist mit je fünf Millionen Euro für experimentell und je dreieinhalb Millionen Euro für theoretisch arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dotiert. Sie wird vom Bundesforschungsministerium finanziert.

Die Alexander von Humboldt-Professur ist ein modernes Instrument im globalen Standortwettbewerb um die besten Köpfe und Ideen. Sie gibt deutschen Universitäten die nötigen Mittel, um auf dem internationalen Forschertransfermarkt erfolgreich mitzubieten.

Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede.
Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

"Liebe Preisträgerinnen und Preisträger, die Alexander von Humboldt Professur bietet Ihnen maximale Freiheit für Ihre Forschung bei einer exzellenten finanziellen Ausstattung. Nutzen Sie diese große Chance im humboldtschen Sinne. Dann ist sie nicht nur für Sie persönlich und auch nicht nur für die Wissenschaft in Deutschland eine große Bereicherung. Dann wird sie für die ganze Gesellschaft zu einem großen Gewinn", sagt Bundesministerin Karliczek bei der Verleihung.

Das sind die Preisträgerinnen und Preisträger

Malte Gather (Nanobiophotonik)

Malte Gather forscht an der Schnittstelle von Biologie, Medizin und Physik. Er schaffte es mit seinem Team, Laser zu miniaturisieren und in lebende Zellen zu integrieren. Aktuell arbeitet er an biokompatiblen Anwendungen der von Smartphone-Displays bekannten OLED-Technik, die das Potenzial zur Heilung visueller Neuroerkrankungen haben. An der Universität Köln soll Malte Gather das neu gegründete Forschungszentrum für NanoBioPhotonics leiten und Arbeiten in den Material- und Lebenswissenschaften zusammenführen.

Anke Hoeffler (Politische Ökonomie)

Anke Hoeffler erforscht das Phänomen Gewalt. Mit der Frage, ob Kriege hauptsächlich durch gesellschaftliche Missstände ausgelöst werden oder vor allem ökonomische Ursachen haben, hat sie das Thema „Kollektive Gewalt“ in den Fokus der Entwicklungsforschung gerückt. An der Universität Konstanz nimmt sie nun auch die „Interpersonelle Gewalt“ in den Blick, also zum Beispiel die Gewalt in Familien. Es soll ein neues Zentrum für Konfliktforschung und Entwicklungspolitik entstehen, in dem Anke Hoeffler die Forschung zu diesen Themen weiter stärken wird.

Jens Meiler (Bioinformatik)

Jens Meiler entwickelt Computerprogramme, die wahrscheinliche Modelle für die Struktur bestimmter Proteine berechnen können. Solche bis in die kleinste räumliche Molekülstruktur exakte Modelle werden für die Entwicklung von maßgeschneiderten Medikamenten benötigt. Jens Meiler forscht mit einem Team, in dem Molekularbiologen eng mit IT-Spezialisten, Chemikern und Physikern zusammenarbeiten. In Leipzig soll nun mit zusätzlicher experimenteller Expertise ein neues Zentrum zur strukturbasierten Entwicklung von Medikamenten entstehen.

Alexandre Obertelli (Experimentelle Kernphysik)

Wie sind die chemischen Elemente, die Bausteine unserer Welt, entstanden? Alexandre Obertelli untersucht zur Beantwortung solcher grundlegenden Fragen radioaktive Kerne, die aufgrund ihres Neutronenüberschusses oder -mangels instabil sind. In Darmstadt entsteht derzeit das internationale Beschleunigerzentrum FAIR. Dort wird Materie im Labor erzeugt und erforscht werden, wie sie sonst nur im Universum vorkommt – ideale Bedingungen für Alexandre Obertelli, um an der TU Darmstadt den Bereich der Physik der Seltenen Isotope zu einem weltweit herausragenden Forschungsstandort auszubauen.

Stefanie Petermichl (Mathematik)

Stefanie Petermichl ist eine der führenden Mathematikerinnen auf dem Gebiet der harmonischen Analysis. Diese kann beispielsweise helfen, medizinische Bildgebungsverfahren zu verbessern oder Signale einfacher zu verarbeiten. Mit außergewöhnlichen Ideen und dem Kombinieren verschiedener mathematischer Teildisziplinen hat Stefanie Petermichl in den letzten Jahren das Forschungsfeld geprägt und neue Standardwerkzeuge geschaffen. An der Universität Würzburg wird sie ein neues interdisziplinäres Forschungszentrum aufbauen.

Dietmar Schmucker (Molekulare Neurowissenschaft)

Im menschlichen Gehirn sind Milliarden Nervenzellen in komplexen Netzwerken miteinander verbunden. Fehlfunktionen in ihrer Verschaltung sind häufig Ursachen für neurologische Erkrankungen. Dietmar Schmucker hat Methoden und Techniken entwickelt, die uns helfen zu verstehen, welche molekularen Mechanismen der Verschaltung des Nervensystems zugrunde liegen. Seine Grundlagenforschung hat damit auch eine große medizinische Relevanz. In Bonn soll Dietmar Schmucker nun ein grundlagenorientiertes neurowissenschaftliches Zentrum mit aufbauen.

Henning Walczak (Biochemie/Immunologie)

Gemeinsam mit seinem Team erforscht Henning Walczak, wie sich der programmierte Zelltod so nutzen lässt, dass das Immunsystem Krebszellen zuverlässig ausschaltet. Sein Ziel ist, durch die Beeinflussung von Botenstoffen den Tod der Immunzellen zu verhindern, welche die Tumorzellen bekämpfen. In Köln soll Henning Walczak die vorklinische und die klinische Forschung stärker zusammenführen und die interdisziplinäre Forschung im Bereich des Stoffwechsels ausbauen.

Enrique Zuazua (Angewandte Mathematik)

Als angewandter Mathematiker versteht Enrique Zuazua die Mathematik als Werkzeug mit nahezu unendlichen Anwendungen, als Weltsprache. Kontrolltheorie und numerische Analysis sind seine Spezialdisziplinen. Ganz praktisch geht es ihm darum, die Realität berechenbar und steuerbar zu machen. Dabei ist die Herausforderung, Algorithmen zu finden, die nicht unendlich, aber ausreichend präzise sind – und damit schnell und verlässlich berechenbar. An der Universität Erlangen-Nürnberg wird er nun innovative und interdisziplinäre Forschungsprojekte vorantreiben.

Margaret Crofoot (Biologie/Bewegungsökologie) / Auszeichnung wird nachgeholt

Margaret Crofoot forscht zum Sozialverhalten von Primaten: Wie bewegen sich Tiere in Gruppen, wie verteidigen sie ihr Territorium und wie treffen sie Entscheidungen? Crofoot gehört zu den Pionierinnen des jungen Forschungsfelds der Bewegungsökologie, das solchen Fragen nachgeht. Die Beobachtung der mit GPS-Sendern ausgestatteten Tiere zeigt, wie komplex die Entscheidungsfindung in diesen Gruppen ist. An der Universität Konstanz soll Margaret Crofoot helfen, den Forschungsschwerpunkt Collective Behaviour auszubauen.

Die Auszeichnung von Margaret Crofoot wird nachgeholt.