Sprechendes Papier auf der Frankfurter Buchmesse

Singende Bücher und sprechende Beipackzettel: Daran arbeiten Forscher der TU Chemnitz mit finanzieller Unterstützung des Bundesforschungsministeriums. Ihre in Papier integrierten Lautsprecher zeigen die Wissenschaftler auf der Frankfurter Buchmesse.

Die Chemnitzer Forscher integrieren Lautsprecher in Papier – bald soll eine industrielle Herstellung des "T-Papers" möglich sein. © TU Chemnitz / Uwe Meinhold

Geht es nach einer Gruppe Chemnitzer Forscherinnen und Forscher, dann können Beipackzettel bald sprechen, Bücher sich selbst vorlesen und Fotoalben die Erinnerungen an den letzten Strandurlaub mit Meeresrauschen wieder wachrufen. Die Wissenschaftler des Instituts für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz erforschen seit einigen Jahren Lautsprecher aus Papier. Auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt stellen sie die zweite Generation dieser Erfindung vor. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Projektteam bei der Weiterentwicklung des Herstellungsverfahrens und stellt so die Weichen für eine spätere Verwertung in Form innovativer Anwendungen.

Eine neue Dimension des Buches

„T-Book“ nennen die Chemnitzer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr Buch, das sich selbst vorlesen oder Musik abspielen kann. Den ersten Prototypen, einen Bildband, der beim Umblättern die Bilder durch Geräusche und Sprache ergänzt, stellten sie bereits im Jahr 2015 bei den World Press Photo Awards vor. Damals löste das innovative Verfahren eine kleine Sensation aus – die Veranstalter des Awards sprachen von einer „neuen Dimension des Buches“.

„Wir bedrucken normales Papier beidseitig mit organischen Polymeren, die eine hohe Leitfähigkeit aufweisen“, sagt Projektleiter Georg Schmidt. „Mithilfe einer weiteren Schicht darüber wird eine Spannung aufgebaut, die das Papier zum Schwingen bringt und so den Sound erzeugt. Das Ganze kann dann noch mit einer weiteren Schicht abgerundet werden, auf der Fotos oder Graphiken aufgebracht werden“, so der Chemnitzer Forscher.

Das "T-Book 2" unterscheidet sich kaum noch von einem normalen Buch

Auf der Frankfurter Buchmesse zeigen die Wissenschaftler das "T-Book 2". © pmTUC / Georg Schmidt

Der Prototyp von 2015 war jedoch noch eine fast daumendicke, schwere, unhandliche und kostspielige Einzelanfertigung. Seither hat sich viel getan: Das weiterentwickelte „T-Book 2“, das die Wissenschaftler auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vorstellen, unterscheidet sich kaum noch von einem normalen Buch. Dennoch sind die Forscher noch nicht am Ziel: In den kommenden drei Jahren wollen sie ihre Technik so weiterentwickeln, dass die Fertigung der Papier-Lautsprecher am laufenden Band erfolgen kann – also direkt von der Rolle. So könnten sie die Produktivität steigern und die Herstellungskosten senken. „Wir wollen das Verfahren soweit verfeinern, dass eine industrielle Herstellung möglich ist“, sagt Schmidt.

Anwendungspotenziale gehen weit über singende Bücher hinaus

Erste Unternehmen aus der Industrie haben bereits Interesse an der Technik bekundet. Denn die Anwendungspotenziale des T-Papers gehen weit über sprechende Verpackungen oder singende Bücher hinaus. „Wir sehen Möglichkeiten, die Lautsprecher sensorisch zu verwenden – beispielsweise im Automobil“, sagt Georg Schmidt. Denn das mit Elektronik bedruckte Papier hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber herkömmlicher Sensorik: Es ist sehr dünn, biegsam, federleicht und damit leicht zu integrieren. Sensoren im Auto könnten so zukünftig auch problemlos auf gekrümmten Oberflächen angebracht werden.

VIP+

Das Bundesforschungsministerium unterstützt die Chemnitzer Forscherinnen und Forscher im Rahmen der Fördermaßnahme „Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung“ – VIP+“ mit knapp 1,4 Millionen Euro. Ziel der Fördermaßnahme ist es, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung hinsichtlich einer möglichen praktischen Anwendung zu validieren und dadurch die spätere Verwertung vorzubereiten. So schafft VIP+ die Voraussetzungen für die beschleunigte Weiterentwicklung von Forschungsergebnissen zu innovativen Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen.