Urintest erkennt Brustkrebs

Eine Urinprobe reicht aus – und nach kurzer Zeit liegt die Diagnose ganz ohne Gewebeentnahme vor: Forschende planen im Validierungsvorhaben MAMMACHECK den Transfer eines innovativen Brustkrebstests in die breite Anwendung.

Urinprobe
Die Möglichkeit, Brustkrebs anhand einer nicht-invasiven, Urin-basierten Diagnostik erkennen zu können, kann einen revolutionären Fortschritt der klinischen Praxis darstellen. © Adobe Stock / terovesalainen

Brustkrebs ist mit 69.200 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Ebenso ist er mit 17.000 Todesfällen jährlich die häufigste Todesursache unter den Krebserkrankungen. Im Laufe ihres Lebens erkrankt jede achte Frau an Brustkrebs, wobei auch eine große Anzahl jüngerer Frauen (unter 55 Jahre) betroffen ist. Besonders tückisch: Brustkrebs verursacht in frühen Stadien weder Beschwerden noch Schmerzen, wodurch der Krebs häufig zu spät erkannt wird. Doch für den Behandlungserfolg ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend: Dadurch erhöht sich nicht nur die Aussicht auf Heilung. Ärzte und Ärztinnen können auch eine schonendere Therapie wählen. Ein neuer Test, soll im VIP+ Vorhaben MAMMACHECK validiert werden und könnte zukünftig zur Früherkennung beitragen. Gefördert wird das Projekt vom Bundesforschungsministerium.

Bislang ist die Mammographie der „Goldstandard“ für die Brustkrebserkennung. Ein solches Screening bieten die gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre ab dem 50. Lebensjahr an. Mit dieser Methode lassen sich Knoten von noch nicht tastbarer Größe erkennen. Allerdings stößt auch sie vor allem bei dem dichten Brustdrüsengewebe an ihre Grenzen. Nachteilig sind zudem die Strahlenbelastung und die Tatsache, dass die Untersuchung von vielen Frauen als schmerzhaft empfunden wird.  Der neue Test kommt ganz ohne solche Verfahren aus. Er setzt auf sogenannte nicht-invasive Biomarker, wie bspw. MicroRNAs. Diese haben als Werkzeug neuartiger klinischer Diagnosemöglichkeiten bei der Brustkrebs-Detektion ein hohes Potential. In Vorarbeiten zum Vorhaben MAMMACHECK ist es gelungen eine Kombination von MicroRNAs zu identifizieren, die mit hoher Sensitivität und Spezifität auf Brustkrebs hinweisen, und dies bereits in einem frühen Stadium. Über charakteristische Änderungen und Merkmale dieser MicroRNAs im Urin lässt sich Brustkrebs altersunabhängig und mit höchster Aussagekraft diagnostizieren.

Das Ziel des Vorhabens MAMMACHECK besteht in der Überführung des MicroRNA-basierten Tests aus der klinischen Forschung der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg in ein praxistaugliches Produkt für den Verkauf. Ein Teil der geplanten Arbeiten besteht in der Validierung an einer größeren Zahl an Patientinnen in einer Studie sowie der Automatisierung des diagnostischen Verfahrens. Diese Arbeiten werden in Kooperation mit dem Institut für Mikrosystemtechnik am Lehrstuhl für Anwendungsentwicklung an der Universität Freiburg durchgeführt. Für den besseren Markteintritt einer an das Projekt anschließenden Verwertung sind zudem Arbeiten zur Standardisierung, Qualitätssicherung und Zertifizierung vorgesehen.

Die Möglichkeit, die häufigste Krebserkrankung der Frau anhand einer nicht-invasiven, Urin-basierten Diagnostik unter Auswertung von MicroRNA-Profilen mit hoher Sensitivität und Spezifität erkennen zu können, kann nach erfolgreicher Validierung einen revolutionären Fortschritt in der klinischen Praxis darstellen. Die Urin-basierte Diagnostik kann, weil nicht-invasiv und schmerzfrei, zu einer Verbesserung der Akzeptanz seitens der Patientinnen und der klinischen Anwender führen und soll in etwa 3 - 5 Jahren im klinischen Routinebetrieb und den gynäkologischen Praxen zum Einsatz kommen.