Vom Abgas zum Rohstoff

Hüttengase lassen sich wiederverwerten: Das konnten Forschende im Projekt Carbon2Chem zeigen. Ein gutes Recycling-Produkt setzt jedoch ein optimales Gasgemisch voraus. Wie sich das gewinnen lässt, testen die Projektpartner jetzt in einem neuen Labor.

Im Projekt Carbon2Chem arbeiten Forschende daran, Hüttengase zu recyceln.

© BMBF

Eine nahezu CO2-freie Stahlproduktion: Kann das gelingen? Dieser Frage widmen sich seit 2016 Partner aus Industrie und Wissenschaft im Projekt Carbon2Chem, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Und Schritt für Schritt nähern sie sich ihrer Vision: Seit September 2018 läuft dazu am  thyssenkrupp-Stahlwerk Duisburg der weltweit erste Praxistest. Hier steht eine in das Stahlwerk integrierte Demonstrationsanlage. Im sogenannten „Technikum“ wird unter Industriebedingungen erforscht, wie Hüttengase und das darin enthaltene CO2 recycelt werden können. Das heißt, aus dem Klimagas werden wirtschaftlich verwertbare Vorprodukte für Kraftstoffe, Kunststoffe oder Düngemittel.

Damit das Verfahren funktioniert, müssen die Hüttengase vor der Weiterverarbeitung gereinigt werden. Denn was beim Backen oder Kochen gilt, ist bei der sogenannten Katalyse nicht anders: Die Qualität der Zutaten ist entscheidend: Verunreinigungen können Prozesse behindern oder Anlagen schädigen. Um die optimale Gaszusammensetzung sowie Verfahren zur Gasreinigung entwickeln und testen zu können, haben die Projektpartner am Standort von Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen ein eigenes Labor eingerichtet. Die Forschungsergebnisse bilden die wissenschaftliche Basis für die Arbeiten mit den Hüttengasen im Duisburger Technikum.

Dort wird bisher nur einen kleinen Teil der Abgase des Stahlwerks verarbeitet. Ziel der Projektpartner ist jedoch die Anwendung im Industriemaßstab. Das heißt: Sie wollen nahezu die gesamten Abgase eines Stahlkraftwerks recyceln. Weltweit gibt es etwa 50 Stahlwerke, die dann von Carbon2Chem profitieren könnten. Denkbar ist auch, dass sich die Technik auf andere CO2-intensive Branchen übertragen lässt. Carbon2Chem könnte so einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, das bei der UN-Klimakonferenz 2015 formulierte Ziel der Treibhausgasneutralität in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu erreichen.

Carbon2Chem

Carbon2Chem ist ein von thyssenkrupp zusammen mit Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft koordiniertes Großprojekt mit 15 weiteren Partnern aus Forschung und Industrie. Das Bundesforschungsministerium fördert das Verbundprojekt von 2016 bis 2020 mit 60 Millionen Euro.