Coronavirus: Das ist der Stand bei der Impfstoff-Entwicklung

Weltweit forschen Menschen an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das neue Coronavirus. Auch Deutschland und das BMBF sind beteiligt. Erste klinische Tests laufen bereits. Doch es ist Geduld gefragt: Ein Impfstoff muss wirksam und sicher sein.

Die Corona-Epidemie stellt die Menschen in Deutschland und weltweit vor eine so nie dagewesene Herausforderung. Trotzdem ist das BMBF überzeugt, dass diese Herausforderung gemeistert werden kann. Die Gesellschaft kann auf die Forschung setzen – weltweit und in Deutschland. Forscherinnen und Forscher arbeiten unter Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das neuartige Coronavirus. Das ist das beste Mittel, um das Virus zurückzudrängen. Nur mit einem Impfstoff kann die Welt wieder dauerhaft zu einer Form der Normalität zurückkehren.

Welche Impfstoffarten gibt es?

Nach Angaben der WHO sollen weltweit 190 Impfstoffentwicklungen gegen das Corona-Virus angelaufen sein. 42 Impfstoffkandidaten befinden sich derzeit in klinischen Studien (Phase 1-3), 151 werden in präklinischen Studien erprobt (Mehr dazu: WHO – DRAFT landscape of COVID-19 candidates vaccines. Stand: 02. Oktober 2020).

Auf dieser Liste der Institute und Unternehmen finden sich auch die deutschen Firmen BioNTech und CureVac sowie das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung gemeinsam mit der Firma IDT. BioNTech und CureVac haben bereits mit klinischen Prüfungen im Menschen begonnen. Das sind längere Testphasen, die sich über drei Stufen erstrecken (BioNTech: Phase 3 / CureVac Phase 1 & 2 kombiniert). Wie sich diese Testphasen entwickeln, kann sehr schwer vorhergesehen werden. Mit Prognosen muss man daher sehr vorsichtig sein.

BioNTech SE

Die BioNTech SE ist ein Biotechnologie-Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von aktiven Immuntherapien für einen patientenspezifischen Ansatz zur Behandlung von Krebs und anderen schweren Krankheiten fokussiert. BioNTech und Pfizer testen ihren mRNA-basierten Hauptimpfstoffkandidaten gegen COVID-19 BNT162b2 aktuell in einer globalen Phase-3-Zulassungsstudie. Bislang hat die Studie 37.000 von 44.000 anvisierten Teilnehmern aufgenommen. Anfang September hat das Paul-Ehrlich-Institut die Durchführung eines Teils der klinischen Phase-3-Studie auch in Deutschland genehmigt. Die Unternehmen haben für BNT162b2 den Fast-Track-Status der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA erhalten und Anfang Oktober bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA den sogenannten „Rolling-Review“-Einreichungsprozess zur fortlaufenden Überprüfung eingeleitet. Vorläufige Daten der Phase-1/2-Studie zeigten, dass der Impfstoffkandidat gut verträglich war und in allen Altersgruppen leichte bis moderate Nebenwirkungen aufwies. Um bei einer Marktzulassung eine weltweite Versorgung mit einem potentiellen Impfstoff zu unterstützen, baut BioNTech seine Produktionskapazitäten aus. Mitte September hat BioNTech mit Novartis eine Vereinbarung zur Übernahme einer GMP-zertifizierten Produktionsanlage in Marburg bekanntgegeben. Bei vollem Betriebsumfang wird die Anlage eine Produktionskapazität von bis zu 750 Millionen Dosen pro Jahr haben.

CureVac AG

CureVac ist ein globales biopharmazeutisches Unternehmen auf dem Gebiet der mRNA-Technologie (Boten-RNA, von engl. messenger RNA). Mit seiner Expertise arbeitet CureVac daran, dieses vielseitige Molekül für den medizinischen Einsatz zu entwickeln und zu optimieren. Das Prinzip der proprietären CureVac-Technologie basiert auf der Nutzung von mRNA als Informationsträger, um den menschlichen Körper zur Produktion der entsprechend kodierten Proteine anzuleiten, mit welchen eine Vielzahl von Erkrankungen bekämpft werden können. Das Unternehmen setzt seine Technologien zur Entwicklung von prophylaktischen Impfstoffen, Krebstherapien, Antikörpertherapien und zur Behandlung mit Proteintherapien ein. CureVacs COVID-19-Impfstoffkandidat befindet sich derzeit in der klinischen Phase 1. Ende September 2020 hat das Unternehmen zudem eine klinische Phase 2a in Peru und Panama gestartet. CureVac hat seinen Hauptsitz in Tübingen und verfügt über weitere Standorte in Frankfurt und Boston, USA.

IDT Biologika GmbH

Die IDT Biologika GmbH ist ein in Europa und durch die US FDA (Food and Drug Administration) zugelassener Arzneimittelhersteller. Sie ist auch Auftragshersteller, der biopharmazeutischen Unternehmen die Unterstützung bei der Produktentwicklung, der Herstellung von klinischen Prüfmustern und der kommerziellen Herstellung ihrer Produkte anbietet. Die IDT Biologika entwickelt einen Vektor-Impfstoff zur Immunisierung von Erwachsenen und älteren Risikogruppen gegen COVID-19. Die klinische Entwicklung wird durch die Schaffung einer breiten Basis für multizentrische klinische Tests und immunologische Überwachung von Probanden erreicht. Hierbei werden Probanden mit dem innovativen MVA-SARS-2-S-Impfstoff in Deutschland, an jeweils einem Standort in Afrika und in Asien und gegebenenfalls weiteren Standorten weltweit immunisiert. Die IDT Biologika kooperiert hierbei mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung DZIF (hier insbesondere die Standorte Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Universitätsklinikum an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Universitätsklinikum Tübingen). Die Impfstofftechnologie wurde an der LMU entwickelt. Mit derselben Technologie entwickeln DZIF und IDT Biologika bereits einen Impfstoff gegen das MERS-Coronavirus. Ende September erteilte das Paul-Ehrlich-Institut die Genehmigung zur Durchführung der ersten klinischen Phase. 

Internationale Impfstoffallianz CEPI treibt Forschung voran

Das Gute ist, dass die Forschenden im Fall von Corona nicht bei null anfangen. Andere Corona-Viren wie MERS und SARS kennen sie bereits. Darum gab es auch relativ rasch einen diagnostischen Test. Das ist von unschätzbarem Wert.

SARS-CoV-2 (COVID-19)
Das neue SARS-Coronavirus-2 unter dem Elektronenmikroskop (Maßstab: 100 nm). © Robert Koch-Institut

Die Impfstoffforschung wird insbesondere auch durch die internationale Impfstoffallianz CEPI vorangetrieben. Die Welt hat also aus der Ebola-Epidemie gelernt. Deutschland hat seinen Beitrag in diesem Jahre kürzlich um 140 Millionen Euro erhöht und beabsichtigt im kommenden Jahr weitere 90 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Das Bundesforschungsministerium hat über diese Aktivitäten informiert. CureVac gehört zu den weltweit neun Instituten, die von CEPI nach aktuellem Stand beauftragt sind.

BMBF stärkt nationale Impfstoffforschung

Die internationalen Maßnahmen werden durch das nationale Engagement des Bundesforschungsministeriums in der Impfstoffforschung ergänzt. Für die Stärkung und Beschleunigung der Entwicklung von Impfstoffen hat das BMBF ein Sonderprogramm mit einem Volumen von bis zu 750 Millionen Euro gestartet. Ziel ist es, klinische Prüfungen zu fördern, Studienkapazitäten auszubauen und die Produktionskapazitäten für die zu prüfenden Impfstoffkandidaten zu erhöhen. Dadurch soll es auch ermöglicht werden, besondere Zielgruppen in Deutschland (z. B. Gesundheitspersonal oder verschiedene Altersgruppen) in größerem Umfang in die klinischen Prüfungen einzuschließen. So soll gewährleistet werden, dass in Deutschland schon frühzeitig viele Personen im Rahmen der klinischen Studien geimpft werden. Zudem soll die Produktion in Deutschland und weltweit rasch und in großem Umfang gestartet werden können, sobald ein Impfstoff gefunden wurde.

Die Rahmenbedingungen für die Entwicklung eines Impfstoffs sind also sehr gut. Und dennoch kann heute niemand genau vorhersagen, wann ein Impfstoff für breite Bevölkerungsschichten zur Verfügung steht. Wir brauchen also leider Geduld. Aber wir können die Hoffnung haben, dass ein Impfstoff gefunden wird.

Ein Impfstoff muss wirksam sein – also tatsächlich vor der Krankheit schützen. Und er muss sicher sein – das bedeutet, er darf keine Gesundheitsschäden verursachen. Darum muss ein Impfstoff ausreichend getestet werden. Dabei ist klar: Je schneller der Impfstoff der gesamten Bevölkerung zur Verfügung steht, desto besser.