Wissenswertes zum Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“

Die Coronakrise soll nicht zu einer Krise für die berufliche Zukunft junger Menschen werden. Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ unterstützt das BMBF daher ausbildende Betriebe. Was Sie dazu wissen müssen, lesen Sie in unseren FAQ.

Klempnerin
Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ unterstützt das BMBF Ausbildungsbetriebe und ausbildende Einrichtungen in den Gesundheits- und Sozialberufen, die in der aktuellen Situation wirtschaftliche Schwierigkeiten haben. © gettyimages/sturti

Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ unterstützt das Bundesbildungsministerium Ausbildungsbetriebe in allen Bereichen der Wirtschaft und ausbildende Einrichtungen in den Gesundheits- und Sozialberufen, die in der aktuellen Situation wirtschaftliche Schwierigkeiten haben, und hilft, dass Auszubildende auch bei pandemiebedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihres Ausbildungsbetriebs ihre Ausbildung fortsetzen und erfolgreich abschließen können.

Ausbildungsbetriebe und ausbildende Einrichtungen können seit Anfang August 2020 Ausbildungsprämien bei Erhalt oder Erhöhung ihres Ausbildungsniveaus, Förderung von Ausbildungsvergütung bei Vermeidung von Kurzarbeit und Übernahmeprämien bei Übernahme von Auszubildenden aus pandemiebedingt insolventen Betrieben beantragen. Die Förderbekanntmachung des Bundesarbeitsministeriums und des Bundesbildungsministeriums wurde am 31. Juli 2020 veröffentlicht und am 10. Dezember 2020 aktualisiert. Das Bundeskabinett hat am 17. März 2021 eine weitere Ausweitung und Weiterentwicklung der Förderungen beschlossen. Die angepasste Erste Förderrichtlinie wurde am 26. März 2021 veröffentlicht.

Seit Anfang November 2020 können kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) oder Ausbildungsdienstleister, wie beispielsweise überbetriebliche Berufsbildungsstätten, eine Prämie für Auftrags- oder Verbundausbildungen beantragen. Dies ist der Fall, wenn sie Auszubildende vorübergehend ausbilden, die ihre Ausbildung nicht im eigenen Betrieb beginnen oder weiterführen können, weil dieser vollständig oder zu wesentlichen Teilen aufgrund der Corona-Pandemie von Schließungen oder erheblichen Einschränkungen betroffen ist. Die Förderbekanntmachung des Bundesbildungsministeriums wurde am 30. Oktober 2020 veröffentlicht. Das Bundeskabinett hat am 17. März 2021 eine weitere Ausweitung und Weiterentwicklung der Förderungen beschlossen. Die neugefasste Zweite Förderrichtlinie wurde am 30. April 2021 veröffentlicht.

Diese beiden Förderbekanntmachungen setzen die Eckpunkte des Bundesprogramms um, die am 24. Juni 2020 vom Bundeskabinett beschlossen wurden. Das Bundesprogramm geht auf Ziffer 30 des Beschlusses des Koalitionsausschusses „Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken“ vom 3. Juni 2020 zurück.

Fragen und Antworten

Was soll erreicht werden?

Die COVID 19-Pandemie soll nicht zu einer Krise für die berufliche Zukunft junger Menschen und für die Fachkräftesicherung werden. Deshalb sollen möglichst alle jungen Menschen eine Ausbildung beginnen und erfolgreich abschließen können.

Die Regierungsparteien haben daher in ihrem Beschluss vom 3. Juni 2020 „Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken“ fünf Maßnahmen für die Sicherung von Ausbildungsplätzen formuliert. Auf dieser Basis haben sich die Bundesbildungsministerin, der Bundesarbeitsminister und der Bundeswirtschaftsminister auf gemeinsame Eckpunkte für das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ verständigt. Das Bundeskabinett hat die Eckpunkte am 24. Juni 2020 verabschiedet.

Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ will die Bundesregierung Ausbildungsbetriebe in allen Bereichen der Wirtschaft und ausbildende Einrichtungen in den Gesundheits- und Sozialberufen in der aktuell wirtschaftlich schwierigen Situation unterstützen und sie dazu motivieren, ihr Ausbildungsplatzangebot aufrecht zu erhalten und jungen Menschen die Fortführung und den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung zu ermöglichen.

Im Einzelnen sollen dazu Ausbildungskapazitäten erhalten und ausgebaut, Kurzarbeit für Auszubildende vermieden, die Auftrags- und Verbundausbildung sowie Prüfungsvorbereitungslehrgänge gefördert und Anreize zur Übernahme im Falle einer Insolvenz oder einer pandemiebedingten Kündigung geschaffen werden.

Welche Maßnahmen umfasst das Bundesprogramm?

  1. Ausbildungsprämie (Ausbildungsangebot fortführen): Ausbildende KMU, die ihre Ausbildungsleistung trotz Pandemiebelastung im Vergleich zu den drei Vorjahren aufrechterhalten, werden mit einer Ausbildungsprämie gefördert. Sie erhalten für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag einmalig 2.000 Euro (nach Abschluss der Probezeit). Für das kommende Ausbildungsjahr steigt die Prämie auf 4.000 Euro.
  2. Ausbildungsprämie plus (Ausbildungsangebot erhöhen): Ausbildende KMU, die ihre Ausbildungsleistung trotz Pandemiebelastung im Vergleich zu den drei Vorjahren erhöhen, erhalten für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 zusätzlich abgeschlossenen Ausbildungsvertrag einmalig 3.000 Euro (nach Abschluss der Probezeit). Für das kommende Ausbildungsjahr steigt die Prämie auf 6.000 Euro.
  3. Vermeidung von Kurzarbeit: KMU, die trotz erheblichen Arbeitsausfalls (mindestens 50 Prozent) ihre Ausbildungsaktivitäten fortsetzen, werden mit 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung für jeden Monat gefördert, in dem dies der Fall ist. Zusätzlich wird auch die Ausbildervergütung bezuschusst. 
  4. Auftrags- und Verbundausbildung: Wenn KMU die Ausbildung pandemiebedingt temporär nicht fortsetzen können, können andere KMU, Überbetriebliche Berufsbildungsstätten oder andere etablierte Ausbildungsdienstleister befristet die Ausbildung übernehmen und der Stammausbildungsbetrieb oder der Interimsausbilder dafür eine Förderung von 450 EUR pro Woche je Auszubildender bzw. Auszubildendem erhalten. Dies gilt, wenn der Geschäftsbetrieb des ursprünglich ausbildenden KMU vollständig oder zu wesentlichen Teilen pandemiebedingt von Schließungen oder erheblichen Auflagen betroffen ist, die eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs maßgeblich behindern. Die Mindestdauer der geförderten Auftrags- oder Verbundausbildung beträgt vier Wochen, maximal können 18 Wochen gefördert werden (das entspricht einer maximalen Förderhöhe von 8.100 EUR).
  5. Übernahmeprämie: Betriebe, die Auszubildende aus pandemiebedingt insolventen Unternehmen jeder Größe bis zum Abschluss ihrer Ausbildung übernehmen, können je Auszubildender bzw. Auszubildendem eine Prämie von 6.000 Euro erhalten - unabhängig von ihrer Betriebsgröße. Die Prämie wird auch dann gezahlt, wenn Auszubildende übernommen werden, deren Ausbildungsvertrag pandemiebedingt gekündigt oder aufgelöst wurde.
  6. Lockdown II-Sonderzuschuss“:  Ausbildende Kleinstunternehmen können einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 1.000 EUR für jede(n) Auszubildende(n) erhalten, wenn das Unternehmen pandemiebedingt seit November 2020 seine Geschäftstätigkeit völlig oder weitgehend einstellen musste.
  7. Förderung von Prüfungsvorbereitungen: Ein besonders von der Pandemie betroffener Ausbildungsbetrieb mit bis zu 499 Mitarbeitenden kann einen Zuschuss zu den Kosten erhalten, die ihm dadurch entstehen, dass er seinen Auszubildenden Prüfungsvorbereitungslehrgänge zur Verfügung stellt. Der Zuschuss beträgt 50 % der entstandenen Kosten, maximal 500 EUR.

Wo stehen wir?

Das Bundeskabinett hat am 17. März 2021 beschlossen, das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ auf das Ausbildungsjahr 2021/22 auszuweiten und die Fördermöglichkeiten weiterzuentwickeln.

Zur Umsetzung wurde am 26. März 2021 die Zweite Änderung der Ersten Förderrichtlinie veröffentlicht. Sie umfasst die Förderungen „Ausbildungsprämie“, „Ausbildungsprämie plus“, „Vermeidung von Kurzarbeit“, „Übernahmeprämie“ und „Lockdown-II-Sonderzuschuss“.

Am 30. April 2021 wurde auch die neugefasste Zweite Förderrichtlinie veröffentlicht. Sie umfasst Verbesserungen bei der Förderung der Auftrags- und Verbundausbildung sowie die Förderung von Prüfungsvorbereitungen.

Wie und wo können welche Förderungen beantragt werden?

Ausbildungsprämien, Förderung von Ausbildungsvergütung und Ausbildervergütung zur Vermeidung von Kurzarbeit, Übernahmeprämie sowie der „Lockdown II-Sonderzuschuss“ können bei der zuständigen Bundesagentur für Arbeit beantragt werden. Interessenten können die Förderung unkompliziert bei den Agenturen für Arbeit beantragen. Alle Informationen zur Antragstellung und Antworten auf Fragen wie „Wer kann Prämien beantragen?“, „Welche Voraussetzungen bestehen?“, „Welche Beträge werden ausgezahlt?“ oder „An welche Agentur für Arbeit muss ich mich wenden?“ finden Sie hier.

Förderung von pandemiebedingter temporärer Auftrags- und Verbundausbildung sowie der Zuschuss für Prüfungsvorbereitungslehrgänge können bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See beantragt werden. Alle Informationen und Antworten auf Fragen wie „Wer kann eine Förderung erhalten?“, „Welche Vereinbarung muss wann geschlossen worden sein?“ oder „Welche Unterlagen sind einzureichen?“ finden Sie hier.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Wie lange laufen die Maßnahmen?

Förderungen werden für folgende Zeiträume möglich sein:

  • Zu 1+2 Ausbildungsprämien: für die Ausbildungsjahre 2020/2021 und 2021/2022.
  • Zu 3 Vermeidung von Kurzarbeit: bis Dezember 2021.
  • Zu 4 Auftrags- und Verbundausbildung: bis zum 31. Dezember 2021.
  • Zu 5 Übernahmeprämie: bis zum 31. Dezember 2021.
  • Zu 6 Lockdown-II-Sonderzuschuss: bis zum 31. Juli 2021
  • Zu 7 Prüfungsvorbereitungen: für das Jahr 2021

Welches Budget steht zur Verfügung?

Die Bundesregierung stellt für das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ in diesem Jahr insgesamt bis zu 500 Mio. Euro bereit, und für das Jahr 2022 wurden 200 Millionen Euro reserviert.