Karliczek: „Das ist erst der Anfang“

Seit dem Start der #FactoryWisskomm haben 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in sechs Arbeitsgruppen Handlungsperspektiven für die Wissenschaftskommunikation in Deutschland erarbeitet. Jetzt wurden die Empfehlungen der Öffentlichkeit vorgestellt. 

#FactoryWisskomm: Handlungsperspektiven für die Wissenschaftskommunikation am 23. Juni 2021 in Berlin
© BMBF/ Hans-Joachim Rickel

Präsentiert wurden die Ergebnisse des monatelangen Strategieprozesses rund um die Wissenschaftskommunikation im Rahmen einer hybriden Abschlussveranstaltung im Museum für Naturkunde in Berlin. Zusammen mit Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Gästen wie Prof. Dr. Christian Drosten und Dr. Mai Thi Nguyen-Kim erklärten und diskutierten die Teilnehmenden dort ihre Handlungsempfehlungen.

Das Ziel: Zukunftsorientierte Wissenschaftskommunikation

Museumsleiter Prof. Johannes Vogel, Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sowie Prof. Dr. Dorothea Wagner (Allianz der Wissenschaftsorganisationen) eröffneten den Abend und begrüßten die Teilnehmenden und das Publikum vor der historischen Kulisse des Sauriersaals. Im Anschluss präsentierten die Teilnehmenden der #FactoryWisskomm im Gespräch mit Staatssekretär Christian Luft die zentralen Resultate aus sechs verschiedenen Arbeitsgruppen, die allesamt eine zukunftsorientierte Wissenschaftskommunikation zum Ziel hatten.

#FactoryWisskomm: Handlungsperspektiven für die Wissenschaftskommunikation am 23. Juni 2021 in Berlin
Unter den Gästen der Veranstaltung waren Prof. Dr. Christian Drosten und Forschungsministerin Anja Karliczek © BMBF/ Hans-Joachim Rickel

Ein wesentliches Fazit aus dem Ergebnispapier: „Verantwortungsvolle Wissenschaftskommunikation“ ist ein „integrales Element des Wissenschaftssystems“. Sie ist „integer in ihren Inhalten und Methoden, sie ist relevant, nachvollziehbar, verständlich und transparent.“ Gleichzeitig macht die #FactoryWisskomm in ihren Handlungsempfehlungen deutlich, dass von verschiedenen Disziplinen entwickelte Lösungen für komplexe Probleme „mitunter widersprüchlich“ sein können – genau deshalb müssen sie „transparent und nachvollziehbar kommuniziert werden“. Das heißt auch: „Wissenschaftskommunikation wahrt die Distanz zu persönlichen Werturteilen.“

Wissenschaftsjournalismus im digitalen Zeitalter

Forschungsministerin Anja Karliczek hatte die #FactoryWisskomm im Herbst 2020 ins Leben gerufen. Sie liefert unter anderem Antworten auf folgende Fragen: Wie kann es gelingen, dass kommunikativ engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genug Anerkennung für ihre Arbeit bekommen? Welche Unterstützung brauchen sie? Und wie kann die Zukunft des seriösen Wissenschaftsjournalismus im digitalen Zeitalter und einer schnelllebigen Medienbranche gesichert werden? Insgesamt waren 150 Fachleute aus Forschung und Kommunikation am Strategieprozess beteiligt. „Vom gezielten Kompetenzaufbau auf allen Bildungs- und Karrierestufen, über Leitlinien zur Qualitätssicherung in der Wissenschaftskommunikation bis zur Etablierung und Stärkung intermediärer Orte, also Orten, die Wissenschaftserkenntnisse vermitteln, wie beispielsweise Museen, enthält das Papier viele sehr konkrete Vorschläge,“ so fasste Bundesforschungsministerin Anja Karliczek die Ergebnisse des monatelangen und intensiven Strategieprozesses zusammen.

#FactoryWisskomm: Handlungsperspektiven für die Wissenschaftskommunikation am 23. Juni 2021
© BMBF/ Hans-Joachim Rickel

Krisen zeigen, wie wichtig Wissenschaft ist

Während der Abendveranstaltung zeigte Prof. Dr. Felix Büsching in seinem Science Slam „Was ist Wissenschaftskommunikation“, wie authentisch, unterhaltsam und nachvollziehbar die Vermittlung von komplexen Forschungsthemen sein kann. Der Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft, Gesellschaft, Medien und Politik in Zeiten von Corona widmete sich anschließend die Podiumsdiskussion „Stinktier beim Picknick?“. Welchen essenziellen Stellenwert eine gute Wissenschaftskommunikation in unserer Gesellschaft – und vor allem in Zeiten der Krise – einnimmt und welche Rolle dabei der Journalismus, die Politik, aber auch Forschungsinstitutionen selbst spielen, diskutierte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek anhand verschiedener Beispiele mit Prof. Dr. Antje Boetius, Prof. Dr. Christian Drosten, Dr. Mai Thi Nguyen-Kim, Manuel Hartung und Dr. Ernst Dieter Rossmann MdB. Dabei wurden u. a. die Schaffung von adäquaten Strukturen und die Bereitstellung von Ressourcen als zentrale Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Wissenschaftskommunikation hervorgehoben. Dr. Mai Thi Nguyen-Kim ermutigte die Forschenden „sich zu trauen, in die Tiefe zu gehen, tief in Methoden, in Statistiken, in Fehlerintervalle einzusteigen.“

#FactoryWisskomm 22.06.2021
© BMBF/ Hans-Joachim Rickel

Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit einer sogenannten „defense unit“ innerhalb der Wissenschaftsinstitutionen betont, die die Forschenden schützt. Denn: „Mit öffentlichen Reflexen umzugehen, ist nicht Teil der Ausbildung und auch nicht Teil der Alltagserfahrung der Wissenschaftler“, so Prof. Dr. Christian Drosten. Manuel Hartung fasste den allgemeinen Tenor als „Aufbruchsstimmung“ zusammen, Staatssekretär Christian Luft schloss sich dem an: „Das ist heute kein Enddatum, sondern ein Startschuss.“

#FactoryWisskomm gibt zukunftsweisende Impulse

Das Fazit der Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: „Ich finde es wichtig, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in gesellschaftliche Debatten einbringen und Position beziehen. Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder, der forscht, immer auch kommunizieren kann oder muss. 

#FactoryWisskomm 22.06.2021
© BMBF/ Hans-Joachim Rickel

Doch alle, die das wollen und alle, die das können, sollen bestmögliche Unterstützung und Anerkennung erfahren. Die #FactoryWisskomm liefert für diesen notwendigen Veränderungsprozess zukunftsweisende Impulse. Ich danke allen beteiligten Expertinnen und Experten für ihre wertvolle Arbeit.“

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und wird in Kürze hier zur Verfügung gestellt.